08. Februar 2018

Sandra Cortesi über ihre eigene Mediennutzung

Zeitungen liest sie viele, aber nur digital. Sie spielt viele Games zum Zeitvertreib – und muss sich in der Welt der Jugendlichen gut auskennen, um sich auf Augenhöhe mit ihnen zu unterhalten.

Sandra Cortesi am Handy
Ist selbst ein Digital-Junkie: Sandra Cortesi kann nicht ohne ihr Handy leben.
Lesezeit 3 Minuten

Haben Sie noch Tageszeitungen abonniert, die Sie auf Papier lesen? Bezahlen Sie dafür?

Ich habe mehrere Abos, aber alle digital, etwa die «New York Times» und die «NZZ». Zudem lese ich diverse Tageszeitungen online, amerikanische, schweizerische und auch lateinamerikanische, weil ich mal dort gelebt habe.

Aber nichts auf Papier?

Nein. Ausser ich bin in der Schweiz, «20 Minuten» zum Beispiel. Bücher hingegen bevorzuge ich gedruckt.

Welche Social-Media-Plattformen nutzen Sie?

Privat am liebsten Instagram, für die Arbeit Twitter. Dann Facebook, Youtube und Snapchat, wobei ich das nicht immer so ganz verstehe. Diese Plattformen nutze ich nicht nur wegen meiner Arbeit, sondern weil es mich auch privat interessiert. Und ich habe viele Game-Apps, Gamen ist meine Passion.

Was spielen Sie denn so?

Alles mögliche. Ich habe eine Nintendo Wii, aber auch «Clash of Clans» oder «Clash Royal», vieles spiele ich einfach zum Zeitvertrieb.

Aber keine Ego-Shooter mit Zombies oder anderen Monstern?

Das habe ich auch schon gespielt, aber diese Phase habe ich im Moment nicht.

Finden Sie die Plattformen cool, mit denen sich Jugendliche beschäftigen, oder denken Sie, mein Gott, was ist denn das jetzt schon wieder?

Es ist selten so, dass ich eine neue Onlineplattform nicht cool finde. Es kommt aber natürlich schon drauf an, wofür man sie nutzt. Games sind oft hauptsächlich ein Zeitvertreib. Deshalb habe ich an solche Apps darüber hinaus auch keine grösseren Ansprüche. Aber es entstehen durch sie oft neue Kommunikationskanäle – viele haben eine eigene Chatbox, in der man sich natürlich anders mit Jugendlichen unterhält als per E-Mail.

Facebook und Twitter sind bereits über zehn Jahre alt. Andere sind schon längst wieder verschwunden. Werden diese beiden Plattformen längerfristig überleben?

Ich glaube, dass sich die Social-Media-Landschaft noch stark verändern wird. Jugendliche wechseln Plattformen schnell, in den USA zeigen die Zahlen, dass sie im Moment keine Lust haben, überhaupt einen Facebook-Account zu eröffnen. Das Datensammeln trägt generell nicht viel zur guten Reputation einer Plattform bei. Viele wollen schlicht nicht mehr alles mitmachen. Auch die politische Positionierung einer Plattform spielt bei Jugendlichen eine Rolle. Wenn zum Beispiel eine Firma ihre Mitarbeiter schlecht behandelt, nutzt man als Kunde oder Kundin vielleicht lieber eine andere, weil man dieses Verhalten nicht unterstützen möchte.

Twitter wurde durch den neuen US-Präsidenten quasi zum Kommunikationskanal der Regierung. Haben Sie sich mit diesem Thema beschäftigt?

Bei uns am Berkman Klein Center beschäftigen sich viele mit diesem Thema, weil es eben neu ist. Demnächst werden wir untersuchen, welchen Einfluss solche Tweets auf die Meinungsbildung der Jugendlichen haben.

Welche Jugendlichen kommen eigentlich zu Ihnen, um diese Themen gemeinsam zu erforschen?

Ganz unterschiedliche. Wir haben jeweils etwa 50 bezahlte Sommerpraktika. Die Jugendlichen kommen aus der ganzen Welt – meist bewerben sich mehrere Tausend für diese Stellen. Wir arbeiten aber auch oft mit Fokus-Gruppen und Schulen oder Organisationen, die Afterschool-Programme haben. Noch wichtiger ist aber der kontinuierliche Austausch mit Jugendlichen. Konkret heisst das, dass mein Büro ab 15 Uhr an manchen Tagen anders aussieht als vorher. Die Jugendlichen kommen nach der Schule, um mit uns zu schwatzen und zu erzählen, was so läuft. Es ist allerdings eine stete Herausforderung, das aufrechtzuerhalten.

Ich führe ein extremes Leben, bin ständig unterwegs.

Warum?

Diese Jugendlichen kommen freiwillig zu mir ins Büro, das funktioniert, weil ich glaubwürdig bin und genau weiss, wovon ich spreche, wenn wir uns über digitale Plattformen unterhalten. Ich kann also nicht oberflächlich sein, sondern muss mich ehrlich für sie als Person interessieren und mich in den Themen auskennen, die sie beschäftigen. Die Jugendlichen würden sofort herausfinden, wenn ich nur so tue als ob.

Sie sind Expertin auf Ihrem Gebiet. Ihr Wissen liesse sich sicher gewinnbringend kommerzialisieren.

Das Berkman Klein Center hat eine Open-Access-Policy. Was wir erforschen, muss für die Welt verfügbar sein, und zwar gratis. Das finde ich ein extrem wichtiges Konzept. Mir ist wichtig, dass Jugendliche ernster genommen werden. Wenn ich dafür mehr Talks und Interviews geben muss, dann mache ich das gern. Geld verdiene ich damit nicht.

Sie sind in Venezuela geboren, in Kolumbien aufgewachsen, waren lange Zeit in der Schweiz und jetzt in den USA. Das klingt nach einem sehr multikulturellen Leben. Ticken Sie anders als eine 35-Jährige, die immer in der Schweiz war?

Meistens finde ich meinen internationalen Hintergrund sehr positiv. Ich spreche viele Sprachen, reise um die ganze Welt und fühle mich an vielen Orten zu Hause. Ich kann verschiedene Kulturen besser verstehen, das hilft mir auch im Job. Zum Beispiel wenn ich mit Unicef ein Projekt in Südamerika durchführe, dann ist mir die Welt dort nicht total fremd. Aber es ist natürlich ein extremes Leben, ich bin ständig unterwegs.

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