15. Juni 2018

Reisen mit Hund und Katz

Manchmal können oder wollen unsere Fifi, Mauzi & Co. nicht ins Tierheim. Wer das Haustier deshalb auf Reisen mitnimmt, sollte ein paar Dinge beachten – medizinische, rechtliche und emotionale.

Vorsicht: Einen Moment lang kann der Hund den Kopf aus dem fahrenden Auto halten. Aber nicht zu lange. Sonst droht eine Augenentzündung.
Die (Hunde-)Nase im Wind? Ja, aber bitte nicht zu lange. Sonst droht möglicherweise eine Augenentzündung. (Bid: Sourav Gautam/EyeEm/Getty Images)

Mal eben schnell nach New York oder an die Costa Brava? Mit Haustier geht das nur gut vorbereitet. Andernfalls droht ein Fiasko wie bei Kater Ozzy. Dieser befreite sich auf einer Flugreise im Laderaum aus seinem Käfig. Zehn Mal und über 90 000 Kilometer flog Ozzy unbemerkt die Strecke London–Katar, bis er entkräftet entdeckt wurde.

Mit auf Reisen nehmen kann man theoretisch jedes Haustier – wobei es sich wohl in den meisten Fällen um Hunde handeln wird. Verhaltenstierärztin Maya Bräm berät in der eigenen Praxis sowie auch an den Tierspitälern in Zürich und Bern Tierhalter. Sie rät eher davon ab, Katzen auf Reisen mitzunehmen. Und Flugreisen mit Tieren sollten nur unternommen werden wenn unbedingt nötig.

Markus Trüssel, Tierarzt im aargauischen Bremgarten, ist ebenfalls kritisch: «Ist ein Tier bereits sehr gestresst, sollte man sich fragen, ob man ihm eine Reise wirklich zumuten will.» Zudem könnten sich Tiere in manchen Ländern mit hier unbekannten Erregern infizieren: 2011 brachten beispielsweise Kaninchen aus den Ferien in Frankreich die tödliche Kaninchenpest mit. Wie man im Einzelfall am besten vorbeugt, weiss der Tierarzt.

Schon Hundewelpen vorbereiten

Hat man im Sinn, mit einem Hund öfter mal zu verreisen, beginnt man am besten schon im Welpenalter mit dem Reisetraining: Die Transportbox in der Stube, in der das Tier ab und zu ein paar Leckerli findet, macht das Behältnis attraktiver. Ratsam ist auch spielerisches Maulkorbtraining für Hunde.

Um durch den Zoll zu kommen, brauchen Katze, Hund und Frettchen mindestens einen sogenannten Heimtierausweis vom Tierarzt, eine Kennzeichnung mit Mikrochip und eine Tollwutimpfung. Manche Fluggesellschaften nehmen wegen möglicher Atemnot keine kurznasigen Hunde im Frachtraum mit.

Bei der Swiss dürfen in der Kabine nur Hunde und Katzen mitfliegen, die mit Transporttasche maximal acht Kilo wiegen und nicht stören. Meist dürfen Blindenhunde und solche, die «emotionale Unterstützung» leisten, ebenfalls in die Kabine. Passagiere in den USA nahmen mit diesem Argument auch schon ein Känguruh, ein Schwein oder Mini-Pferd mit...

Allgemeine Tipps:

  • Das Tier im Hotel, bei der Fluggesellschaft, dem Fährunternehmen und dem Mietwagenverleih frühzeitig anmelden und nach den Bedingungen fragen.
  • Schmusedecke oder Lieblingsspielzeug mitnehmen.
  • Bei Halsbandträgern «Ferien-Identifikationsmarke» mit Adresse der Unterkunft und Telefon neben der normalen Marke am Halsband befestigen.
  • Foto des Tiers mitnehmen und eins vom Halter mit dem Tier. Im Fall eines Rechtsstreits kann man beweisen, dass einem das Tier gehört.
  • Eventuell zusätzlich zur Schliessvorrichtung der Box ein Vorhängeschloss verwenden.

Flugreisen

  • Genügend grosse Transportbox mit überstehender Kante an den Seite besorgen – sodass nicht eine andere Box die Luftlöcher verschliesst.
  • Direktflug buchen; fliegt das Tier im Frachtraum, Flug so wählen, dass die Temperatur am Boden angenehm ist, wenn Wartezeiten entstehen.
  • Auf Beruhigungsmittel für das Tier verzichten. Zusammen mit dem Stress und dem niedrigeren Luftdruck im Flugzeug droht Kreislaufzusammenbruch oder gar Tod.
  • In einer Plastikhülle Kopien aller wichtigen Papiere auf die Box kleben. Dazu Koordinaten des Tierhalters und eines Freundes. Alles Wichtige zum Tier notieren.
  • Saugstarke Unterlage in der Box, mit doppelseitigem Klebeband befestigen.
  • Gut lesbar in mehreren Sprachen auf die Flugbox schreiben, dass ein lebendes Tier darin ist.

Autoreisen

  • Etwa eine Stunde vor Abfahrt nicht mehr füttern, um Reiseübelkeit zu vermeiden. Regelmässig frisches Wasser anbieten.
  • Im Auto Sonnenschutz montieren.
  • Regelmässig Pause einlegen, dabei das Tier sichern.
  • Tier nie allein im Auto lassen, der Wagen kann innert Minuten zum tödlichen Backofen werden.
  • Tiere, die bei der Fahrt oft den Kopf aus dem Fenster halten, können eine Augenentzündung bekommen.

Zugsreisen

  • Bei Fahrten ins Ausland abklären: Darf das Tier mit in den Zug? Die SBB transportieren etwa keine Tiere als Fracht.
  • Nach dem Ticketpreis fragen. Kleine Tiere fahren in der Schweiz gratis, andere zahlen den halben Preis.

Schifffahrten

  • Je nach Gesellschaft müssen Tiere in den Laderaum.
  • Vorsicht bei scharfkantige Treppenabsätzen!

Medizinisches

  • So früh wie möglich mit dem Tierarzt über die Reise sprechen.
  • Trinkwasserbehälter für unterwegs mitnehmen.
  • Schattenplätze an der Destination suchen.
  • Trinkwasserverfügbarkeit abklären (zum Trinken und zum Duschen nach Salzwasserbädern).
  • Zecken- respektive Insektenschutz einpacken.
  • Tierreiseapotheke zusammenstellen.
  • Frühzeitig Informationen über Krankheiten an der Destination wie z.B. Kaninchenpest (Myxomatose), virale hämorrhagische Krankheit (VHK), Herz- und Augenwurm und Leishmaniose einholen. Mögliche Prävention einleiten.

Behörden, Formulare

  • Sicherstellen, dass das Tier wieder in die Schweiz einreisen darf; Tierarzt und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) geben Auskunft.
  • Konsulate der Reiseländer kontaktieren.
  • Detaillierte Infos für das Reisen mit artengeschützten Tieren (etwa Papageien) beim BLV einholen.

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