28. September 2017

Oberengadiner Seenhüpfen

Mit Umwegen von Samedan nach Maloja: Die ideale Bikerunde zum Kennenlernen von grösseren und kleineren Gewässern mit einem Kurzabstecher ins Fextal.

Isola zwischen dem SIlser und dem Silvaplanersee
Verkehrsfreies Idyll im Gegenlicht: Der Weiler Isola zwischen SIlser- und Silvaplanersee.
Lesezeit 3 Minuten

Letzte Woche stellten wir die ultimative Engadiner Bergwanderung für Insider (und 2018!) vor. Daneben liess das trübe Frühherbstwetter gerade noch einen Biketest auf viel bekannterem Terrain zu. Ziel war ganz einfach, in maximal 40 Kilometern und unter 1000 Höhenmetern ein Maximum an Oberengadin zu erleben, vorbei an grösseren Seen und kleinen Tümpeln, Tourismuszentren und Weilerchen, Talböden und Alpweiden, auf breiter «Alpenautobahn» und verschnörkeltem Trailpfad.

Tatsächlich schaffte ich das von Samedan nach Maloja – wenn auch knapp: um ein bis zwei Kilometer und 20 Höhenmeter. Ich finde, der Erlebnisfaktor als landschaftlicher Querschnitt durch die Seenplatte ist hoch, Abwechslung bis zum Schluss garantiert. Nicht erwarten sollte man jedoch eine Abfolge reiner Naturidyllen, schon gar nicht möglichst direkte Verbindungen von A nach B. Diesmal wollte ich viel davon zeigen, was in der Region eben anzutreffen ist, und dafür braucht es Umwege sowie neben sonst überschaubar anstrengenden Wegen auch vier ruppige Anstiege, die einen bei Überraschung und/oder einem Schaltmissgriff gar absteigen lassen. Zur Beruhigung: die zwei Rampen zwischen Stazersee und Alp Staz und weitere vor der Alp Surlej sind so kurz, dass auch das Schieben nicht gross auf die Nerven geht.
Aber versprochen: Es werden einige Highlights serviert, und der Verkehr wird konsequent gemieden.

Route Weinfelden-Stein a. Rhein

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1650 x 1100 px / © swisstopo)

Der Startschuss erfolgt beim Bahnhof Samedan, doch schon nach ein paar hundert Metern geniesst man die Ebene vor Celerina mit der Kirche(nruine) San Gian. Die Höhepunkte jagen sich auch danach beinahe. Als Nächstes der bequem fahrbare Anstieg auf bestens ausgebauten Natursträsschen zur Anhöhe mit dem Lej da Staz, den wir jedoch mit zwei bis drei Steinwürfen Distanz bestaunen, weil wir uns etwas ansehen wollen, was sich wenig Wanderer und Biker hier gönnen: die gleichnamige Alp. Die folgenden Höhenmeter stellen die Kraft der Zweiradler auf die Probe oder deren kurze Geduld (beim Schieben). Wem das zu mühsam ist, der fährt einfach unten weiter dem Stazersee entlang (rechts) in Richtung St. Moritz Bad und erspart sich weniger als 200 Meter Anstieg und ca. einen Kilometer Weg. Die Alp mit der mehrheitlich sanft abfallenden Abfahrt über zwei Wiesen- und mehrere Waldsektoren entschädigt für den Aufwand vollauf.

Nach dem am Rand «gestreiften» Tourismusparadies in St. Moritz (neben Restaurants gäbe es auch das neue, grosszügig gestaltete Bad zu entdecken) folgt ein hübscher Weg zum überraschend in einer Waldsenke auftauchenden Weiher Lej Nair. Bald darauf gilt es in der kurzen Abfahrt bei Crastatscha (und 2-3 Holz-Blockhütten) die Abzweigung links zu wählen, um im Wäldchen oberhalb von Surlej etwas an Höhe halten zu können, unmittelbar danach folgt ein langgezogener, im Vergleich zur Alp Staz jedoch weniger bissig angelegter Anstieg zur Alp Surlej. Wer mag, stärkt sich idealerweise hier mit einem Picknick, bevor es sich hinunter zum Silvaplanersee mit Rücksicht auf Wanderer nur halbwegs brettern lässt.
Nicht verzichten sollte man nach Sils, speziell als Engadin-Entdecker auf den Weg vorbei am berühmten Hotel Waldhaus, das abgelegene Fextal zu besuchen. Biker ohne Proviant verpflegen sich hier natürlich im gleich benannten historischen Hotel, bevor sie entspannt tretend (mit drei bis vier kurzen Abstützern (Hindernisse) Crasta und die Minianhöhe vor dem Wanderweg hinab ins autofreie Dörfchen Isola erreichen. Auch hier werden die meisten zwei bis drei Abschnittchen schieben, doch nähere und weitere Aussicht entschädigen unmittelbar für die Zeiteinbusse.
Den Abschluss macht die mal seenah und mal etwas erhöhte Halbrunde um den Silsersee, bevor in Maloja Postauto respektive Engadinbus warten.

Geeignet für vielseitig interessierte Hobbybiker
Höhepunkt: Alp Staz, Lej Nair, Foppa, Fextal, (vor) Isola
Pause: siehe Höhepunkte
Dauer: (gut) 3 Std.
Höhenmeter (bergauf): 980 m

Trümpfe der Biketour Weinfelden-Stein a. Rhein

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