10. Mai 2018

Rapsöl, die goldrichtige Wahl

Die Zeiten, als es ungeniessbar war, sind längst vorbei. Heute ist Rapsöl eine gute Alternative zu Olivenöl. Das Öl aus einheimischem Gewächs ist wertvoll für die Gesundheit – und geschätzt wegen des nussigen Geschmacks.

Ein blühendes Rapsfeld
Ein blühendes Rapsfeld ist ein Augenschmaus – und ein Festmahl für Bienen (Bild: Keystone).
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Geht es um Speiseöl, sind die Vorzüge des Olivenöls längst bekannt – besonders in der mediterranen Küche. Das verdankt es vor allem seinen gesundheitsfördernden und geschmacklichen Eigenschaften. Immer häufiger greift man hierzulande aber auch auf ein einheimisches Produkt mit ähnlichen Eigenschaften zurück: Rapsöl. Die Ölpflanze ist im Schweizer Mittelland immer häufiger anzutreffen. Während der Blütezeit im April und Mai sind die leuchtend gelben Blütenteppiche unübersehbar.

«Rapsöl liegt im Trend», sagt Stephan Scheuner vom Verein Schweizer Rapsöl. Und Pierre-Yves Perrin vom Schweizerischen Getreideproduzentenverband bestätigt: «Seit den 1980er-Jahren haben sich die Anbauflächen in der Schweiz verdoppelt.» Zurzeit wird auf 25'000 Hektaren Raps angebaut, das entspricht etwa 35'000 Fussballfeldern. Der Marktanteil des Rapsöls beträgt rund 25 Prozent (Olivenöl: rund 10 Prozent).

Die Fettsäuren machen es aus
Entscheidend für diesen Trend dürften die gesundheitlichen Aspekte sein. «Rapsöl enthält viele ungesättigte Fettsäuren aus beiden Gruppen: einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte», sagt Stephanie Baumgartner, Leiterin des Studiengangs Ernährung und Diätetik an der Fernfachhochschule Schweiz. Ungesättigte Fettsäuren haben generell einen positiven Einfluss auf die Balance der Blutfette. Da der Körper die mehrfach ungesättigten Fettsäuren der Omega-6- und Omega-3-Gruppe nicht selbst herstellen kann, müssen sie über die Nahrung aufgenommen werden. Dabei ist es wichtig, dass man sie in einem optimalen Verhältnis konsumiert.

Rapsöl enthält diese gute Mischung an mehrfach ungesättigten Fettsäuren: «Das Verhältnis von Omega-6-zu Omega-3-Fettsäuren ist sehr günstig und kann im Zusammenhang mit anderen Nahrungsmitteln ausgleichend wirken», so Baumgartner. Aber auch in Sachen Geschmack kann das Rapsöl punkten. Das raffinierte, herkömmliche Öl hat eine zarte Note, während das kaltgepresste kräftig schmeckt. Für die mediterrane Küche sei Olivenöl hervorragend geeignet, sagt Stephanie Baumgartner, und zur Schweizer Esskultur passe Rapsöl perfekt. Es sei etwa eine gute Basis für Salatsaucen und eigne sich bestens zum Andünsten von Karotten oder Kefen. «Für mich ist es eine hervorragende Alternative zum Olivenöl.»

Einst als Lampenöl verwendet
Ein weiterer Vorzug ist die Herkunft: Rapsöl wächst quasi vor der Haustür. Wird es richtig angebaut, hält sich auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Grenzen. «Raps ist in der Fruchtfolge integriert», sagt Pierre-Yves Perrin. Das heisst: Auf einem Landstück wird es höchstens alle vier Jahre angebaut. Damit verringert sich die Gefahr, dass sich Erreger von Pilzkrankheiten einnisten können. Für Insekten hingegen – allen voran für die Bienen – ist ein Rapsfeld ein Festmahl.
Interessant ist der Blick in die Geschichte der Ölpflanze. Raps gab es nie in der freien Natur – er ist eine Kreuzung aus Kohl und Rüben. Ursprünglich stammt er aus dem östlichen Mittelmeerraum; von da gelangte er durch die Römer zu uns in den Norden.

Allerdings gab es zunächst ein gravierendes Problem: Weil Rapsöl die gesundheitsschädliche bittere Erucasäure und die für Tiere giftigen Glucosinolate enthielt, war es bis in die 1970er-Jahre als Lebensmittel unbrauchbar. Stattdessen wurde es unter anderem
als Lampenöl verwendet. Grund: Durch Züchtungen liessen sich die Mängel innerhalb eines Jahrzehnts beheben.

Inzwischen gibt es rund 6500 Rapsproduzenten in der Schweiz. Sie bauen hauptsächlich Winterraps an, der im August ausgesät wird. Mitte Juli ist Erntezeit. Rund 85 000 Tonnen Rapskörner gelangen in die Ölwerke. Der Ölanteil beträgt rund 40 Prozent; der Rest, der sogenannte Rapsschrot, findet Verwendung als Tierfutter.

Rapsöl wird auf zwei Arten gewonnen: Entweder wird das Öl durch Kaltpressung mechanisch gepresst – dieses Verfahren wird auf dem Etikett ausgewiesen. Oder das Öl wird gepresst und raffiniert und dabei jeweils erhitzt. Bei der Herstellung von Schweizer Rapsöl werden keine chemischen Verfahren eingesetzt. Rapsöl ist auch bei Veganern beliebt. Als Butterersatz eignet es sich etwa gut zum Backen.

Beliebte Speiseöle
Neben Rapsöl liegen auch Lein- und Schwarzkümmelöl im Trend. Leinöl hat einen sehr hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und gilt darum als besonders gesund. Es ist intensiv im Geschmack und erinnert an frisch geschnittenes Gras. Beliebt ist zum Beispiel Sprossensalat mit Leinöl. 

Rapsöl
Bild: iStockphoto

DREI TYPEN

Ein spezielles Korn: Das HOLL-Rapsöl ist sehr hitzebeständig und eignet sich zum Braten und Frittieren. Es wird aus einer speziell gezüchteten Rapssorte hergestellt, die das Öl sehr hitzestabil macht.

Regional und naturnah: Herkömmliches Schweizer Rapsöl hat eine goldgelbe Farbe und ein mildes Aroma. Es stammt meist aus naturnaher Landwirtschaft.

Für das gute Gewissen: Das Biorapsöl aus ökologisch angebauten Rohstoffen wird durch kalte Pressung gewonnen und schmeckt besonders kräftig.

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