30. Januar 2017

«Sam National» ist ein Elternversteher

Lego in der Nase, Handy in der Vase: Im Song «Alles nur e Phase» erkennen viele sich und ihren Elternalltag wieder. Sammy Frey alias «Sam National» feiert mit dem Lied Erfolg auf Youtube und Facebook. Sein grösster Fan aber ist Töchterchen Lena.

Sammy Frey alias «Sam National» mit Tochter Lena
Sammy Frey alias «Sam National» mit Tochter Lena.

Diverse Kinderorganisationen wollen ihn als Aushängeschild, den Mann mit der Gelassenheit eines Reggaemusikers: Sammy Frey (39) ist Sekundarlehrer, Vater – und Musiker. Als «Sam National» ist er sich für nichts zu schade; in seinen Videos macht er sich gern zum Affen. Er lässt sich bemalen, bekleben, füttern oder singt politische Ständchen durch eine Gegensprechanlage – Hauptsache, es unterhält und die Botschaft kommt an.

In seinem aktuellen Song «Alles nur e Phase» lautet sie: Liebe Eltern, ihr seid nicht allein. Wir alle verraten immer mal wieder unsere Prinzipien, um fünf Minuten Ruhe zu haben, können Alltagstätigkeiten einhändig erledigen oder mit zwölf Kilo an den Beinen Essen zubereiten. Knapp 1000 Onlinekommentare bestätigen: Eltern fühlen sich verstanden. Sogar Freys Vater befindet sich unter seinen Anhängern.

«Ich bin Musiker, dies ist meine Ausdrucksform. Ich singe auch viel mit Lena.» Tochter Lena (2½) kennt alle Lieder auswendig, ist sozusagen sein Testpublikum: «Wenn sie abgeht, ist das ein Qualitätsmerkmal.» Im Auto will Lena nur seine Songs hören und singt immer mit. Nur auf Befehl mag sie es nicht zeigen. Ihr Lieblingssong? Jeder von Sam National. «She’s my biggest fan, ich bin ja auch ihr Fan», sagt er.

Obwohl er ein schlechter Schüler war, landete er – nach der Diplommittelschule, der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene und einem Semester Germanistik – an der Pädagogischen ­Hochschule, wo er sich zum Sekundarlehrer ausbilden liess. Dort entstand seine Band «Paul das Pausenbrot»: fünf Lehrer, die ausschliesslich Hits covern – aus allen Sparten. Das breite Repertoire macht die Band aus, genauso wie Sammy Frey: Er kommt aus der Hip-Hop-Ecke, hat aber keinen fixen Musikstil. «Text und Stil müssen einfach matchen», sagt er.

«Make Swiss music great again»

Das Gitarrespiel brachte Sammy Frey sich autodidaktisch bei. Er wäre «huere gern en geile Gitarrischt», sagt er in breitem Züridialekt. Ein halbes Jahr lang studierte Frey am Guitar Institute of Technology in Hollywood, L.A., doch das war nicht das, wonach er suchte. Ihm gehe es «mehr um die Message als um das Mega-Gitarrensolo».

Englische Wörter fallen immer wieder. Auf seiner Kappe steht: «Make Swiss music great again». Mit Trump habe er nichts am Hut, es sei eine «Message an die Schweizer Musikindustrie»: mehr Platz für Grautöne, weniger Schubladisierung. Politisches reizt ihn, davon gebe es in der Schweizer Musikszene zu wenig.

Sein Künstlername «Sam National» steht für eine Schweiz als Kollektiv. Er wolle keine «Happy-Lieder» singen, sondern gesellschaftlich relevante Themen ironisch aufgreifen. Wie beim Eurovision Song Contest: Frey regt sich nicht im stillen Kämmerlein darüber auf, wenn die Schweiz Jahr für Jahr null Punkte kassiert. Stattdessen komponierte er 2015 «Zero Points for Switzerland», eine humorvolle Intervention.

Überhaupt scheint den Mann nichts aus der Ruhe zu bringen. Sogar wenn Tochter Lena einmal nicht hören will, bleibt er ruhig und meint: «Sie hat halt den gleichen sturen ‹Grind› wie ich.»

An seine Grenzen stosse er lediglich in ­Momenten, in denen er unbedingt etwas haben wolle – «Schlaf zum Beispiel». Wenn Lena aber morgens um drei wach ist, bleibt er gelassen. «Sie kann dann einfach nicht anders.»

Er nehme vieles nicht persönlich, auch als Klassenlehrer. Früher war er viel strenger, heute kann er auch mal «fünf gerade sein lassen». Vor allem Kindern gegenüber sei man einfach oft am kürzeren Hebel, meist nachts. Um vier Uhr werde nicht mehr diskutiert, dann schlafe Lena eben im Ehebett, wie im Lied beschrieben. «Bittere Realität», sagt er und lacht. Er nimmt das Leben mit Humor. Deswegen wohl Jimmy Cliffs «You Can Get It If You Really Want» am Ende des Videos.

Locker geht er mit Lena um: Kaum nähert sich ein anderes Kind ihrem Brötchen, rät er Lena, es zu verteidigen, «oder besser: zu teilen». Sein Erziehungsstil sei «wohlwollend konsequent». Als Lena ein Schöggeli erhält, fordert der Papa ein «Danke säge» ein. Sammy Frey hat klare Vorstellungen, auch als Musiker: Das Video ist eine Eigenproduktion, er wollte keine Kompromisse eingehen.

Seit Jahren ein Paar – mit Unterbrüchen

Freys Frau findet den Rummel um Sam National nicht so toll, deshalb hält sie sich medial im Hintergrund. Die beiden lernten sich in der Pfadi kennen, sind seit 18 Jahren ein Paar – mit Unterbrüchen. Als Lena zur Welt kam, begann eine neue Ära.

Seit der Geburt der Tochter stehen die persönlichen Bedürfnisse und die eigene Selbstverwirklichung nicht mehr an erster Stelle. Es geht jetzt um Lenas Wohl. Zum Beispiel hier und jetzt: Immer wieder vergewissert er sich, ob sie noch zufrieden am Spielen ist. «Es wäre gemütlicher, weiterhin hier drinnen zu sitzen. Aber Lena muss raus, sich bewegen.»

Sammy Frey geniesst die Zeit mit seiner Tochter. Vor allem an Wochenenden und am Mittwoch, an seinem Papi-Tag. Denn auch wenn das Elterndasein nicht ­immer einfach ist: Bereits nach einem Tag hat er schon richtig Sehnsucht nach Lena – Phase hin oder her.

Bild: Basil Stücheli

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