09. November 2018

Schillernde Schweizer Mode an der Mode Suisse

Die Mode Suisse zeigt seit 2011 zwei Mal jährlich aufstrebende Schweizer Designerinnen und Designer. Das hat den Schweizer Modemarkt verändert, ist sich Gründer Yannick Aellen sicher.

Kevin Germanier an der Mode Suisse
Die Mode Suisse ist die wichtigste etablierte Plattform für Schweizer Modedesign. Nicht selten sorgt ein Auftritt hier für den Durchbruch: so auch bei Kévin Germanier, dessen Kreationen inzwischen weltweit gefeiert werden. (Bild: Bon Wongwannawat)

Yannick, Aellen, was haben Sie sich zuletzt an Mode gekauft?

Ein weiss-blau gestreiftes Hemd im «Wolf of Wallstreet»-Stil von Assandri, das mich sofort überzeugt hat. 

Überzeugt waren Sie auch davon, in der Schweiz eine Modeplattform aufzubauen.

Mode war seit den 80ern in der Schweiz ein Thema, da gab es immer wieder grössere Events. Man wollte Stars kreieren, die kurzfristig Aufmerksamkeit erhielten, oft aber langfristigere Unterstützung gebraucht hätten. In den Nullerjahren gab es den Swiss Textiles Award, aber in seinen letzten Jahren gab es keinen Platz mehr für eine Schweizer Nominierung. Neben den Schauen der beiden grossen Modeschulen Head Genève und Institut für Mode-Design in Basel gab es keine Plattform, die sich regelmässig dem Schweizer Design widmete. Eines Tages trank ich mit Designerin Claudia Zuber Kaffee, und wir beschlossen, das zu ändern. So entstand die Idee für die Mode Suisse , 2012 fand die erste Edition statt.

Wie kamen Sie auf diese Idee?

Damals wie heute ist die Modebranche mein Arbeitsalltag. Ich kannte die ganze Geschichte des Swiss Textiles Awards und der Vorjahre, habe an den grossen Fashion Weeks in den Modemetropolen als Show-Produzent und Casting-Director gearbeitet und consultet. Es gibt nicht viele Schweizer, die diesen Job machen. Ich kannte also die Branche, ihre Akteure und Probleme. Mode Suisse war eine sehr natürliche Entwicklung daraus.

Die Mode Suisse war das erste Projekt, das von Engagement Migros unterstützt wurde. Wie kam es dazu?

Das war ein Richtiger-Ort-Richtige-Zeit-Ding. Die Migros wollte Engagement Migros aufbauen, und wir hatten wenige Monate zuvor die Mode Suisse lanciert. Ideell wurden wir unterstützt vom Bundesamt für Kultur, das wiederum mit der Migros im Austausch war. Die erste Mode Suisse Edition war bereits ein sehr grosser Erfolg, auch medial. Die Migros wurde auf uns aufmerksam, und sehr bald sassen wir zusammen an einem Tisch. Ab Edition 2 war Engagement Migros dann unser Partner.

Wie sah die Zusammenarbeit konkret aus?

Wir standen in ständigem Austausch. Neben der finanziellen Unterstützung haben sie uns in Workshops beraten, wie wir unsere Struktur aufbauen und wirtschaftlicher werden könnten. Daraus entstand die Idee einer Trägerschaft. Durch unsere vier gleichberechtigten Partner – Engagement Migros, Zürcherische Seidenindustrie Gesellschaft, Hulda und Gustav Zumsteg-Stiftung und Pro Helvetia – ist die Mode Suisse inzwischen bis 2021 minimal gesichert. Wir planen aber schon weiter und würden uns sehr freuen, wenn es auch danach weitergeht. Ich wünsche mir, dass die Mode Suisse unumgänglich wird – und näher an den Leuten stattfindet.

Yannick Aellen (Bild: Jen Ries)

Dank der Mode Suisse wurde der Schweizer Modemarkt jünger und moderner.

Yannick Aellen (42), Gründer der Mode Suisse (Bild: Jen Ries)

Warum erhält die Mode Suisse – bereits seit der ersten Edition – so viel Zuspruch?

Weil es in erster Linie um Inhalt geht und nicht um Chichi. Natürlich trinken auch wir gern ein Glas Champagner, aber wir haben keinen roten Teppich. Wir setzen die wichtigsten Einkäufer und Journalisten in unsere ersten Reihen und betreiben Showrooms.

Braucht es im digitalen Zeitalter noch eine so analoge Plattform?

Unbedingt. Die Hauptevents der Mode Suisse wenden sich ja in erster Linie an ein Fachpublikum, und das muss die Kollektionen in Bewegung sehen, um sie einzukaufen. Aber wir suchen klar auch den Kontakt zum Online-Handel, dieser ist wichtig für die Designer.

Wie hat sich der Schweizer Modemarkt verändert, seit die Mode Suisse existiert?

Er wurde moderner und jünger. Der Austausch in der Schweizer Modebranche ist heute stärker. Die beiden Schulen in Genf und Basel haben einen engeren Dialog, die Profession hat ein Vehikel, an dem sie sich orientiert.

Ist es für aufstrebende Designer leichter geworden, Fuss zu fassen?

Jedes Label, dass sich bewirbt, erhält von unserer Jury ein fundiertes Feedback. Und wenn es ein junges Label in unser Line-up schafft, ist das ein erster Ritterschlag, dann wächst die mediale Aufmerksamkeit sehr schnell. Aber nach einigen Saisons muss es verkaufen, ansonsten wäre es nur ein teures Hobby, was nicht in unserem Sinn ist.

Was wünschen Sie sich für die Modebranche der Schweiz?

Dass die Grenzen näher rücken, auch zwischen unseren vier Landessprachen und Kulturen. Dass die Schweizerinnen und Schweizer modisch mutiger werden. Und dass sich die Menschen auch ausserhalb der Modeblase Gedanken darüber machen, welche Kleidung sie kaufen. Lieber seltener eine gute, teure Hose statt jeden Monat drei Paar.

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