13. Juli 2017

Scher dich zum …

Bänz Friedli findet an Namen gewisser Coiffeursalons wenig Gefallen. Hier kannst du dich mit ihm oder anderen Leser(inne)n austauschen.

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Martina war lange Zeit meine Lieblingscoiffeuse. Eigens zum Haareschneiden fuhr ich noch zu ihr nach Thun, als ich schon längst in Zürich lebte. Warum sie ihren Salon allerdings «Tijera del Diablo» getauft hatte – Teufelsschere –, leuchtete mir nie ganz ein. An Martina musste ich denken, weil es in unserem Quartier einen neuen Salon gibt. Was weiter kein Problem wäre – müsste ich nicht mehrmals täglich auf dem Velo daran vorbeifahren: «Manuela’s 4 Haareszeiten».

Ich wünsche besagter Manuela nur das Beste, wirklich. Aber ich bin nun mal so pingelig, dass ich mich immer – also viermal täglich – an dem Apostroph in «Manuela’s» störe. Im Englischen wäre der korrekt, auf Deutsch ist er falsch. Und weshalb, bitte, muss der Name betont lustig sein, «4 Haareszeiten»? Wobei ich gar nicht auf die mir unbekannte Manuela ziele. Einen gleichnamigen Salon gibt es auch in Neuhausen am Rheinfall, einen namens «Haareszeiten» am Pfluggässlein in Basel, ferner in Münster, Berlin, Aichtal und Wiesbaden. Und vermutlich denken sie alle, sie seien als Einzige daraufgekommen … Unsere Manuela ist also lediglich einem Trend gefolgt, der schon fast zum Zwang geworden zu sein scheint: einen Coiffeursalon auf Teufel komm raus originell zu taufen.

Bäckereien heissen Stocker oder Michel oder Zingg. Coiffeure hingegen meinen stets, furchtbar witzig sein zu müssen: «Haarchitekten», «Vorhair – nachhair» und «Haarmonie» mögen als Wortspiele ja noch funktionieren, meinetwegen auch «Hairlich» in St. Gallen, «Gwafför Hairzig» in Zürich, «WintHAIRrthur» und «Haireinspaziert» in Frauenfeld. Aber wenn man auf das Wortspiel mit Bindestrichen, Apostrophs, Gross- und Kleinschreibung aufmerksam machen muss, ist etwas schief: «CHAARraktHAIR», «Haar’em», «Atmosp’hair» und «Ver-locke-nd» gehören verboten, «HairZStück» und «Tilos HairBerge» sind kaum besser, «Cut-Haar-Ina» musste ich dreimal lesen, bis mir klar wurde, dass es auf den Namen der Besitzerin anspielt. Und möchte man sich in den «Salon Liebhaarber» setzen, sich bei «Haarbracadabra», «Haar-core», «SaHaara» oder «Chaarisma» schamponieren lassen? Da lobe ich mir den guten alten Salon Monika.

Fertig gestänkert, Herr Friedli? Ja. Denn seit ich meinen Blick für haarsträubende Coiffeurnamen geschärft habe, stiess ich durchaus auch auf Perlen: «Schnittstelle» gefällt mir, auch wenn es in der Schweiz schon ein Dutzend Geschäfte dieses Namens gibt, und «Über kurz oder lang» zeugt von echtem Basler Wortwitz. Erstens, weil der Laden auf Haarverlängerungen spezialisiert ist. Und zweitens, weil er betrieben wird von: Erwin und Ivan Lang.


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