13. August 2018

Mehr Frieden auf dem Schulhof

Peacemaker schlichten Streitigkeiten, unterstützen Opfer psychischer Gewalt und haben auch ausserhalb des Klassenzimmers ein offenes Ohr für ihre Mitschüler: Jessica Gojanai und Elsa Ernesto machten es drei Jahre lang an der Sekundarschule in Hombrechtikon.

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Anstrengend und sehr aufwühlend sei der Job, informierten zwei erfahrene Peacemaker bei ihrem Besuch der 1. Sek in Hombrechtikon ZH. Und doch interessierten sich viele Mädchen und Jungen für das Ämtli. Die Klasse wählte schliesslich Jessica und Elsa (beide 16). «Nicht der Obermacker ist der beste Peacemaker», sagt Ulrike Spitznagel (54), eine der drei Lehrpersonen, die sich an der Schule für das Projekt engagieren. «Für diese Aufgabe braucht es viel Einfühlungsvermögen.»

Am häufigsten haben es Jessica und Elsa dabei mit Zickereien zu tun, wie sie das nennen. Oft sage jemand etwas Unschönes über eine andere Person. Zum Beispiel: «Die hat zu viel Schminke im Gesicht!» Hört die damit Gemeinte davon, gebe sie ebenfalls verbal zurück. «Das kann schnell eskalieren», sagt Jessica.

In einem solchen Fall gehen die Peacemakerinnen immer gleich vor: Sie lassen sich von beiden Seiten die Situation schildern, stellen sicher, dass sie alles richtig verstanden ­ haben, und fragen nach, wie sich die beiden Parteien dabei fühlen. Zum Schluss lassen sie die zerstrittenen Personen selbst eine Lösung aufzeigen. «Es wird viel gelästert», sagt Elsa, «je früher wir das mitbekommen, desto weniger verhärten sich die Fronten.»

Konflikte sind seltener geworden
Mit ihrem beherzten Eingreifen hätten Streitereien in der Klasse abgenommen, erzählen die beiden jungen Frauen. Auch Ulrike Spitznagel bestätigt: «Die Peacemaker fangen viel auf an unserer Schule, sie sind eine Art Frühwarnsystem.» Auch bei den grossen Themen wie psychischer Gewalt seien die Konfliktschlichter nahe dran. Etwa wenn sich Eltern trennen, Kinder sich ungeliebt fühlen oder unter Erfolgsdruck stehen wie im berührendsten Fall, den Jessica begleitet hat (siehe unten).

Auch beim Thema Neue Medien sind die beiden wertvolle Vermittler. Dank ihnen sind die Lehrpersonen immer auf dem neuesten Stand der Apps und wissen, wo welche Fallstricke lauern. Die Peacemaker schulen auch ihre Klassenkameraden darin, sich richtig in den sozialen ­Netzen zu bewegen. «Viele wissen beispielsweise nicht, dass ein privates Bild auf Instagram auch auf Google erscheinen kann, wenn es geliked wird», sagt Jessica. Und so geht der Spielraum der Peacemaker weit über den Pausenplatz hinaus.

Erfolgsgeschichte: Projekt «Peacemaker»

Jedes Jahr werden mehr als 1000 Kinder und Jugendliche von National Coalition Building Institute (NCBI) Schweiz zu sogenannten Peacemakern ausgebildet. Sie lernen, wie sie bei Konflikten auf dem Schulhausplatz, dem Schulweg oder in der Klasse schlichtend eingreifen und Gewalt verhindern können. Gleich viele Mädchen wie Jungs engagieren sich als Peacemaker. Das Projekt läuft an rund 90 Deutschschweizer Schulen. 2013 wurde es im Auftrag des Bundes in einzelnen Schulen der Kantone Bern, Luzern, Obwalden und Zürich evaluiert und positiv bewertet.

Informationen: www.ncbi.ch

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