17. Dezember 2012

Risiken, Vorteile und Wirkung der Pille

Die Antibabypille ist ein praktisches Verhütungsmittel, weist aber in der Anwendung auch Nachteile auf und für etliche Frauen grosse Risiken. Nicht nur bereits sexuell aktive Teenager sollten deshalb bei der Ärztin abklären, ob sie das Richtige ist.

Die Antibabypille
Die Antibabypille, ein Verhütungsmittel mit Vor- und Nachteilen und einigen Kontraindikationen. (Bild: mauritius images)

Hauptsächlich enthalten alle als 'Pille' bezeichneten Präparate als Wirkstoffe die Hormone Östrogen und Gestagene. Letztere täuschen dem Körper vor, es bestehe bereits eine Schwangerschaft und verhindern hauptsächlich den neuen Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Das Östrogen hingegen unterdrückt primär den Eisprung und stabilisieren den Zyklus auf 28 Tage.

Im Detail lässt sich die Wirkung in vier Punkten beschreiben:

1. Die Schleimhaut wird nicht normal aufgebaut, womit sich eine Eizelle fast unmöglich dort einnisten kann.

2. Der Eisprung wird unterdrückt, indem die Hirnanhangdrüse die Hormone FSH und LH nicht mehr ausschüttet, welche für das Heranreifen eines Eis notwendig sind.

3. Die sogannnte 'Kapazitation', das Fruchbar-Machen der Samen, in der Scheide oder der Gebärmutter wird stark reduziert respektive unterdrückt.

4. Das Aufsteigen von Spermien in die Gebärmutter wird dadurch nahezu unterbunden, dass der Schleimpropfen am Gebärmutterhals sich nicht mehr verflüssigt.

Gemeinhin unterscheidet man die folgenden Arten der Pille, hauptsächlich hinsichtlich des Anteils an Gestagenen und Östrogen:

A) Die Einphasenpille: Sie enthält die beiden hormonellen Wirkstoffe in 21 der 28 Pillen stets zu gleichen Teilen. Die sieben übrigen enthalten keine.

B) Die Zweiphasenpille: Sie enthalten in den ersten sieben Tagen nur Östrogen, danach erst zusätzlich stärker dosierte Gestagene.

C) Das Stufenpräparat: Diese Pille nähert sich durch stets wechselnde Dosierung an Östrogen und Gestagenen dem natürlichen Hormonhaushalt eher an, meist gibt es erst ein paar Tage tief dosierte Wirkstoffe, dann eine höhere Dosierung, dann eine stärkere Gewichtung an Gestagenen und zuletzt eine des Östrogens.

D) Die Mikropille: Sie enthält vor allem weniger Östrogen als die obigen Präparate und führt so zu viel schwächeren Nebenwirkungen. Dafür ist eine noch erhöhte Präzision bei der Anwendung (/Zeitpunkt der Einnahme!) unabdingbar.

E) Die Minipille: Sie enthält ausschliesslich Gestagene und eigent sich fast ausschliesslich für die Stillzeit (Östrogene gefährden durch die Milch die Gesundheit eines Babys). Ansonsten ist auch bei genauester Anwendung die Sicherheit durch den nicht unterbundenen Eisprung zu klein.

DIE VOR- UND NACHTEILE

Welche medizinischen oder praktischen Punkte sprechen bei Teenagern und Frauen ohne hohe Pillen-Risiken (siehe unten: Kontraindikationen) für oder gegen die Wahl der hormonellen Verhütung mit der Pille?

PRO

Vergleichsweise überdurchschnittliche Sicherheit
Minderung der Menstruationsbeschwerden in vielen Fällen
Häufig Abschwächung des Prämenstruellen Syndroms (PMS)
Bequeme und einfache Anwendung (orale Einnahme)
Gebärmutterhalskrebs und EIerstockkrebs treten statistisch seltener auf (bei Brustkrebs ist ist der Zusammenhang schwächer und nicht gesichert)
Das Risiko von Osteoporose wird nebenbei etwas reduziert
Die Menstruation kann ausgelassen, aber auch verschoben werden
Akne, Fettigkeit der Haare, unreine Haut udn verschiedentlich 'männlicher' Haarwuchs (z.B. 'Damenbart') nehmen ab

KONTRA

Einnahme geht leicht einmal vergessen
Markanter Eingriff in den Hormonhaushalt der Frau
Zunehmende Anfälligkeit für Scheideninfektionen
Häufigeres Auftreten von Thrombosen udn Herz-Kreislauf-Störungen
Empfängnis- und Zyklusprobleme in den ersten Monaten nach Absetzen der Pille
In einzelnen Fällen eingeschränkte Libido
Verschiedentlich auftretende Gewichtszunahme

DIE KONTRAINDIKATIONEN

Der Begriff der 'Kontraindikation' heisst wörtlich Gegenanzeige, ist in der Medizin gebräuchlich und meint dort beim Einsatz von Medikamenten oder Behandlungen primär Eigenschaften, Verhalten oder (aktuelle oder durchgemachte) Krankheiten von Patienten, die wegen zu hoher oder unverantwortbaren Risiken im Zusammenhang mit der ins Auge gefassten Behandlung von einer Anwendung ausgenommen werden müssen.

Man könnte auch von Risikofaktoren sprechen, doch gerade bei der ersten hier folgenden Auflistung verstehen die Mediziner gemeinhin praktisch ein Verbot, betroffenen Patientinnen bei Auftreten von einem der Punkte die Pille zu verschreiben:

(Ungeklärte) Blutungen im Genitalbereich
Erlittener Schlaganfall
Bereits erlittene Thromboembolie(n)
Bluthochdruck (über 160, diastolisch über 100 mmHg)
Bereits vorhandene Schwangerschaft
Zyklusabhängige Migräne (nicht menstruelle Migräne, die nur bei Monatsblutung auftritt!)
Raucherinnen über 35 Jahre

Die Liste ist nicht abschliessend. Es gibt im Übrigen auch noch folgende ('relative') Risikofaktoren, die nicht in jedem Fall vom Einsatz der Pille abraten lassen, jedoch seriöse Vorabklärungen durch den verschreibenden Arzt erfordern:

Übergewicht
Rauchen
Krampfadern oder Beinvenenentzündungen
Lebererkrankungen
Ein Alter über 40 Jahren
Verordnete Bettruhe oder generell fehlende Bewegungsmöglichkeit
Bereits über 10 Jahre dauernde hormonelle Verhütung (erhöhtes Risiko für Plaques, kleine Entzündungen in den Arterien)

Auch hier ist die Übersicht nicht komplett. Sicher ist, dass Ärztin oder Arzt, welcher für die Verschreibung ohnehin aufgesucht werden muss, derartige Punkte abklären muss. Noch besser, wenn ihn Patientinnen bereits auf derartige Risikofaktoren hinweisen.

Als klare Anzeichen, dass die Verhütung gefährdet ist respektive die hormonelle Wirkung beeinträchtigt wird oder gar ausbleibt, sind diese drei Faktoren festzuhalten:

1. Einnahme von Schmerz-, Beruhigungs- und Kreislaufmitteln, von Antibiotika, Mitteln gegen die Tuberkulose, gegen Epilepsie und ein paar weiteren Medikamenten (deshalb bei ärztlicher Abklärung unbedingt alle derzeit eingesetzten Medikamente angeben respektive bei neuer Erkrankung mit genannten Medikamententherapien Verhütungsfrage neu klären!)

2. Erbrechen in den vier Stunden nach Einnahme der Pille

3. Bei mehrmaligem Durchfall innert 24 Stunden (dann werden die Hormone möglicherweise nicht vollständig aufgenommen)

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