03. Juli 2017

Rhabarber, gefrevelt

Eine alte Bauernregel besagt, dass man den Rhabarber nur bis zu den ersten Kirschen ernten soll. Nur hab ichs nicht so mit Regeln – und deshalb nochmals zugegriffen.

Rhabarber
Ob sich die späte Ernte rächt? Mehr dazu im nächsten Gartenjahr!
Lesezeit 2 Minuten

«Sind die Kirschen rot, ist der Rhabarber tot» – diesen Spruch hatte schon mein norddeutsches Gotti drauf. Und da ich kürzlich im Bernbiet die ersten Schweizer Chriesi schnabulieren durfte, heisst das in der Logik «fertig lustig» mit frischem Rhabarberkuchen und -kompott.

In der Theorie gibt es dafür zwei Gründe: Zum einen legt der Rhabarber Ende Juni jeweils einen zweiten Wachstumsschub hin. Im Zuge dieses Schubes bildete die Pflanze Kraft und Reserven fürs nächste Jahr. Erntet man fröhlich weiter, schwächt man die Pflanze und schmälert damit die kommenden Erträge.

Zum anderen handelt es sich beim Rhabarber um ein oxalsäurehaltiges Knöterichgewächs, dessen Säuregehalt im Laufe des Sommers zunimmt. Oxalsäure kann Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion wortwörtlich auf die Nieren schlagen und im schlimmsten Fall zu Vergiftungen führen. Wobei man dazu auch sagen muss, dass man den Rhabarber schon kiloweise verputzen müsste.

Soviel zur Theorie. Da ich aber mehr die Praktikerin bin, hab ich mir erlaubt, heute für einen letzten Kompott ein paar Stängel rauszudrehen (schneiden soll man sie nicht, dies als kleiner Tipp nebenbei...). Anschliessend an diesen Frevel hab ich der Pflanze eine grosszügige Ladung Hasenmist verpasst – als Wiedergutmachung sozusagen.

Übrigens hat es in England ein cleverer Gärtner geschafft, mit «Livingstone» eine Rhabarbersorte zu züchten, die bis Ende Oktober beerntet werden kann. Zwar steigt auch bei diesem Herbstrhabarber der Oxalsäuregehalt auf den Sommer hin an, dies aber in einem unproblematischen Rahmen. Falls also mein Rhabarber nächsten Sommer schwächeln sollte, wäre der Kauf eines «Livingstone» ein Gedanke wert!

Benutzer-Kommentare