02. August 2017

Resilienz dank Krafttraining für die Gefühle

Es gibt Menschen, die schwer traumatisierende Ereignisse überleben und danach nicht psychisch erkranken. Andere mit den gleichen Erlebnissen leiden für den Rest ihres Lebens. Resilienz heisst diese psychische Widerstandsfähigkeit. Sie kann trainiert werden.

Achtsam mit sich umgehen
Achtsam mit sich umzugehen, bedeutet auch, Sorge zu seinen Gefühlen zu tragen. (Bild: Getty Images)
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Psychologen gehen davon aus, dass es Unterschiede gibt, mit welcher psychischen Widerstandsfähigkeit Menschen mit belastenden Lebensereignissen umgehen können: Es gibt Menschen, die mehr Belastungen ertragen als andere.

Das ist beim Körper nicht anders. So haben die einen «einen gesunden Rücken» oder «ein starkes Herz» und andere leiden lebenslang an der Anfälligkeit eines Körperteils oder eines Organs. Das ist aber nicht in Stein gemeisselt. So kann ein «schwacher Rücken» beispielsweise durch gezieltes Krafttraining und Bewegung gestärkt werden.

Unwillkürliche Emotionen
Gleiches gilt für die Psyche, auch diese ist veränderbar. Hier sind es in erster Linie emotionale Konflikte, die zu Leiden führen. Emotionen sind unwillkürliche, körperliche Reaktionen. Unser Gehirn bewertet ständig die Umgebung, ohne dass es uns bewusst ist. Diese Bewertung geht zum limbischen System des Gehirns und mobilisiert diejenige körperliche Reaktion, die Emotion genannt wird. Wenn diese körperlich-emotionalen Reaktionen bewusst wahrgenommen werden, werden sie als Gefühle erkannt und entsprechend benannt.

Das bewusste Wahrnehmen der Gefühle verhilft dazu, sie besser einordnen und damit leichter aushalten zu können. Menschen, die nicht wissen, was sie fühlen, wissen demzufolge auch nicht, was sie wollen.

Einheit von Körper und Psyche
Wenn wir unsere Gefühle wahrnehmen, aushalten, reflektieren und in gesunde Verhaltensweisen übertragen können, erhöht sich unsere psychische Widerstandskraft. Wir können also analog zum Krafttraining für den Rücken, unsere Psyche stärken. Körper und Psyche sind dabei niemals getrennt. Alles, was für einen gesunden Körper unternommen wird, wirkt sich auch auf die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen und damit umzugehen, positiv aus.

Je nach Ausprägung der psychischen Probleme sind aber psychologische Massnahmen nötig, um die psychische Widerstandskraft zu stärken. Denn es ist wichtig, mit kurzfristigen Frustrationen umgehen und diese in willentliche Entscheidungen und innere Motivation umwandeln zu können.

Im Sinne von «Krafttraining für die Gefühle» kann es sich lohnen, sich durch ein psychologisches Coaching oder eine Psychotherapie unterstützen zu lassen, um psychisches Leid zu redu­zieren. 

Peter Locher (Lic. phil.) ist Fachpsychologe für Psychotherapie FSP bei Santémed Bern Zentrum

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