08. November 2017

Raus aus dem Wintertief

Auf die kürzer werdenden Tage reagiert der Körper gerne mit Ressourcenschonung. Antriebsschwierigkeiten, Gewichtszunahme und starke Stimmungsschwankungen können die Folge sein.

Antriebslosigkeit bei Mensch und Tier
Zeichen des kommenden Winters: Antriebslosigkeit bei Mensch und Tier. (Bild: iStockphoto)

Wenn der bunte Herbst langsam in ein nebliges Grau wechselt und die Kälte des Winters in die Knochen kriecht, würde sich so mancher gern wie ein Bär in seine Höhle zurückziehen – und in den wohlverdienten Winterschlaf fallen. Leider kann dieses Bedürfnis des Körpers in unserer modernen Gesellschaft, die zu allen Jahreszeiten Leistungsbereitschaft fordert, zum Problem werden. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, die Vorgänge im Gehirn zu verstehen.

Bei vermindertem Lichteinfall schüttet die Zirbeldrüse das Hormon Melatonin aus, das müde macht. Während der Wintermonate nimmt die Lichtintensität ab, darum wird auch tagsüber Melatonin ausgeschüttet. Die Folge kann eine andauernde erhöhte Schläfrigkeit und lästige Müdigkeit sein. Um diesem jährlich wiederkehrenden Dilemma ein Schnippchen zu schlagen und energievoll durch den Winter zu kommen, kann ohne viel Aufwand einiges unternommen werden.

Tageslicht ausnützen

Die Hauptursache für die Veränderung des Gemütszustands und die erhöhte Schläfrigkeit ist lichtbedingt. Aus diesem Grund ist es wichtig, das natürliche Tageslicht optimal zu nutzen. Wer die sonnigen Herbsttage geniesst und so oft wie möglich den Nebel unter sich lässt, tut sein Möglichstes. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass auch ein wolkenbedeckter Himmel genug Licht spendet, sodass sich bereits ein Spaziergang in der Mittagspause positiv auf das Befinden auswirkt.

Sollte das zur Verfügung stehende Tageslicht nicht ausreichen, können zertifizierte medizinische Lichttherapiegeräte, die im Fachhandel erhältlich sind und das Tageslicht simulieren, für eine wirkungsvolle Lichtdusche sorgen. Die Lichttherapiegeräte wirken vorbeugend und können Müdigkeit, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und gesteigerten Appetit reduzieren.

Aus der Emotionsforschung wissen wir zudem, dass positive zwischenmenschliche Kontakte die Stimmung heben. Darum ist es wichtig, eine gute Balance zwischen dem gemütlichen Sich-in-die-eigenen-vier-Wände-zurückziehen und einer aktiven Freizeitgestaltung unter Gleichgesinnten zu finden.

Strukturen und Rituale geben zudem Halt und unterstützen uns dabei, die Stimmung in Eigenregie auszugleichen. Darum dürfen wir im Winter getrost ein Gewohnheitstier sein und den Tag immer im ähnlichen Rhythmus gestalten.

Lichttherapiegerät
Zu wenig Tageslicht? Lichttherapiegeräte können Abhilfe schaffen. (Bild: Getty Images)

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Autorin: Eveline Kreutzer ist Psychotherapeutin FSP und Klinische Psychologin SVKP bei Medbase in St. Gallen (am Vadianplatz)

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