Leser-Beitrag
04. März 2018

Rede an die Nation

In den obligatorischen Luftschutzbunker, oder besser schnell abtreten? Für Leser FLorian Riner herrscht Eiszeit unter den Mächtigen.

es herrscht Eiszeit
Lesezeit 2 Minuten

Die schwere Betontüre, von grün gestrichenem Eisenrahmen getragen, stöhnt. Unter größter Anstrengung öffnet Erich das Ungetüm. Er war seid Jahren nicht mehr im Keller. Der Schutzraum, gefüllt von nicht mehr gebrauchten Utensilien, vom letzten Zügeln vor zehn Jahren. Bananenschachteln voll mit Kleidern, Gardinen und Büchern. Ein kleines Regal mit geschenkten Weinflaschen. Skiausrüstung, mit welcher sich die Kinder die Knochen brechen könnten. Computer und Drucker aus den Anfängen. Nur noch von Greisen zu bedienen. Musikanlage, Boxen, Platten und Kassetten. In den Ecken unter der Decke einige Spinnennetze. Abgestandene Luft, Moder breitet sich in der Nase aus. Erich schnappt sich die Gitarre, setzt sich auf den aufklappbaren Bambushocker und stimmt die Saiten. Der kraftlose Druck der gichtigen Finger auf dem Griff entmutigt ihn nicht.

Blowing in the Wind

Wie große Berge gibt man aus für Bomben, Raketen und Tod?
Wie große Worte macht heut´mancher Mensch und lindert damit keine Not?
Wie großes Unheil muss erst noch gescheh´n, damit sich die Menschheit besinnt.

Die eingebrannten Worte der Hymne aus seiner Jugendzeit verhallen dumpf und schräg im dunklen Loch, die falschen Anschläge werden unten im Keller geschluckt.

Letzte Woche, am Stammtisch der Ü50, wurde gelacht über die Tweets des rothaarigen Clowns. Am selben Abend wurde die Rede eines weiteren Psychopathen im Fernsehen übertragen. Drohung und Erpressung, beklatscht von seinem Parlament protzte einer der mächtigsten Männer der Welt von neuartigen Waffensystemen. Größer und Besser als alles bis dahin Gesehene.
Und das nach Japans Elend. Als hätte die Welt Nichts aus der Vergangenheit gelernt.

Erich sitzt deprimiert in seinem Luftschutzkeller. Durch das Treppenhaus hallt das Kichern seiner Kinder. Mutter versucht zu besänftigen, die Hunde bellen. Tränen der Machtlosigkeit kullern über des hilflosen Vaters Wangen, zusammengekauert auf dem Bambussessel, die stille Gitarre zwischen den Beinen, die Stimme versagt.

Putz bröckelt von der Wand.

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