27. August 2018

Paola Giavedoni braucht die Familie als Basis

Viele Migros-Mitarbeiterinnen gehören dem Kader an – auch Lebensmitteltechnologin Paola Giavedoni. Das dritte Porträt der Sommerserie zu «Kaderfrauen in der Migros».

Paola Giavedoni in einer Produktioshalle von Elsa-Mifroma
Paola Giavedoni (54), geboren in Udine (IT), verheiratet, zwei Kinder (13, 17), bei der Migros seit 2012.

Viel internationaler kann eine Familie nicht sein: Der Vater Deutscher, die Mutter aus dem Friaul, die beiden Kinder in Holland geboren. Die Kinder sprechen zusammen französisch, mit dem Papa deutsch und mit Frau Mama italienisch. Diese wiederum parliert mit ihrem Mann englisch. Früher haben alle auch noch holländisch gesprochen, aber das hat sich mit den Jahren «ausgewaschen».

PAOLA GIAVEDONI ÜBER IHRE KARRIERE: Worauf kommt es an?

Die internationale Ausrichtung hat die bisherige Laufbahn der Lebensmitteltechnologin Paola Giavedoni geprägt. Die Friaulerin hat an der Universität Udine studiert, verliess Italien aber schon bald und arbeitete als Postdoktorandin in Deutschland. Der global ausgerichtete Unilever-Konzern bot ihr die Möglichkeit, in England, Deutschland, Holland und in der Schweiz zu arbeiten.

Forschung, Produkteentwicklung und Innovation waren stets ihre Leidenschaft. Auch als sie via die Firma Chiquita wieder in die Schweiz kam und schliesslich bei der Elsa-Mifroma-Gruppe im freiburgischen Estavayer anheuerte. Dort arbeitet sie seit mittlerweile sechs Jahren als Leiterin strategische und technologische Innovation. Seit drei Jahren ist die talentierte Managerin zudem in einem 50-Prozent-Pensum für die strategische Innovationsarbeit in der gesamten Migros-Industrie verantwortlich.

Oft fehlt es an Ambitionen

Noch immer sind Frauen in den Bereichen Technologie und Strategie dünn gesät. Auch bei der Elsa, die rund 600 Personen beschäftigt. In den letzten Jahren hat sich die Situation aber verbessert: Es haben zwei Frauen in der Geschäftsleitung Einsitz genommen, und die Teilzeitangebote für Frauen – auch im Kader – sind vorhanden. Trotzdem ist der Frauenanteil im Kader von Technologie-Unternehmen immer noch tief. Warum? «Es fehlt oft an den Ambitionen», sagt Paola Giavedoni. Sie selber scheitert auch immer wieder, daran etwas zu ändern: «Ich versuche junge Praktikantinnen zu motivieren, zu provozieren. Es passiert nichts, oder der Erfolg ist klein. Man ist schnell zufrieden, begnügt sich mit dem, was der normale Arbeitsalltag so zu bieten hat.»

Eben erst hat eine neue nationale Studie auf das Problem hingewiesen:  Viele Frauen in der Schweiz meiden den wirtschaftlichen Wettbewerb. Und je besser die Ausbildung, desto ausgeprägter ist diese Tendenz. Das bestätigt auch Giavedoni: «Junge Frauen aus Italien oder Frankreich sind viel offensiver, viel fordernder. Sie wollen Erfolg haben im Berufsleben.»

Auf die Frage, was denn ihre Karriere am meisten gefördert hat, kommt die Antwort blitzschnell: «Mein Mann.» Hätte er in seiner Karriere nicht immer wieder Rücksicht genommen und die eigenen Bedürfnisse zurückgestellt, wäre ihr Berufsweg wohl ganz anders verlaufen. «Aber es war ein klarer, gemeinsamer Entscheid: Meine Laufbahn bot uns beiden schlicht mehr Chancen.»

Sich nicht irritieren lassen

Wenn sie laufbahnorientierten jungen Frauen einen Rat geben müsste, was wäre es? «Sie sollen etwas wagen, etwas bewegen.» Und sich durch das Umfeld nicht irritieren lassen. Welche arbeitstätige Frau kennt sie nicht, die kaum verhüllten Vorwürfe: «Gefällt es dir nicht zu Hause?», oder «Siehst du deine Kinder überhaupt noch?» Solche Fragen interessieren Paola Giavedoni wenig. Natürlich ist das innere Bedürfnis da, Zeit für die Familie zu haben. «Zu Hause ist mir jede Minute wichtig.» Aber sie ist überzeugt, dass sie das Richtige tut.

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