Leser-Beitrag
27. Juli 2017

Refugien - Schloss oder Lagerhaus?

Brachliegendes revitalisieren

Wenn man seine Schlösser auf Luft gebaut hat, braucht die Arbeit trotzdem nicht vergebens zu sein, denn da gehören sie hin. Man muss nur die Fundamente daruntersetzen.

Henry David Thoreau

Wohnen ist Leben

Die heutigen Lebens- und Wohnformen sind vielfältig. Gab es früher mehr Familienhaushalte, so sind es heute Patchwork-Familien, Single-Haushalte von jungen und alten Menschen oder bunt zusammengewürfelte Wohngemeinschaften.Viele dieser Menschen haben ihre Träume vom eigenen Heim, auf dem Land oder auch in der Stadt.Die einen kaufen und sanieren eine Altbauwohnung, eine Villa oder Landhaus, die anderen eine alte Fabrik oder ein Schloss.

Privater Rückzug in die City

Seit einigen Jahren sind die Cityvereinigungen dazu übergegangen, die teils menschenleeren Innenstädte wieder zu beleben und Wohn-, statt nur Büroraum zu schaffen. Die Innenhöfe der Gebäude werden begrünt, es entstehen grüne Oasen der Ruhe und der Entspannung, um der hektischen Zeit zu entfliehen.Nicht nur gutverdienende Singles, auch junge Familien mit Kindern sind wieder vermehrt bereit in die Innenstädte zu ziehen. Da viele Frauen und Mütter berufstätig sind, ersparen sie sich als Pendler den Weg und die Unterbringung der Kinder in eine Kindertagestätte.

Wohnen und Arbeiten

Eine der grössten Veränderungen unseres Alltagslebens in den letzten Jahrzehnten war und ist der wachsende Trend zur Heimarbeit. Der Fortschritt auf den Gebieten der Technologie und Kommunikation, sowie der Wandel der Unternehmensstrukturen ermöglichen es, dass immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz teilweise, wenn nicht sogar vollständig zu Hause einrichten.Durch tragbare Arbeitsgeräte wie Laptops und Smartphones, ist es heute theoretisch möglich überall zu arbeiten: im Bett, am Küchentisch, im Garten oder in einem Café. In der Praxis ist aber ein fester Arbeitsbereich notwendig, besonders bei einer hauptberuflichen Tätigkeit, die daheim ausgeübt wird.

Loftwohnung und teilgewerbliche Nutzung

Der Trend zu multifunktionalen Räumen wurde in umgebauten Lagerhäusern oder Produktionshallen, so genannten Lofts, geboren. Sicher, diese Wohn- und Arbeitsform gab es auch schon in früheren Zeiten. So hatten Handwerker ihre Werkstatt und Künstler ihr Atelier in Lofts, wo sie arbeiteten und lebten.Der neue Wohntrend hat, ebenso wie die Umstrukturierung des Arbeitsmarktes dazu geführt, dass leer stehende Lagerhäuser, Montagehallen, Fabriken und andere gewerbliche Räume umgenutzt werden.

Von trostlosen Industriebrachen zu blühendem Leben

Es gibt mehrere Gründe für die Renaissance der Städte. Einer ist die postindustrielle Entwicklung der Stadt. Bahn, Post und Industrien ziehen ab und hinterlassen Flächen, die grosszügige Neuüberbauungen erst möglich machen. Ein Beispiel neuester Zeit ist das Maag-Areal oder die Sihl-City in Zürich.Die Städteplaner nennen diesen Prozess: „Brachflächenrecycling“, „Innen-entwicklung“ oder „Rezentralisierung“. Ihr Ziel ist es, Industriedenkmale zu erhalten und neue Geschäfts- und Wohnviertel zu entwickeln, welche den heutigen Lebensstilen angepasst sind.

Loft in der Feuerwache oder Pfarrhaus mit Seeblick

Die einen bevorzugen als Rückzugsort den Turm einer ehemaligen Feuerwache, die anderen restaurieren einen ehemaligen Pfarrhof.In vielen Gemeinden stellt sich angesichts verwaisender Pfarrstellen die Frage, was mit den oftmals wertvollen und noch gut erhaltenen Pfarrhöfen geschehen soll und wie ihr Erhalt und ihre Sanierung gesichert werden können. Der alte Pfarrhof von Eich wird heute von einer Familie bewohnt. Ein denkmalgeschütztes Haus, erbaut 1661, mit einem sagenhaften Ausblick auf den Sempacher See konnte wieder einer Neunutzung zugeführt werden.

Wohnträume oder träumen darf jeder

Von der amerikanischen Zukunftsforscherin Faith Popcorn wurde für diesen – Rückzug in die eigenen vier Wände und Pflege des häuslichen Lebens – der treffende Begriff cocooning geprägt, der sich vom englischen Wort für „Kokon“ ableitet. Zum cocooning – oder spezifischer – zur neuen Wohnlichkeit – gehört im weiteren Sinne die Vorliebe für alte Bausubstanzen, beispielsweise für das alte Bauernhaus, Mühle oder Holz-Chalet, welches aussen in seinem traditionellen Outfit erscheint, in seinem Innern jedoch viel Convenience und Hightech zu bieten hat. Der neue Wunsch nach Geborgenheit fördert das Bedürfnis nach Renovationen und Sanierungen im Sinne der Verbesserung der Wohnqualität.

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