02. August 2016

Im Schattengarten

Ein sonnenarmer Garten bringt so manchen Hobbygärtner zur Verzweiflung. Nicht so Bert Stankowski aus Weisslingen ZH: Seine Liebe gehört den Hostas.

Bert Stankowski in seinem Schattengarten
Bert Stankowski in seinem schattigen Paradies.

«Schnecken sind cleverer, als man denkt. Haben sie sich ein Hostablatt ausgeguckt, kriechen sie den Stiel hoch und raspeln ihn so an, dass das Blatt abknickt. Dieses vertilgen sie dann bequem vom Boden aus.»

Bert Stankowski (64) weiss, wovon er spricht: In seinem 150 Quadratmeter grossen Garten in Weisslingen ZH wachsen 335 Arten und Sorten Hostas, ein wahres Schlaraffenland für die Schleimer. Wobei das Wort «wogen» dem Blättermeer viel eher gerecht wird, das da zwischen Reiheneinfamilienhaus und steilem Wiesenbord wächst respektive eben wogt.

Das Schattenreich wird von den verschiedenen Grüntönen der Hostas dominiert
Das Schattenreich wird von den verschiedenen Grüntönen der Hostas dominiert.

Die Hosta, auch Funkie genannt, stammt ursprünglich aus Japan und ist ein Waldbewohner. Weshalb Bert Stankowski nach seinem Einzug vor 13 Jahren in seinem Garten erst einmal eine ganze Batterie schnell wachsender Bäume pflanzte. Diese sorgen heute neben Schatten auch für eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit im Hostagarten: «Meine Frau sagt immer, hier sehe es wie im Dschungel aus», amüsiert sich der gelernte Gärtner.

Nach einem Regen hängen die Blätter der Hosta denn auch so tief am Boden, dass es kein Durchkommen mehr gibt. Das ist dann der Moment, wo Stankowski resolut zu Schere greift, um das Blättermeer wenigstens ein bisschen zu bändigen.

Blatt statt Blütenschmuck: Der Hostagarten überzeugt das ganze Gartenjahr

Blaugrün, Grasgrün, Farngrün, Moosgrün, Smaragdgrün, Türkisgrün – die Farbpalette der Blattschmuckstauden ist immens. Im Frühling schiessen die frischen Triebe wie Spargeln aus dem Boden. «Wenn sich die Blätter entrollen, ist das schon sehr eindrücklich», erzählt er.

Die Funkien von Juni bis September schieben weisse bis violette Blüten
Die Funkien von Juni bis September schieben weisse bis violette Blüten.

Die Blüten, die sich im Laufe des Juni entwickeln und von Hummeln und Taubenschwänzchen geschätzt werden, mag er hingegen weniger, da sie «ein zu grosses Gewirr» ins Bild brächten.Im Herbst verfärben sich die Blätter dann golden, ein weiterer Höhepunkt: «Ein Hostagarten bietet rund ums Gartenjahr etwas fürs Auge, obwohl er ja eigentlich eine Monokultur ist.»

Diese Hosta wächst auf einem Lavastein.

Hostas sind extrem anpassungsfähig und arrangieren sich mit dem vorhandenen Platzangebot, was sie zur idealen Topfpflanze macht. Als Waldpflanzen goutieren sie humosen Boden, keine Staunässe, weshalb Bert Stankowski sie im Topf auf Blähton setzt. An heissen Tagen greift er zum Gartenschlauch: «Die Blätter funktionieren wie eine Wasserrinne, leiten das Wasser zum Pflanzenherzen.» Am liebsten mag er die bläulichen Sorten.

Bei der Identifizierung der Blumen helfen Metallschilder
Bei der Identifizierung der Blumen helfen selbst geprägte Metallschilder.

Diese finden dank ihrer wachsbeschichteten Oberfläche bei den Schnecken weniger Anklang. Die braunen Ackerschnecken sammelt er von Hand ab, bei den kleinen Tauschnecken gehts jedoch nicht ohne Schneckengift. Der Hostafreund hat aber auch beobachtet, dass angefressene Blattschmuckstauden im folgenden Jahr meist umso stärker ausschlagen.

Neben den Schnecken haben die Hostas noch einen weiteren Feind: den Hagel. In den 13 Jahren hat es drei Mal so richtig heftig gehagelt im Hostagarten: «Da war dann wirklich alles Spinat.» Für einmal konnte selbst Photoshop nicht mehr helfen: Mit diesem Grafikprogramm retuschiert Bert Stankowski nämlich die Frassspuren der Schnecken von seinen Fotos, bevor er diese auf seiner Website präsentiert.

Bert Stankowskis schattiger Gartenplatz.
«The White Line» nennt Bert Stankowski den Weg quer durch seinen Blattgarten, an dem sich vor allem weiss panaschierte Hostas aufreihen.

Fotografin: Tina Steinauer

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