08. Juni 2015

Robuste Rosen im Garten

Dass Rosen krankheitsanfällig und heikel sind, lässt Béatrice Halter so nicht gelten. Die Blumenfreundin setzt in ihrem kleinen Garten im Kanton Zug auf robuste neue Sorten.

Béatrice Halter in ihrem Rosengarten
Béatrice Halters Rosen sind keine Mimosen. Statt zu Chemie greift sie zu Buttermilch.

«Ein konsequentes Deadheading ist die halbe Miete!» Béatrice Halter (50) sagts und lässt ihre Rosenschere auf und zu schnappen. Deadheading? «Das regelmässige Herausschneiden alles Verblühten», erklärt die Hobbygärtnerin. Das fördere die Bildung neuer Knospen, und darum gehe es ja schliesslich: «Eine Rose will sich über eine möglichst lange Zeit von ihrer schönsten Seite präsentieren.»

Rosen mögen Wind um die Nase

Knappe 80 Quadratmeter misst Béatrice Halters Reiheneinfamilienhausgarten in Hünenberg ZG am See. Er ist der blühende Beweis dafür, dass die Königin der Blumen auch bei erschwerten Verhältnissen viel Freude bereiten kann. Und zwar ohne, dass der Gärtner (oder in diesem Fall die Gärtnerin) gleich zur chemischen Keule greifen muss. Ihr «Minigärtli», wie sie es nennt, liegt nämlich direkt auf dem Betondeckel einer Tiefgarage, die Humusschicht ist gerade einmal 30 Zentimeter dick. Was eigentlich ein No-Go für Rosen als typische Tiefwurzler ist.

Trotzdem hat die Rosenliebhaberin mehrere frustrierende Jahre lang versucht, diese Tatsache zu ignorieren. Letzten Frühling hatte ihr Mann dann eine gute Idee: Heute wachsen ihre Lieblinge in sechs grossen, rund eineinhalb Meter breiten und drei Meter langen Hochbeeten aus Cortenstahl. «Die rostfarbenen Hochbeete passen optisch gut zu den leuchtenden Farben der Rosen», freut sie sich. Und das Mehr an Bodenfreiheit scheint den Rosen zu behagen; was ja der Sinn der Übung war. Über 40 Sorten – vom niedrigen Bodendecker bis hin zum langrankigen Kletterer – wechseln sich unterdessen das ganze Sommerhalbjahr lang fleissig beim Blühen ab.

Rosen (nicht nur) für Anfänger

Dabei weist das Minigärtli gemäss Rosengärtnerlehrbuch ein weiteres Manko auf: Wegen der eng stehenden Nachbarshäuser verirrt sich nämlich kaum ein Windstoss hierher. Wind aber lässt die Blätter nach einem Regen rasch abtrocknen und hilft damit das Aufkommen von Blattkrankheiten wie den gefürchteten Sternrusstau zu minimieren. «Das ist der Grund, warum ich mich seit der Neugestaltung des Gartens ganz bewusst auf Rosen konzentriere, die sehr resistent und wenig krankheitsanfällig sind.»

So sind denn auch die meisten der Rosen sogenannte ADR-Rosen, Neuzüchtungen, die von der Allgemeinen Deutschen Rosenneuheitenprüfung (ADR) gelabelt wurden. Ihr grosses Plus: Sie müssen gar nicht oder nur ganz wenig gespritzt werden. Und eignen sich daher auch gut für Anfänger.

Die «Graciosa» ist eine Kletter- und Gross-Strauchrose und blüht öfter.

Béatrice Halters Liebe zur Königin der Blumen wurzelt in ihrer Kindheit: «In unserem Garten stand eine alte, rote Kletterrose. Deren Namen weiss ich leider nicht, aber ihr Duft ist unvergesslich.» Als sie dann ihren ersten eigenen Garten übernehmen konnte, waren gerade Edelrosen en vogue. «Die mussten aber laufend gespritzt werden, was mir irgendwann zu blöd war.» Statt Rosen zog sie fortan lieber Gemüse. Bis sie dann mit ihrem Mann für ein paar Jahre eine Jugendstilvilla beziehen konnte, zu der auch ein über 100 Jahre alter Rosengarten gehörte. «Da hat es mir wieder den Ärmel reingenommen.»

Es darf auch mal mit Gurken sein

Heute hegt und pflegt die Immobilienfachfrau nicht nur ihre eigenen Rosen, sie engagiert sich auch im Vorstand der Gesellschaft der Schweizer Rosenfreunde. Als Delegierte hat sie schon an Rosenkongressen in Japan, Kanada, Südafrika und Neuseeland teilgenommen. Gerade eben ist sie aus dem französischen Lyon zurückgekehrt. Ihre Traumrose habe sie unter den rund 50 präsentierten Neuzüchtungen aber leider wieder nicht entdeckt.

Ihre Traumrose? Béatrice Halter schmunzelt: «Ich träume von einer blauen Rose. Blau – und natürlich möglichst gesund!» Bis dahin behilft sie sich mit blauen Hortensien. «Die machen sich bestens zu weissen oder pinken Kletterrosen.» Sowieso findet sie, dass Rosengärtner ruhig etwas mutiger sein könnten, was die Unterpflanzung ihrer Stöcke angeht. In englischen Gärten beispielsweise würden Ihrer Majestät als Hofstaat gern auch mal Erdbeeren oder Mangold zugesellt. Selbst Gurken habe sie schon gesehen.

Béatrice Halter steckt ihre Rosenschere ins Futteral, für heute ist das Deadheading abgeschlossen. Auf den Blättern einer Bodendeckerrose hat sie dunkle Flecken entdeckt, die will sie nun mit verdünnter Buttermilch behandeln. «Nützt das nichts, fliegt der Stock raus, da bin ich konsequent.»

Fotografin: Anita Affentranger

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