11. März 2018

Salatvielfalt im Garten

Mit den richtigen Sorten kann man rund ums Jahr frische Salate ernten.

Salatvielfalt: Hier ein Rosa di Verona
Sortenvielfalt bei Salaten: Hier ein Rosa di Verona.
Lesezeit 4 Minuten

Dass ich das Gärtnern für Köche als unerlässlich erachte, darüber habe ich bereits geschrieben. Eines der eindrücklichsten Plädoyers für den Selbstanbau ist Salat. Wer einmal im Tessin, in Italien oder anderen Ländern über den eigenen Tellerrand blickt, wird entdecken, dass es mehr gibt als Kopfsalat, Eisberg und Nüssler.

Kaum im Tessin, sieht man auf Märkten diverse Zichorien – nicht nur Catalogna und Cicorino rosso, sondern auch zum Anbeissen hübsche Varianten in Rosa. Während die Suche nach Saatgut für letztere Variante bei mir immer noch nicht erfolgreich war, findet man erstaunlich viele Sorten in Gartencentern wie Do it + Garden Migros oder auch online. Gerade die Zichorien wie Schnittzichorie, Cicorino rosso, Grumolo oder Catalogna eignen sich im Garten für den späten Anbau, zum Beispiel nach Erbsen im Gemüsebeet oder auch im Balkonkasten oder grossen Töpfen.

In den vergangenen Jahren sind asiatische Salate, hauptsächlich Senfsorten aus der Familie der Kohlgewächse, ein grosses Thema geworden, meist als «Asian-» oder «Oriental-Green-Mix». Mittlerweile rücken die einzelnen Protagonisten wie Mibuna (Brassica rapa/japonica) oder Mizuna (ebenfalls Brassica rapa/japonica) als Solostars in den Blickwinkel von Hobbygärtnern.

Im Garten und auf dem Balkon lassen sich auch attraktive und geschmackvolle Blätter wie Blutampfer (Rumex sanguineus) oder die jungen Triebe von Erbsen heranziehen. Beide setzen kleine Akzente in Salaten und machen den Salatteller zu etwas Besonderem. Das gesamte Geschmacksspektrum lässt sich auf einem Salatteller abbilden: Süssen Geschmack durch die gängigen Blattsalate und Erbsentriebe, Bitternoten mit Zichorien, Saures kommt von Ampferarten, Salziges vom Hirschhornsalat. Und natürlich Scharfes durch die Senfsalate aus der Kohlfamilie.

Eine Gartenautorin, die sich schon sehr früh mit der Sortenvielfalt von Salaten beschäftigte ist die Britin Joy Larkcom. Ihr Klassiker The Salad Garden von 1984 erscheint heute, 34 Jahre später, endlich auch auf Deutsch und in einer mehrfach aktualisierten Ausgabe als Der Salatgarten. Das grosse Verdienst, der mehrfach ausgezeichneten Gartenautorin: Sie brachte von ihrer langen Familienreise im Campingbus durch Europa viel Saatgut mit.

Sie sprach mit Profi- und Hobbygärtnern, Saatgutherstellern und hielt ihre Augen offen – immer bereit, eine neue Salat- oder Gemüsesorte für sich zu entdecken. So soll sie überhaupt erst Lollo rosso, die asiatischen Sorten sowie Schnittsalate und Baby Leaf in Grossbritannien populär gemacht haben. Und während die meisten Salate oft nur mit der Sommersaison verknüpft sind (vom Nüsslisalat einmal abgesehen), kam Joy Larkcom mit Sorten, die auch eine Ernte im Winter möglich machten. Man muss natürlich schauen, ob man die Erfahrungen im britischen Klima auf den eigenen Garten übertragen kann, aber die mittlerweile über 80-jährige Gärtnerin liefert fundiertes Wissen für den ganzjährigen Salatanbau.

Ebenfalls ganzjährig baut der Brite Charles Dowding Salate an, der seine Erfahrung in dem Buch Im Salatparadies weitergibt. Auf seinem kleinen Grundstück in Somerset erntet er so viel, dass er – ganz ohne Maschinen – Märkte und Restaurants mit seinen Salatmischungen beliefern kann. Er mischt junge Erbsentriebe und Kräuter unter seine Mischungen, die sich so geschmacklich erheblich von Salaten aus dem Supermarkt unterscheiden. Er gibt Anzuchts- und Sortentipps, die seiner eigenen Philosophie vom Gärtnern folgen, nämlich dem No-Dig-Prinzip. Er gräbt seine Beete nicht um, sondern pflanzt direkt auf Kompost. Das wird in vielen Gartenbüchern oft strikt abgelehnt, bei Dowding funktioniert es bestens, wie er in seinen Youtube-Videos belegt.

Zum Thema Minimierung von Krankheiten und Schädlingen kann er auf über 30 Jahre Erfahrung zurückblicken. Er plädiert für den richtigen Zeitpunkt der Aussaat, um beispielsweise die kleinen Löcher im Rucola zu verhindern. Die werden von Erdflöhen in die jungen Blätter gefressen. Die aktive Phase der Erdflöhe reicht vom Frühjahr bis in den Sommer. Wer Rucola also spät (August/September) sät, hat weniger Probleme mit den Erdflöhen. Natürlich treten nicht alle Schädlinge und Krankheiten überall auf. Deshalb muss man seinen Garten genau beobachten. Die Tipps von Charles Dowding sind jedenfalls Gold wert und führten bei mir dazu, dass ich meinen Anbauplan für dieses Jahr mehrfach umstellte und anpasste.

Mein Fehler im vergangenen Jahr: Ich habe Salate direkt gesät und so perfekte Nahrung für Schnecken und andere Plagegeister geliefert. Ich hatte zunächst das Gefühl, die Samen würden gar nicht aufgehen, dabei waren die zarten Pflänzchen schneller weg, als die Samen zum Keimen gebraucht hatten. Dieses Jahr ziehe ich Salate geschützt vor. Es hilft übrigens, die Bereiche um die Salate herum frei von Wildkräutern und welken Blättern zu halten. Ansonsten kommen die Schnecken und räumen auf. Ein professioneller Salatgärtner erklärte mir, dass er um seine (riesigen) Beete einen rund ein Meter breiten, unbewachsenen, wildkrautfreien Streifen lässt. Auch das hindert Schnecken, sich neues Territorium zu erobern.

Ein grosser Vorteil von Schnittsalaten auf dem Balkon und im Garten: Man kann kontinuierlich ernten. Dabei schneidet man immer die äusseren Blätter, die Pflanze wächst von innen munter weiter.

Gesät habe ich bisher einige Schnittsalate, Spinat und Erbsen. Diverse Senfsorten wie Golden Frills, normale Senfblätter, Mizuna und Mibuna folgen später, ebenso die Zichorien und Hirschhornsalat (ein Wegerichgewächs) für den Winter.

Ich hoffe zumindest auf ein paar extravagante Salatmahlzeiten für 2018.

Welche Salatsorten wachsen bei dir?

Bücher für den Salatgarten

Bei Ex Libris:
Der Salatgarten
Autorin: Joy Larkcom
Seiten: 288
Verlag: Haupt Verlag

Im Salatparadies
Autor: Charles Dowding
Seiten: 208
Verlag: Urania

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