14. Januar 2013

Pros und Kontras zur Schuluniform

Am häufigsten entwickelt sich Gruppendruck in Schulklassen noch immer wegen der Bekleidung. Vor einigen Jahren kam deshalb auch im deutschen Sprachraum die Schuluniform aufs Tapet, durchgesetzt hat sie sich aber selten. Speziell in der Schweiz war das Thema schnell erledigt – warum eigentlich?

Kinder laufen oft mit Markenklamotten herum  (Illustration Nicolas Bischof)
Kinder laufen oft mit Markenklamotten herum.

England kennt sie seit Urzeiten, in Frankreich ist sie an etlichen Schulen auch längst Standard: Die Schuluniform. Vor ein paar Jahren kam die Diskussion um die Einheitskleidung in der Schule – der Begriff tönt wohl weniger nach Militär oder einfach Zwang – auch im deutschsprachigen Raum wieder auf. In Deutschland aber mit bescheidenem, in der Schweiz mit praktisch gar keinem Erfolg.

Fast erstaunlich, liefert doch eine Auflistung der häufigen Argumente dafür oder dagegen kein eindeutig negatives Bild. Vielleicht ist die Einschränkung einer individuellen Wahlmöglichkeit hierzulande tatsächlich noch schwieriger zu erklären als anderswo.
Migrosmagazin.ch nennt die Gründe für oder gegen die Uniform an (bestimmten) Schulen.

Was hälst du davon?
Kennst du weitere entscheidende Argumente, oder wie gewichtest du die vorgestellte Palette? Dann erstell unten auf dieser Seite einen Kommentar.

Die Pros

1. Laut Studien verstehen sich Schulkinder in Einheitskleidung besser, hören aufmerksamer zu und bringen Kamerad(innen) gemäss solchen Anzeichen gleichmässiger Respekt entgegen.

2. Der Wettkampf um die besten, angesagtesten, oft schlicht teuersten Klamotten wird zumindest im Schulumfeld gestoppt.

3. Das Erkennen einer bestimmten sozialen Schicht (vom Einkommen der Eltern bis zum 'Sackgeld') und die Einteilung von Kindern nach Schichten wird etwas erschwert. Vor allem auch die Diskriminierung von Schüler(inne)n, die nicht bestimmten Schichten angehören.

4. Morgens wird Zeit gewonnen und Streitpotential vermieden, wenn es kein langes Werweissen und keine Diskussionen (mit Eltern) um die Kleiderauswahl gibt.

5. Die Gefahr von Diebstahl unter den Schülern wird minimiert, wenn kaum wertvolle Kleider in Umkleidekabinen oder sonst herumliegen.

6. Durch das an einigen Orten teilweise selbst bestimmte Auswählen von Elementen oder Designs der Uniform entsteht ein grösseres Gemeinschaftsgefühl in der Klasse oder der Schule (auch gegen aussen) und wird oft gleichwohl etwas Kreativität ausgelebt.

Die Kontras

1. Nach der Wahl von Einheitskleidungsstücken grenzen sich Schülerinnen und Schüler einfach verstärkt über Haarschnitte, Schuhe oder Schmuck (Uhren) voneinander ab. Das individuelle Auftreten ist ein Anliegen, das immer irgendwo durchbricht.

2. Ein Stück weit wird durch Einheitskleidung die Entwicklung der Individualität über die (fehlende) Entscheidungsfreiheit eingeschränkt, zu der nun mal auch Äusserlichkeiten wie Kleider, ihre Wahl und das Abwechseln gehören. Das Resultat ist überdies vielleicht schlicht Langeweile bei vielen identischen Outfits nebeneinander.

3. Die in der Schule eingeebneten Unterschiede treten umso stärker in der ohnehin fürs soziale Leben fast wichtigeren Freizeit auf. Dort wird umso mehr mit Markenkleidern für Ausgang, Sport oder einfach Rumhängen kompensiert.

4. Die Schuluniformen kosten etwas, und es braucht mehr als eine (waschen, wechseln). Wenn dadurch gewisse teure Anschaffungen für individuelle Kleidung wegfallen, ginge die Rechnung wohl mehr als auf, wenn aber in der Freizeit dennoch das ganze Arsenal an Markenstücken benötigt wird, fallen die Uniformen einfach zusätzlich an.

5. Statt unter den Schüler(innen) können Spannungen und Wettkämpfe nun aufgrund von Uniformen zwischen den Schulen oder gar den Klassen in einer Schule (wenn es quasi unterschiedliche Klassen-Uniformen im selben Schulhaus gibt) auftreten.

6. Schliesslich äussert sich durch die Uniform doch schlicht eine Kultur des Zwangs. Natürlich hat das mit Kriegen (womit Uniformen nun mal assoziert werden) und Unrechtsregimes noch nichts zu tun, aber beginnt das Übel nicht im Kleinen?

Illustration: Nicolas Bischof

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