10. August 2015

Nur zum Spass - Schlösser knacken

Sein Name ist De Pedro, Rubén De Pedro. Er knackt Schlösser wie James Bond: ohne Schlüssel, ohne Gewalt, dafür mit Stil. Lockpicking ist Geheimsache. Doch dem Migros-Magazin verrät der Präsident eines Vereins von Panzerknackern ein paar Tricks.

geheime Kunst des Lockpickings
Früh übt sich: Rubén De Pedro führt Sohn Iván in die hohe und vor allem geheime Kunst des Lockpickings ein.

Hoch konzentriert wartet Rubén De Pedro (39) auf ein Klicken. In seinen Händen hält er ein mittelgrosses, goldenes Vorhängeschloss. Eines, das viele zum Verschliessen ihres Kellerabteils verwenden. De Pedro stochert mit einem Metallstäbchen im Schloss herum, fühlt sich hinein. 15 Sekunden später springt der Bügel auf.

Ein Kinderspiel für ihn – De Pedro ist Lock picker. Das Ziel: Schlösser ohne Schlüssel zu öffnen. Seine Arbeitskollegen nennen ihn liebevoll «den Schlössliknacker», das Wort Knacken hört ein Lockpicker allerdings nicht gern. Schliesslich ist das Schloss ohne Beschädigung geöffnet worden.

Der gebürtige Spanier ist Präsident des Vereins Spass (Abkürzung für «Schlösserpicken als Schweizer Sport»). Er hat sich an einem Samstag im Juli im Saal des Restaurants Schmidstube in Luzern-Littau eingefunden, um mit anderen Freunden der Sperrtechnik zu fachsimpeln. Welches Schloss ist mit welchem Werkzeug am besten zu picken? Mit dabei ist auch sein Sohn Iván (8). Er übt bereits fleissig mit seinem Vater, der ihm grosses Talent attestiert.

Agent 007 als grosses Vorbild

De Pedro, von Beruf Hauswart und in Wettingen AG zu Hause, ist seit zehn Jahren im Verein. Schlösser pickt er bereits seit seiner Kindheit. Schuld daran ist James Bond. «Mich hat schon sehr früh fasziniert, wie 007 Schlösser ohne Schlüssel öffnen konnte. Also fing ich an, mit einer Nadel und einer Büroklammer ein Vorhängeschloss zu picken. Und es hat geklappt.» Seitdem sitzt De Pedro abends vor dem Fernseher und öffnet nebenbei so viele und so unterschiedliche Schlösser wie möglich. Denn auch im Lockpicking heisst das Motto «Übung macht den Meister». Nicht immer behält er dabei die Nerven. «Wenn ich schon zwei Stunden an einem Schloss dran bin und es noch immer nicht aufgeht, kann mich das ganz schön hässig machen.»

Heute verwendet er Spezialwerkzeug mit kreativen Namen wie «Schneemann», «Schlange», «Diamant» oder «Six Mountains». Der Mechanismus, um ein Schloss zu öffnen, funktioniert praktisch immer gleich: Ein Schlüssel bringt durch seine Einkerbungen unterschiedliche lange Stifte, die zuvor das Schloss blockierten, auf die richtige Höhe. Dann lässt sich der Schlüssel drehen. Lockpicker machen nichts anderes, als diese Stifte ohne den dazugehörenden Schlüssel zu manipulieren. Klingt einfach, ist es aber auch mit Hilfe des Spezialwerkzeugs nicht. «Man muss schon genau wissen, was man tut. Und einfach jedem verraten wir unsere Geheimnisse auch nicht», sagt De Pedro.

Dass Einbrecher an ein Treffen des Spass-Vereins kommen und das Wissen missbrauchen könnten, glaubt De Pedro indes nicht. «Kriminelle machen Schlösser mit Gewalt auf. Denen würde das Picken viel zu lange dauern.» Doch sei es schon vorgekommen, dass sich ein Neuling verdächtig verhalten habe. «Er wolle nur wissen, wie man einen Safe öffnet. Den haben wir uns zur Brust genommen und danach nie mehr gesehen.»

Im Lockpicking gibt es auch Europa- und Weltmeisterschaften. An diesen Wettkämpfen bringt jeder sein eigenes Schloss mit. Dieses muss so einfach sein, dass es innert zweier Minuten geöffnet werden kann. Gleichzeitig muss es so schwierig zu picken sein, dass sich die anderen Teilnehmer daran mindestens fünf Minuten lang die Zähne ausbeissen. Laut De Pedro sind die Deutschen die weltweit schnellsten Picker. «Die bringen Schlösser mit, die nur sie öffnen können.»

Jetzt fehlt nur noch der Safe

De Pedro sind solche Meisterschaften nicht wichtig. Er tüftelt lieber herum und kommt dabei auf äusserst ungewöhnliche Ideen. So präsentiert er einen umgebauten Vibrator ohne Gummiverkleidung, den er als Elektropick benützt. Bei dieser Technik geht es darum, die Stifte des Schlosses durch Vibration und nicht durch Fühlen auf die richtige Höhe zu bringen. Auch eine elektrische Zahnbürste, an der wie beim Vibrator ein Metallstift klebt, verwendet De Pedro bei dieser Technik.

«Man muss eben auch so erfinderisch sein wie James Bond.» Dann klappe es vielleicht auch mit einem lange gehegten Traum: «Ein Mal möchte ich einen Safe oder Tresor öffnen können.» Gern auch einen leeren. Einfach so, zum Spass.

So knackt der Experte:

Vibrator, Zahnbürste, Spanner – kein Alltagsgegenstand, der nicht nützlich eingesetzt werden könnte.

Die elektrische Zahnbürste. Der Trick dabei: Durch die Vibration werden die Stifte im Schloss bewegt.

Ein Schloss, das viele fürs Kellerabteil brauchen, ist schnell zu knacken. De Pedro schaffts in 15 Sekunden.

Auch Türzylinder lassen sich mit Spanner (Mitte) und Pick problemlos öffnen.

Gute Schwingungen verbreitet auch ein umgebauter Vibrator. Funktioniert wie die elektrische Zahnbürste.

Schlösser von Einkaufswägeli knackt man mit einem Autoschlüssel. Wie, wird hier selbstverständlich nicht verraten.

Bilder: Sophie Stieger

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