24. Januar 2018

«No Billag?» – eine Buchkritik

Roger Schawinski ist SRG-Kritiker der ersten Stunde. Trotzdem will er nicht, dass das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen abgeschafft wird. Drum schaltet er sich mit einem Buch in die politische Debatte um die No-Billag-Initiative ein.

Lesezeit 2 Minuten

Die Fronten sind verhärtet. Gegner wie Befürworter der «No Billag»-Initiative reden aufeinander ein bzw. aneinander vorbei. Kein Argument scheint den jeweils anderen zu überzeugen. Trotzdem – oder gerade deshalb? – fühlte sich Medienmacher Roger Schawinski verpflichtet, Vor- und verstärkt die Nachteile der Initiative auf 172 Seiten darzulegen.

Schon beim Lesen der ersten vier Zeilen im Vorwort wird klar, dass Schawinski überzeugt ist, dass die Initiative abgelehnt werden muss: «Ein Ja würde die Medienlandschaft in so gewaltigem Ausmass umpflügen, dass die Folgen noch nicht einmal in Umrissen erkennbar sind.»

Nichtsdestotrotz beantwortet Schawinski mit diesem in Windeseile geschriebenen Buch die wichtigsten Fragen im Abstimmungskampf, und zwar auf eine glaubwürdige, gut hergeleitete und faktentreue Art und Weise. Der Autor leitet ausserdem gut nachvollziehbar her, wie die SRG so gross und mächtig werden konnte und spart auch nicht mit Kritik am Unternehmen.

Die im Buch geäusserte Kritik an der SRG ist aber ungewohnt harmlos, verglichen mit Roger Schawinskis Angriffen auf das Medienunternehmen zu seinen Privatradio- und TV-Zeiten in den 80er und 90er-Jahren. So schreibt er zwar, dass die SRG-Bosse «wohl zu einem grossen Teil mitschuldig an der Initiative sind», weil sie während Jahrzehnten eine «Vorwärtsstrategie gefahren und die Verleger mit Millionen gekauft haben». Allerdings entkräftet er den Vorwurf im Folgesatz gleich wieder: «Der Grund für ihre Strategie ist simpel: weil die Chefs es konnten und sie weder vom Parlament noch vom Bundesrat daran gehindert wurden.»

Roger Schawinksi kennt die Schweizer Radio- und TV-Landschaft wie kein Zweiter in der Schweiz (Bild: Keystone).

Nach der überraschend kurzweiligen Lektüre von «No Billag?» sind Leserinnen und Leser umfassend über die SRG, ihre Geschichte sowie die TV- und Radiolandschaft der Schweiz informiert. Wer Schawinskis Argumenten glaubt, wird die «No Billag»-Initiative ohne Zweifel ablehnen. So deutlich arbeitet Schawinski heraus, was nach einer Annahme von «No Billag» droht:

  1. «No Billag würde einen Grossteil des schweizerischen TV-Programms zerstören»
  2. «Die flächendeckende Radio-Grundversorgung wird verschwinden»
  3. «Pay-TV-Angebote gibt es nur bei drei Genres: Sport, Film und Porno.»

Trotz Schawinskis Deutlichkeit sind Zweifel angebracht, ob das Buch (überzeugte) Befürworter der Initiative umstimmen kann. Denn für eine echte Debatte sind die Fronten zu verhärtet.


Bei Ex Libris: No Billag?
Autor: Roger Schawinski
Verlag: Wörterseh


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