05. Juli 2017

Rächer wider Willen

John Wick (Keanu Reeves) hatte sich eigentlich aus dem Geschäft als Auftragskiller zurückgezogen. Aber diverse Mafiabanden zwingen ihn in «John Wick: Chapter 2» erneut aus dem Ruhestand.

John Wick
Keanu Reeves in «John Wick: Chapter 2» (Bilder: Ascot Elite)
Lesezeit 3 Minuten

Eins vorweg. Wenn elegant choreografierte Action und exzessive Gewalt nicht dein Ding sind, dann solltest du um «John Wick: Chapter 2» einen grossen Bogen machen. Sehr viel mehr ist da nämlich nicht.

Der erste Teil, «John Wick» (2014) , gab sich noch die Mühe, eine plausible, emotional nachvollziehbare Konstellation für die Gewaltorgie der Hauptfigur zu schaffen: Der legendäre Auftragskiller hatte sich der Liebe wegen aus dem Geschäft zurückgezogen. Doch nun ist diese grosse Liebe an einer heimtückischen Krankheit gestorben. Wick trauert noch, als ein Päckchen der Verstorbenen ankommt, mit einem Hundewelpen und einem Brief: Er habe so viel Liebe zu geben, die nun nirgends hinkönne, er solle sie dem Tier geben. Macht er auch sofort.

Doch die Idylle hält nur kurz. Eines Nachts dringt der arrogante Sohn (Alfie Allen, «Game of Thrones» ) eines mächtigen russischen Mafioso mit seinen Leuten in Wicks Haus ein, weil er dessen tolles Auto unbedingt haben will. Wick wird überrumpelt und niedergeschlagen, der Welpe herzlos getötet, das Auto geklaut. Wick dreht durch und jagt den russischen Schnösel ohne Rücksicht auf Verluste, bis er ihn erwischt hat – und als Zuschauer findet man: Recht so! Der arme Hund, Symbol der tragisch verflossenen Liebe: ein nachvollziehbares Motiv für Rache.

Diesmal holt ein italienischer Gangboss Wick aus dem Ruhestand, in den er sich mit zerbeultem Auto und neuem Hund zurückgezogen hat. Dem Mafioso schuldet er noch einen Gefallen, und der Ehrenkodex des kriminellen Untergrunds gebietet, dass er dies honoriert – oder seinerseits zum Freiwild wird. Der Auftrag: In Rom die Schwester des Gangbosses umbringen, damit dieser ihren Platz im Hohen Rat einer internationalen Mafiaorganisation einnehmen kann.

Szenenbild «John Wick: Chapter 2»
Keine Sorge: John Wick gewinnt jeden Kampf, immer.

Der Rest ist elegant choreografierte Action und exzessive Gewalt an dekorativ gefilmten Schauplätzen. Nett ist auch diesmal die Idee, dass es in allen Städten der Welt Hotels gibt, die als neutrale Zonen geführt werden, in denen ein klarer Kodex gilt, so dass die Auftragskiller dort selbst voreinander sicher sind. Filmfans werden zudem die kleinen Auftritte von grossen Namen zu schätzen wissen: Allen voran der grossartige Ian McShane ( «Deadwood» , «American Gods») als Manager der neutralen Zone in New York, der legendäre Franco Nero ( «Django» ) sowie Laurence Fishburn, Keanu Reeves' Filmpartner in den «Matrix»-Filmen (1999-2003), auf die es natürlich prompt eine Anspielung gibt.

Die Wick-Filme gelten als Comeback des 52-jährigen Reeves, der seit «Matrix» keinen richtigen Hit mehr hatte – aber im Grunde ist er zu alt für eine solche Action-Rolle. Das Hauptproblem von «John Wick: Chapter 2» ist jedoch das gleiche, das schon den ersten Teil plagt: Man muss sich keine Sekunde Sorgen machen, dass der Hauptfigur etwas passieren könnte. Denn Wick ist so gut, so unfassbar viel besser als alle anderen, dass er jeden Kampf gewinnt, immer. Was natürlich mässig spannend ist. Am Ende des zweiten Films allerdings sitzt er ziemlich übel in der Klemme – und vielleicht darf man sich ja in Chapter 3 dann auch ein bisschen um ihn sorgen.


«John Wick: Chapter 2», bei Ex Libris für Fr. 19.90 (DVD) oder Fr. 21.90 (Bluray) oder als Box mit «John Wick» für Fr. 26.90


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