12. Oktober 2017

Die Migros-Reiskammer im Tessin

Seit 60 Jahren verkauft die Migros Reis aus eigener Produktion. Den wertvollen Rohstoff beschafft sich die Riseria aus der ganzen Welt und veredelt ihn im Tessin zu höchster Qualität.

Reismühlen von Olmia
Wunderschön, aber bald museumsreif: Die edlen Reismühlen von Olmia in der Riseria.

Wie ein kleiner Wasserfall rieseln die Reiskörner aus der Hand von Daniel Feldmann (50), Chef der Reismühle Riseria in Taverne TI. Nichts bleibt an seinen Fingern haften, kein Staub, kein Mehl – nichts. «Wenn der Reis frisch ist, dann bleibt die Hand sauber», sagt der Fachmann, der für die Migros seit gut sieben Jahren eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Welt beschafft. «Dank der Just-in-time-Produktion hat die Migros den wohl frischesten Reis in der Schweiz.» Was das heisst: Reis wird nur dann verarbeitet, wenn Bestellungen eingehen, und er wird in kürzester Zeit in die Filialen geliefert. 90 Prozent des Transports geht über den eigenen Bahnanschluss der Reismühle.

Riseria-Chef Daniel Feldmann prüft den Reis auf dem Feld bei Valle Lomellina in Norditalien.

Die Reiskammer der Schweiz

In den gigantischen Silos der Riseria, die heuer ihr 60-Jahre-Jubiläum feiert, lagert Rohreis aus Asien, Lateinamerika und vor allem Italien. «Je nach Reiskorngrösse haben zwischen 120 und 150 Tonnen in einem Silo Platz. 5000 Tonnen davon sind Notvorrat, ein Pflichtlager des Bundes», erklärt Daniel Feldmann. «Darum nennt man uns auch die Reiskammer der Schweiz.» Unter optimalen Bedingungen lagern in den über 80 Silos insgesamt rund 10 000 Tonnen Rohreis. Die Riseria betreibt damit die grösste Reismühle der Schweiz.

Zwischen der Ernte auf dem Feld und der Lieferung in den Tessin erfolgt nur ein Schritt: das Entspelzen. Dabei wird die äussere, trockene Hülle entfernt, die das Reiskorn umgibt. «Bei einer Feuchtigkeit des Reiskorns von mehr als 14 Prozent kann es schimmeln, und liegt die Feuchtigkeit unter 12 Prozent, wird der Reis brüchig. Da gibt es nur wenig Spielraum», weiss Fachmann Feldmann.

Über 120 000 Reissorten

1957 hat Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler die Tessiner Reismühle gekauft, die 1905 von der Familie Curti aus Varese gegründet wurde. Damit hat die Migros die Versorgung mit Reis für ihre Kundinnen und Kunden von Beginn an gesichert. «Das weisse Korn gehörte zu den ersten sechs Artikeln, die Duttweiler seit 1925 im Verkauf hatte», sagt Daniel Feldmann. Rund sechs Kilogramm essen die Schweizer durchschnittlich pro Jahr. Das ist wenig im Vergleich zum asiatischen Schnitt von 100 Kilogramm. «In Asien ist Reis ein Grundnahrungsmittel wie bei uns Brot», weiss der gelernte Koch, «Gemüse, Fleisch oder Fisch sind Beilagen.»

Weltweit werden rund 700 Millionen Tonnen Reis angebaut, gut 90 Prozent davon im Hauptkonsumationsgebiet Asien und Ozeanien. Das International Rice Research Institute IRRI im philippinischen Manila hat über 120 000 Reissorten katalogisiert. «Weltweit werden rund 20 000 verschiedene Reissorten angebaut, die meisten für den Eigengebrauch», sagt Feldmann. Allein 180 verschiedene Arten werden in Italien angepflanzt, woher rund die Hälfte des in der Schweiz gegessenen Reises stammt.

Seit 2010 betreibt die Migros in Indien und Thailand eigene Anbauprojekte


Gut 100 Kilometer von Taverne entfernt, liegen im Norden Italiens die Reisfelder der Po-Ebene. Die Transportwege sind also kurz, die Anbaumethoden modern. «Der Boden, das Wasser und natürlich das Saatgut sind die massgebenden Faktoren für die Reisqualität», sagt Feldmann, «deshalb kümmern wir uns um die gesamte Wertschöpfungskette.» So engagiert sich die Migros nun auch in Italien für verschiedene Nachhaltigkeitsprojekte.

Einmalig in der Schweiz

Auf die Beschaffung des optimalen Rohreises folgt die sorgfältige Verarbeitung. Aus den Silos gelangen die Reiskörner über ein Labyrinth von Röhren auf Schüttelsiebe und werden dort von winzigen Steinchen, Staub und Fremdkörpern getrennt. Dann zählt das richtige Mass. Der Reis wird nach Dicke und Länge sortiert, ein weiteres Schüttelsieb scheidet grüne, unreife Körner heraus.

Danach gelangt der Reis auf rotierende Schleifkegel und Bürsten, die ihm den Glanz verleihen. Schliesslich kontrollieren optische Ausleser jedes einzelne Korn, bevor der Reis verpackt wird. Eine sorgfältige Veredelung, wie sie die Riseria in den vergangenen 60 Jahren geleistet hat, ist in der Schweiz einmalig. Und mit dem geplanten Neubau einer Produktionsanlage blickt die Tessiner Reismühle optimistisch in die Zukunft. In Europa ist die Reisverarbeitung zwar rückläufig, es wird verstärkt auf Importe gesetzt. Doch importierter Reis ist weniger frisch, und auch die Qualitätskontrolle ist schwieriger.

Seit 1949 verfügt die Riseria über einen eigenen Bahnanschluss. 90 Prozent der Ware gelangt via Bahn in die Verteilzentren der Migros.

Daniel Feldmann ist daher zu Recht stolz auf den hohen Standard, den sein Unternehmen setzt: «Seit 2010 betreibt die Migros in Indien und Thailand eigene Anbauprojekte, wo keine Pestizide verwendet und Ressourcen schonend eingesetzt werden. 700 Bauern pflanzen dort Basmati- und Jasminreis an und erfüllen den Biostandard. Schon damals stand die Qualitätsverbesserung im Fokus. Dass die Migros diese Auf­bauarbeit geleistet hat, finde ich gross­artig.»

Benutzer-Kommentare

Verwandte Artikel

Micarna-Mitarbeiter auf Streifzug durch Barcelona

Jean-Pierre Monney

An weniger Süsse gewöhnen

Zürich Wollishofen eine Selbsttipp-Kasse

Kunden als Kassenleute

Der orange Ohrwurm