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Als Österreich noch am Mittelmeer lag

Istrien und die Kvarner Bucht wurden früher als «österreichische Riviera» bezeichnet. Sie gehörten zur K.-u.- k.-Monarchie und waren die bevorzugte Ferienregion der Adligen. Heute kann jeder dort Ferien machen und die gelungene Mischung aus Grandezza und Gemütlichkeit geniessen.

Es gibt gewisse Momente, da stockt dem Betrachter der Atem für einen kurzen Augenblick. Beispielsweise, wenn man im Hotel Miramar die Balkontür öffnet. Der Ausblick ist schlichtweg hinreissend! Grün bis dunkelblau das Meer, darüber strahlt die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Und dazwischen schlängelt sich der Lungomare dem Ufer entlang, der von Villen und Palästen gesäumt ist. Willkommen in der Kvarner Bucht, an den Gestaden von Opatija, der Stadt mit der beeindruckenden kaiserlich-königlichen Atmosphäre und verhältnismässig wenigen Bausünden! Und wo gibts das noch: einen zwölf Kilometer langen Fussweg direkt dem Ufer entlang? Der Lungomare, auch Franz-Josef-Promenade genannt, zieht sich von Volosko über Opatija bis nach Lovran und bietet da und dort kleine Badebuchten an. Hier ist der Weg das Ziel.

Der Lungomare bei Opatija; ganz hinten leuchtet die Villa Neptun.

Jugendstilvillen unter Palmen

Vor mehr als 100 Jahren war die «österreichische Riviera» eines der beliebtesten Reiseziele der Kaiserfamilie und ihrer wohlhabenden Anhänger. Sie zog gekrönte Häupter, Adelige und Künstler an, die des milden, mediterranen Klimas wegen vor allem im Winter an die Adria reisten. Mit der Zeit entstanden neben privaten Villen auch Sanatorien, Seebäder und Hotels, von denen viele heute noch erhalten sind. So auch die Villa Neptun, 1867 erbaut, die - heute im Belle-Époque-Stil renoviert – den Mittelpunkt des Wellnesshotels Miramar bildet. Hier geniesst der Gast modernen Komfort und zuvorkommenden Service in K.-u.-k.-Atmosphäre. Da alle Angestellten Deutsch sprechen, genauso wie die meisten Bewohner der Kvarner Küste, hat man das Gefühl, man halte sich gar nicht in Kroatien auf. Das «Miramar» liegt direkt am Lungomare, ebenso wie weitere Prachtbauten, die einen ausgedehnten Spaziergang lohnen. Mit Hilfe der Broschüre «Lungomare» (gibts im Infozentrum in Opatija) verpasst man keinen dieser Zeitzeugen.

Die Kvarner Bucht und Istrien werden heute oft in einem Atemzug genannt, obwohl die beiden Regionen eine unterschiedliche Geschichte haben. Istrien unterstand beinahe 400 Jahre lang Venedig. Das hat Spuren in der Architektur und in der Sprache hinterlassen. Sogar die Ortschaften tragen zwei Namen: einen italienischen und einen kroatischen. Wer die Kvarner Bucht besucht, wird bestimmt einen Ausflug nach Istrien unternehmen – oder umgekehrt.

In der Kvarner Bucht tischen die Köche oft frischen Fisch auf, den sie auf dem Fischmarkt wie jenem von Rijeka kaufen.

Istrien zählt zu den Gourmetgeheimtipps, nicht zuletzt weil hier köstliche Naturprodukte wachsen. Und wo es Schmackhaftes zu verarbeiten gibt, sind Schweizer Köche meist nicht weit. So treffen wir im Designhotel Lone in Rovinj die Kanada-Schweizerin Priska Thuring (31). Eigentlich heisst sie Thüring, doch mit den Jahren im Ausland verschwanden die ü-Pünktchen.

Eine Schweizerin auf Erfolgskurs

Ihre Familie wanderte nach Kanada aus, als Priska vier Jahre alt war. Mit 18 Jahren kehrte sie in die alte Heimat zurück, um ihre Ausbildung zur Köchin im «Dolder Grand» in Zürich aufzunehmen. Priska wusste schon damals genau, was sie wollte. Und im «Dolder Grand» lernte die 31-Jährige auch ihren Ehemann kennen: Tomislav Greti (41), der heute als Food-&-Beverage-Manager von drei Maistra-Hotels amtet und im Nachbarhotel Monte Mulini für den Chef’s Table des Restaurants Wine Vault kocht.

Priska Thuring hat sich im Restaurant L in Rovinj in nur zwei Jahren 13 Gault-Millau-Punkte erkocht. Von aussen sieht das Designhotel Lone wie ein Kreuzfahrtschiff aus.

Priska Thuring hat nach zwei Jahren im Restaurant L 13 Gault-Millau-Punkte erkocht. Sie verbindet die traditionelle kroatische Küche mit moderner Kochkunst, angereichert durch Alpenländisches und einen Schuss Humor. Doch für die quirlige Blondine ist es genauso wichtig, dass sie ein gutes Team hat, das sie ausbilden und dem sie Verantwortung übertragen kann.

Ihre erste Station war Dubrovnik. Dort empfand sie das Arbeiten schrecklich chaotisch und undiszipliniert. In Zagreb war es dann schon besser. Da fehlte es eigentlich an nichts. Doch erst in Rovinj fühlte sie sich richtig wohl und angekommen. «Rovinj ist voll gemütlich», erzählt sie, «da ist Freundlichkeit noch Normalität, und man wird nicht als Arbeitsfaktor wahrgenommen.» Es herrscht keine Hektik, die Leute sind gut drauf, unkompliziert und relaxt, aber nicht unverbindlich. Eine gute Mischung, welche die Köchin als hohe Lebensqualität wahrnimmt und geniesst.

Das Einzige, was ihr ab und zu fehlt, ist ihre Familie: «Skype hat anfänglich gegen das Heimweh geholfen. Eigentlich bin ich dort zu Hause, wo mein Herd steht. Zudem wissen wir jetzt, dass wir in Istrien bleiben wollen – denn wo bekommen schon zwei selbständige Chefköche Arbeit in der gleichen Stadt?» Ausserdem sagen ihr die Naturprodukte der Region zu, die sie bei den Produzenten selber ausprobiert und auswählt.

Radmila Karlić präsentiert frisch geraffelte Trüffel. Trüffelhund Blacky und seine kostbare Beute.

Trüffel spielen auch in Priskas Küche eine Rolle. Und so besuchen wir einen Trüffelzüchter. Ivan wartet bereits mit Hund Blacky auf die Gäste, die er auf Trüffeljagd mitnimmt. Ivan ist der Sohn von Radmila und Goran Karlic´, deren Familie seit 40 Jahren eine Trüffelzucht betreibt. Auf dem Weg zum Waldrand rennt Blacky aufgeregt herum, die Spürnase dicht am Boden. Doch erst bei den Eichen wird er fündig. Rasch ist Herrchen Ivan zur Stelle, um den Fund gegen einen Hundekeks einzutauschen. Schwarze respektive Sommertrüffel sucht und findet Ivan hier das ganze Jahr über. Aber für die weit kostbareren Wintertrüffel dauert die Saison von Oktober bis März. Trüffeljagd macht hungrig. Das weiss auch Radmila. Als die Gäste zurückkehren, wartet sie bereits mit Trüffel-Rührei, Salami und Canapés auf. Einen Schluck istrischen Weisswein dazu, und der Trüffelfan schwebt im siebten Himmel!

Feine Weine und verdiente Hauben

Ein Traditionsbetrieb ist die Kellerei Kozlovi, die seit 1904 Weine produziert. 2012 ist der neuste Gebäudeteil fertig geworden und die wohl modernste Anlage Istriens in Betrieb gegangen. Darauf ist Gianfranco Kozlovic´, der die Kellerei in dritter Generation führt, ziemlich stolz. Genauso wie auf seine Weine, mit denen er Auszeichnungen gewinnt. In seinem Weinkeller lohnt sich eine Verkostung des Lagenweins Santa Lucia aus Malvasia-Trauben, im Eichenfass gelagert, sowie des Akacia, vom gleichen Weinberg, aber im Akazienfass gereift. Wer Süssweine mag, darf sich den Momjaner Muskat nicht entgehen lassen.

Überall, wo es gute Weine gibt, wird auch gut gekocht. Das «Monte» ist eines der angesehensten Gourmetrestaurants der Region mit 18 Gault-Millau-Punkten. Es liegt fast zuoberst auf dem Hügel der romanisch-gotisch geprägten Altstadt von Rovinj. Hier kann man à la carte tafeln oder – unsere Empfehlung – das Degustationsmenü bestellen. So kommt man in den Genuss vieler origineller Gerichte, die sich Patron und Cuisinier Danijel Đekic´ einfallen lässt. Eine Zwei-Zacken-Gabel und eine spitze Zange, die in einem Schwamm stecken, weisen auf die Hauptdarsteller des nächsten Gangs hin: Roter Knurrhahn, Scampi und Venusmuschel auf Heu gedämpft. Für elf Degustationsgänge – inklusive Amuse-Bouche – bezahlt man um die 80 Franken pro Person und für eine Auswahl bester kroatischer Weine 8 Franken pro Glas. Das gibt es nur in Kroatien.

Diese Reportage wurde durch die Tourismusverbände Kvarner www.kvarner.hr/deu/tourismus und Istrien www.istra.hr/de/ unterstützt.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 13
24. März 2014

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TIPP

Familienfreundliche Insel Krk

Wer die Insel nur aus Kreuzworträtseln kennt, sollt sich aufmachen, sie einmal real zu erleben. Vom kroatischen Festland aus erreicht man Krk mit dem Auto über eine gebührenpflichtige Brücke. Die Ostseite der grössten Adria-Insel wirkt schroff und abweisend. Doch kaum hat man die ersten Hügel hinter sich gelassen, öffnet sich eine grüne Landschaft mit üppiger Vegetation. Sogar Wein wird hier angebaut, insbesondere in der Gegend um Vrbnik. Das Dorf, auf einen Fels gebaut, der steil zum Meer hin abfällt, ist auf jeden Fall einen Bummel wert.

Besonders beliebt auf Krk sind die Badebuchten – einerseits wilde, schwer erreichbare, andererseits perfekt ausgebaute mit einer Infrastruktur, die keine Wünsche offen lassen. Beispielsweise in Baška, im Südosten der Insel, ist für Familien mit Kindern und Teenagern bestens gesorgt. Tagsüber beschäftigt sich die Jungmannschaft mit den Badeburgen und Rutschen, abends flaniert die Familie der belebten Promenade entlang, die von Restaurants gesäumt ist. Hier schlägt das Herz des beliebten Badeorts.

Wer nicht nur dem Strandleben frönen will, findet auf der Insel genügend Beschäftigung. Wandern beispielsweise, Rad fahren oder die Eroberung der Orte, die viel Geschichte aufweisen – allen voran die Stadt Krk mit ihrer sehenswerten Altstadt und der Festung.

(Bild: Für Familien ideal: Der Strand von Baška)

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