30. August 2018

QueenKongs Galerie ist die Welt

Ihre Bilder sind oft so gross, dass sie in kein Museum der Welt passen. Denn das Luzerner Künstlerduo Vero und Marco Schmid bemalen und besprayen unter dem Namen QueenKong Wände.

QueenKong bemalen eine Wand
Das erste permanente Bild an einem Neubau in der Schweiz: ein Regenbogen mit einem Schatten aus Blattgold für die Alterssiedlung Riedsunnä in Stansstad.

Wer vor Bildern des Künstlerpaars QueenKong steht, der muss den Kopf in den Nacken legen. Riesig und bunt sind ihre Werke, gemalt auf Hauswände. Die Kunstwerke wurden nicht etwa in einer Nacht- und Nebel-Aktion erstellt. QueenKongs Sprayereien und Malarbeiten sind legal – und sie werden dafür sogar bezahlt.

Das war nicht immer so. «In meiner Jugend habe ich durchaus Bekanntschaft mit der Polizei gemacht», sagt Marco Schmid, einer der beiden QueenKong­Künstler. Als Fan der Hip-Hop-Kultur gehörte das Sprayen für ihn einfach dazu. «Aber irgendwann stellte man uns Flächen legal zur Verfügung. Darauf konnte ich an meinem Style feilen», sagt der 37-Jährige, dessen Sprayer-Pseudonym Kong lautete. «Mir gefällt die Buchstabenfolge und der Klang. Er ist prägnant, das passt zu mir.»

Marco Schmid bringt Blattgold an
«Es wäre schon super, mal ein ganzes Jahr lang nur Wandbilder malen zu können», sagt Marco Schmid.

Auch Vero Schmid, seine Partnerin, lebte sich schon früh kreativ aus. In ihrer Freizeit widmete sie sich dem Malen in Acryl und der Fotografie. Beides blieb jedoch ein Hobby. Beruflich arbeitete die 40-Jährige zuletzt als Produktmanagerin. Als sie 2006 Marco kennenlernte, begann die Karriere des Künstlerpaars QueenKong.

Ein Van voller Spraydosen

Sie kauften einen Van, beluden ihn mit Spraydosen und bereisten die Welt. Der erste Stopp auf ihrem Trip war New York. Im berühmten Stadtteil Queens konnten sie ihr erstes gemeinsames Bild malen, eine zwei Meter hohe nackte Frau mit Gorillamaske. Damit war der Name QueenKong geboren.

Spraydosen in allen Farben
Farben in allen Schattierungen gehören zur Grundausstattung jedes Künstlers.

Anschliessend hinterliessen die beiden auf vielen weiteren Häuserwänden in ganz Amerika ihre Spuren: unter anderem in Peru, Kolumbien, Mexiko, Bolivien, Brasilien oder den USA. «Unsere Kunst war unsere Währung, damit haben wir bezahlt. Mal gab es dafür ein Dach über dem Kopf, mal etwas zu essen, mal wurde unser kaputtes Büssli geflickt», sagt Vero Schmid.

Nicht immer war das Sprayen in Südamerika ungefährlich. In einer Stadt in Mexiko seien sie immer wieder von Leuten angesprochen worden, was sie denn hier machten. «Erst später erfuhren wir, dass auf illegales Sprayen von der Polizei ein Kopfgeld ausgesetzt war», sagt Vero Schmid. «Da wir aber am Tag gearbeitet haben, hat doch niemand die Polizei gerufen.» Ganz im Gegenteil: Die Menschen seien offen und neugierig gewesen – wie fast überall auf ihrer Reise.

Vero und Marco Schmid vor einem ihrer Kunstwerke
Vero und Marco Schmid wünschen sich, dass ihre Wandbilder positive Emotionen wecken.

Wrestler als Vorbilder

Wer QueenKongs Werke genau betrachtet, entdeckt darin wiederkehrende Motive, hinter denen sich persönliche Geschichten der beiden Künstler verbergen. Zum Beispiel der Regenbogen. «Er ist ein Symbol für die ‹andere Seite›», sagt Vero Schmid. Direkt nachdem Marcos Mutter gestorben war, erschien über dem Vierwaldstättersee ein Regenbogen. «Seither erinnert uns dieses Symbol daran, dass das Leben vergänglich ist, aber auch der Tod nicht furchteinflössend sein muss», sagt Vero Schmid.

Auf positive Art loszulassen sei ein grosser Aspekt ihrer Kunst. Auf ihrer Reise durch Mexiko hätten sie am «Dia de los Muertos», dem Fest der Toten, miterlebt, dass Totenerinnerung nicht nur traurig sein muss. «Das fanden wir schön. Hier wird der Tod ja eher verdrängt.»

Mexiko sei auch sonst prägend für ihre Kunst gewesen. Denn auch ein zweites Motiv, das immer wieder in ihren Bildern vorkommt, stammt von dort: die Maske des Luchador, der berühmten Wrestlerinnen und Wrestler, die mit ihren furchteinflössenden Masken als Superhelden gegen das Böse und die Korruption kämpfen. «Unsere Heldinnen und Helden auf den Wänden wollen sich ebenfalls für das Gute einsetzen», sagt Marco Schmid.

Subtile Botschaften

Welche Botschaften sie vermitteln und welche Motive sie wählen, überlegen sich QueenKong gut. Ihnen sei bewusst, dass ihre Kunstwerke prominent in der Öffentlichkeit platziert sind: «Unsere Bilder erreichen dadurch viele Menschen. Wir wollen nicht, dass sie als Störfaktor empfunden werden, sondern dass sie positive Emotionen wecken», sagt Marco Schmid. Deshalb seien ihre Botschaften auch subtil und versteckt. «Wir verzichten auf einen plakativ erhobenen Zeigefinger.»

Trotzdem kämen ihre Sujets nicht immer bei allen gut an. «Wir mussten lernen, mit Kritik umzugehen. Wenn ein Kunstwerk so prominent den öffentlichen Raum einnimmt und Teil der Umgebung der Bevölkerung wird, hat naturgemäss jeder eine Meinung dazu», sagt Vero Schmid.

Vero und Marco Schmid beim Malen
Wände sind die bevorzugte Malfläche des Künstlerpaars.

Ganz von ihrer Kunst können QueenKong noch nicht leben. Die beiden arbeiten in ihrem eigenen Grafik- und Designstudio, «tiefgang design». Neben den Arbeiten draussen setzen sie ihre Sujets auch auf Leinwänden um, die sie zum Verkauf anbieten. «Es wäre schon super, mal ein ganzes Jahr lang nur Wandbilder malen zu können», sagt Marco Schmid.

Auch wenn die Arbeit körperlich fordernd sei. QueenKong sind immer draussen: bei Regen, Hitze und Schnee. Bedingungen wie diese würden sie aber gerne in Kauf nehmen, um ihre Kunst ausleben zu können. Ihre Helden an den Wänden müssten schliesslich auch jedes Wetter aushalten können, und das nicht selten für immer.

www.queenkong.ch

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