16. August 2018

Operation Seidenstrasse

Auf ihrem grossen Zweiradabenteuer nach China hat E-Bikerin Andrea Freiermuth (46) bereits Griechenland erreicht. Im ersten Erlebnisbericht wächst ihre Gewissheit, richtig unterwegs zu sein.

Andrea Freiermuth und ihr temporärer Begleiter Beat (im Hintergrund) in Split, Kroatien.
Andrea Freiermuth und ihr temporärer Begleiter Beat (im Hintergrund) in Split, Kroatien.

Gleich werden Beat und ich die Grenze zu Griechenland überqueren. Unglaublich, dass wir in sechs Wochen bereits 2500 Kilometer geschafft haben: Hinter uns liegen Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro und Serbien – also die Alpen, die Poebene und die Adriaküste. Mein langjähriger Velofreund Beat (46) begleitet mich bis nach Istanbul, mit einem herkömmlichen Velo ohne Motor.

Vor meiner Abreise Anfang Juli plagten mich Ängste vor Überfällen und Unwägbarkeiten – sie sind nun verflogen. Vielleicht auch dank der 73-jährigen Janny aus Holland, der wir bereits bei Sargans SG begegnet sind. Seit dem Tod ihres Mannes vor 20 Jahren fährt sie oft allein mit Fahrrad und einem Zelt los und campiert bei jedem Wetter, um sich längere Reisen leisten zu können.

Es gibt immer noch zu viele Menschen, die zu wenig über E-Bikes wissen. Zum Beispiel werde ich oft gefragt, wo ich die Akkus lade. Manche glauben, man brauche dafür eine spezielle Ladestation – dabei genügt eine gewöhnliche Steckdose. In Europa, der Türkei und dem Iran brauche ich nicht einmal einen Adapter.

Mein Begleiter fährt ohne elektrische Unterstützung, weil er zu seinen besten Zeiten 10 000 Rennradkilometer im Jahr zurückgelegt hat und unglaublich fit ist. Immerhin kann ich dank des Flyers nicht nur ebenso schnell, sondern auch so weit radeln wie Beat. Und während er bei über 33 Grad in Kroatien an sonnenexponierten Hängen leidet, lege ich den Turbo ein und düse, ohne zu schwitzen, den Hügel hoch.

Das Image des E-Bikes verbessern

Was mir als E-Bikerin Mühe macht, sind die abschätzigen Blicke einzelner Veloreisenden: Dem E-Bike-Fahrer haftet der Makel des Schwächlings an. Ein junger Tourenfahrer aus Bern meinte, er verstehe, dass alte Leute mit elektrischer Unterstützung fahren. Aber bei jüngeren fände er es etwas lächerlich. Ich wusste nicht, ob ich nun lachhaft oder schon alt bin – tröstete mich aber damit, dass der Jungspund eine eher flache Route nach Kroatien wählte, während wir ein paar schöne Pässe überquerten.

Andrea Freiermuths Tour führt sie über die historische Seidenstrasse nach Peking.

Mit meiner Reise will ich dazu beitragen, das Image des E-Bikes zu verbessern. Man kann es auch gut im Alltag nutzen. Die Hälfte aller Autofahrten in der Schweiz beträgt maximal fünf Kilometer – das dauert auch mit E-Bike nur etwa 15 Minuten. Das Potenzial für die Entlastung der Umwelt ist riesig, denn noch kalte Benzinmotoren stossen besonders viele Abgase aus. Wenn ich es mit dem E-Bike bis Peking schaffe, motiviert das vielleicht andere, mit dem Gefährt zur Arbeit oder zum Einkaufen zu fahren.

Andrea Freiermuth bloggt regelmässig auf Shebikerider.ch. Auf Migrosmagazin.ch erscheint ein Best-of ihrer Blogbeiträge.

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