Leser-Beitrag
02. August 2017

Restipass – Lötschenpass: Vom Wallis ins Berner Oberland

Grandiose drei Täler- und zwei Pässe-Wanderung: Rhonetal, Lötschental, Gasterntal – vom Wallis ins Berner Oberland über den Restipass und Lötschepass. 

Die Zweitages-Wanderung eröffnet einem vieles: Nicht nur Bergpanoramen in drei Tälern auf viele 4-Tausendergipfel, sondern veranschaulicht einem auch die aktuellen Gletscherbewegungen über ewiges, härtestes, Jahrhunderte altes Eis, welches über sich Tonnen von unterschiedlichstem Gestein ganz unmerklich langsam hinunter ins Tal schiebt.

Es lohnt sich am Vorabend nach Leukerbad anzureisen, damit die Wanderung frühzeitig begonnen werden kann. Es beginnt zunächst bequem mit der Seilbahn auf die Bergstation Rinderhütte (Torrent-Bahnen). Von hier folgt man dem Wegweiser Richtung Kummenalp. Mit prächtigem Blick ins Rhonetal wandert man auf einem angenehmen Höhenweg bis zum Wysse See, wo die 40-jährige Reise des Thermalwasser von Leukerbad beginnt. Regenwasser dringt ins Gebirge bis ca. 500 Meter unter dem Meeresspiegel ein und nimmt dabei Calcium und Sulfat auf, tritt dann später als Thermalwasser wieder ans Tageslicht.

Nun beginnt der Aufstieg zum Restipass. Der Weg verläuft gleichmässig ansteigend bis zur Passhöhe. Oben angekommen eröffnet sich ein fantastischer Panoramablick ins Lötschental mit dem mächtigen Bietschorn in der Mitte. Nach rund einer Stunde Abstieg erreicht man die Restialp. Eine Einkehr lohnt sich – das kleinste Restaurant des Kantons Wallis mit nur einem Tisch im Restaurant, welcher auch gleich der Stammtisch ist. Die Terrasse bietet herrliches Panorama und eine wunderbare Sicht ins Lötschental. Auf einem breiten Kiesweg geht es ab da zunächst nochmals ein wenig abwärts. Und steigt dann wieder an bis zur Kummenalp mit Berggasthaus. Hier kann man im Doppelzimmer oder Massenlager nächtigen. Es lohnt sich! Alpen-Gourmet-Menus vom Feinsten verwöhnen hungrige Wanderer. Die Rösti wird weitherum gerühmt. Die walliser Köchin liebt ihr Handwerk und man wird vortrefflich verwöhnt!

Nach herrlichem Schlaf geht es am nächsten Tag frühzeitig von der Kummenalp auf einem gut ausgebauten Weg steil aufwärts. Auf der Höhe Stierstutz kann man mit etwas Glück Steinböcke sichten. Bald darauf, nach dem steilsten Stück, erkennt man endlich auf dem Hochplateau die Lötschenpasshütte mit dem markanten Ferdenrothorn und Balmhorn. Man wähnt sich fast in einem futuristischen Film. Eigenartiges Gestein erhebt sich vor einem. Über Steinblöcke überwindet man die letzten paar Hundert Meter bis zur willkommenen Pause.

Der Lötschenpass wurde schon seit Jahrtausenden begangen, er verbindet das Wallis mit Bern und war ein Bindeglied zwischen der Schweiz und Rom. Man fand, und findet vielleicht heute noch, Spuren wie Überreste von Pfeilen aus der Spätsteinzeit, Römische Münzen und mehr.

Nach der Stärkung folgt der Abstieg zum Lötschegletscher. Der Weg führt steil am Felsen hinunter. Der mit Drahtseilen gesicherte Weg verlangt ein wenig Kletterei, Tritt- und Schwindelfreiheit. Manchmal sogar den Hosenboden – lieber rutschen als abrutschen! Hat man die Felspassage geschafft, befindet man sich auf der Gletschermörane. Über Felsblöcke und Geröll folgt man der Moräne bis fast an deren Ende, wo man nach rechts zum Gletscher absteigt. Was von der Ferne als Geröll wahrgenommen wird, entpuppt sich als echter Gletscher. Man glaubt es kaum, aber unter all den Steinen befindet sich pickelhartes Eis und ständig fliessendes Wasser! Leuchtende Stangen markieren die Wegrichtung. Der Weg ist zwar nicht wirklich gefährlich und kann gut mit normalen Wanderschuhen begannen werden, dennoch erfordert die Traversierung des Lötschegletschers erhöhte Aufmerksamkeit. Unzählige Gletscherbäche müssen überwunden, mal übersprungen werden. Auf der anderen Seite des Gletschers sind dann noch kleinere, ungefährliche Schneefelder zu überwinden.

Rechts eröffnet sich nun ein wunderschöner Ausblick auf den Kanderfirn und ins Gasterntal. Der Name «Gasteren» geht auf die frühen Reiseaktivitäten zurück und bedeutet im Kandersteger Dialekt «übernachten». In alter Zeit war das Tal ganzjährig bewohnt und bot den Reisenden Schutz und Obdach. Die Bewohner sorgten auch für den Unterhalt des Passwegs.

Nachdem man den Gletscher hinter sich gelassen hat, folgt ein steiler Abstieg am Felsen mit zwei, drei ausgesetzten Passagen, die aber mit Konzentration gut zu meistern sind. Dann verlässt man die steinige Welt und erste Alpwiesen tun sich auf. Den schwierigen Teil zurückgelassen, bleibt der Abstieg dennoch steil. Beim Leitibach hat man einen tollen Ausblick auf den Wasserfall. Weiter folgt die Route zur Gfelalp und durch einen herrlichen Wald an weiteren Wasserfällen vorbei bis zur Hängebrücke, die die Kander überspannt. Unten im Gasterntal angekommen, hat man die Qual der Wahl zwischen dem Hotel Steinbock und dem Hotel Gasterntal zur Einkehr, bevor man mit dem Bus (oder auch zu Fuss) nach Kandersteg aufbricht. Die Busfahrt (Rufbus Tel. 033 671 11 72, Reservation erforderlich!) nach Kandersteg ist ein echtes Abenteuer. Über eine schmale Kiesstrasse geht es mit tollen Ausblicken auf die Kander und die Schlucht abwärts und gibt hie und da einen Adrenalinkick.

Tipp: Wer die Wanderung abkürzen will, kann bei der Kummenalp in rund einer Stunde zur Seilbahn-Bergstation Lauchernalp wandern. Oder auch auf dem Lötschenpass in zwei Stunden zur Lauchernalp gelangen. Dies wären die guten Alternativen, wer sich die T4-Passagen des Gletschers und Abstieges nicht zumuten möchte.

Route: Rinderhütte (Leukerbad) – Wysse See – Restipass – Kummenalp – Lötschepass – Selden (Gasterntal)

Anforderung: schwer

Wanderzeit: 8 Std.

Distanz: ↔ 31 km

Höhenmeter: ↑ 1227 m ↓ 1988 m

Detaillierter Routenbeschrieb

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