30. November 2017

Pfannenstiel? Pappenstiel!

Weil die Wanderung über den Goldküsten-Hausberg leicht fällt, hängen wir gleich noch das end-eiszeitliche Tobel nach Küsnacht an.

Sonneneinfall in der Mitte des Küsnachter Tobels
(Mehr als) Ein Licht im Winter: Sonneneinfall in der Mitte des Küsnachter Tobels
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Den Auftakt in die Wintersaison mache ich an einem schönen Vormittag gern vor der Haustür. Und als vor über 20 Jahren zugezogener Zürcher plante ich schon lange, in der kalten Jahreszeit einmal den Pfannenstiel, den ich bloss etliche Male mit dem Rennrad auf der früheren Züri-Metzgete-Strecke hochzupowern versucht hatte, mit dem berühmten Küsnachter Tobel zu verbinden.

Etliche Zürcher und die meisten Goldküstenbewohner dürften natürlich sowohl das Tobel wie auch den Pfannenstiel kennen. Doch nicht zwingend in dieser Kombination und mit dem charmant-unscheinbaren Start auf der Pfannenstiel-Nordseite.
Also auf in die Forchbahn (ab Zürich Stadelhofen), ich fahre bis Emmat, dem letzten Halt vor der Endstation Esslingen. Dort wählen wir den einfachsten Aufstieg über Inner-Vollikon, danach zwei markante Schlenker bis zum vorderen Pfannenstiel. Dank Umwegen kann man durch den Wald bequemstens hochspazieren, ohne ausser Atem zu kommen. Oben geniesst man erste Ausblicke aufs südöstliche Zürichseebecken und schlendert weiter zur Hochwacht, die zusätzlich den Blick in den Norden freilegt - und im Restaurant mit einer wärmenden Schokolade aufwartet.

Nach derlei Spektakel heisst der Kulminationspunkt den Wanderer, der den Aussichtsturm ein paar Meter nach dem Restaurant schnöde rechts liegen gelassen hat, erfrischend unspektakulär willkommen. Eine blaue Wegmarkierung am nicht asphaltierten Strässchen weist den Weg durch ein Hasel-Spalier zu einem freien Plätzchen, das nach Karte der höchste Punkt sein muss. Etwas weniger Protziges ist kaum vorstellbar – zumal für die Goldküste! Da kann sich die Pfnüselküste mit der stolzen Felseneggfront oder gar dem Uetlibergplateau trotz ausgiebigen Wäldern lange anstrengen.

Route Esslingen-Küsnacht

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1650 x 920 px / © swisstopo)

Beschwingten Schrittes geht es auf breiten Pfaden weiter zum Chüelenmorgen, doch statt dem Hauptweg entlang direkt nach Hohrüti schlage ich einen Umweg über den Waldausläufer fast bis zum Bauernweiler Rütihof ein, um neben der Siedlung zwei Feldpassagen mit einzelnen Baumgrüppchen im Spät-Spätherbstkleid «mitzunehmen».

Ab Hohrüti beginnt bereits die lang gezogene Passage durch das Küsnachter Tobel. Dieses ist zuerst schmal und wenig tief eingeschnitten, nach dem Luftholen bei der Tobelmüli wird Bachlauf und Route jedoch immer eindrücklicher. Die im Mittelteil einfallende Querrinne stammt aus noch älteren geologischen Zeiten als der Rest des Tobels, das sich am Ende oder gleich nach der Eiszeit bildete. Entsprechendes Wissen verraten einfach verfasste Infotafeln, die auch eine hübsche Höhle, bestimmte Seitenbachmulden und andere landschaftliche Spezialitäten erklären – wie speziell im letzten Schluchtteil vor der Seegemeinde Küsnacht auch etliche Baumsorten.

All dies macht den Ausflug oder zumindest das ganze Tobel auch für Familien mit Kindern lohnend. Als Sahnehäubchen warten an Wochentagen mit nicht allzu viel Besuchern im Übrigen einige zu Wasserlauf- und Auengegenden gehörende Vögel.

Geeignet für gemütliche Entdecker, Familien (mit Kids ohne Kinderwagen)
Höhepunkt: Hochwacht bis Pfannenstiel, ganzes Tobel
Pause: Restaurants Pfannenstiel und Hochwacht, Picknickplätze nach Hochwacht, Tobelmüli und 3-4 im Tobel
Dauer:(knapp) 4 Std. (Laufzeit ohne Pausen)
Höhenmeter (bergauf): 320 m

Trümpfe der Wanderung Esslingen-Küsnacht

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