17. April 2018

Nichts wie raus in den Garten

Im Frühling haben Hobbygärtner Hummeln im Hintern. Auch Elsbeth und Markus Schlegel gehts da nicht besser: An kühlen Tagen nutzen die beiden ihren Wintergarten als Zwischenstation – stets bereit, auszurücken.

Elsbeth und Markus Schlegel am Tisch in ihrem Wintergarten
Elsbeth und Markus Schlegel am Tisch in ihrem Wintergarten.

Elsbeth Schlegel serviert Kaffee und Muffins im Wintergarten, bei gefühlten angenehmen 25 Grad. Draussen scheint die Sonne auf noch blütenlose grüne Tulpenbüschel, buttergelbe Osterglocken und ein kleines Meer von leuchtenden Blausternen. Elsbeth und Markus Schlegel – zwei leidenschaftliche Hobbygärtner – können eine leise Ungeduld angesichts des Prachttags nicht verbergen. Aber sie wissen auch: Draussen pfeift eine fiese Bise um die Hausecke. Da macht das Buddeln und Schnipseln wenig Freude. Also sitzen sie da und lauern auf das richtige Gartenwetter.

Hobbygärtnerin Elsbeth Schlegel mit Zitronenbäumchen
Die Zitronenbäumchen dürfen jetzt stundenweise raus. Bereits hat Elsbeth Schlegel die ersten Früchte in Muffins verarbeitet.

Den Wintergarten hat das Ehepaar vor 17 Jahren an eine Ecke ihres Einfamilienhauses, Baujahr 1980, anfügen lassen. Elsbeth Schlegel fertigte damals die Skizze dafür gleich selber an. «Mit den Bögen in den Fenstern», betont sie. Diese geben dem Wintergarten seinen verspielten Touch. Er wird in der kalten Jahreszeit nie über 10 Grad warm und ist deshalb der perfekte Ort für Pflanzen, die hell, aber kühl überwintern wollen. An garstigen Frühlingstagen wird das Glashaus quasi zur Schaltzentrale des 70-jährigen Ehepaars.

Hier sitzen die beiden stundenlang unter den fleischigen Blättern des Kastanienweins, der den Raum fast zur Hälfte ausfüllt («Wir schneiden ihn jedes Jahr radikal zurück, ehrlich!»), schmökern in Gartenbüchern, sortieren Samentüten, schreiben akribisch Listen von Tomaten, die sie ziehen wollen, und tun das, was nur Gartenfans können: Sie geniessen den Blick auf braune Beete, kahle Büsche und nacktes Rosengeäst. «Kommen Sie», sagt der Hausherr plötzlich, «ich zeige ihnen alles. Wir müssen ja auch dringend die Bäumchen rausstellen.»

Hobbygärtner Markus Schlegel mit seinen Rosen
Eine Rose ist eine Rose ist eine Leidenschaft: Markus Schlegel kann kaum die Finger davon lassen.

Schnell die Zitrus- und Olivenbäumchen an einer warmen Stelle vor dem Wintergarten platziert, und schon hat Markus Schlegel eine Schere in der Hand. Nur kurz ein paar Rosen zurückschneiden. Dann braucht ein Beet einen Gutsch Wasser, ein anderes muss rasch gehackt werden. So leicht sind die Schlegels jetzt nicht mehr ins Haus zu kriegen. «Noch schnell schauen, ob der Bärlauch schon parat ist für ein feines Pesto mit Baumnüssen», sagt Elsbeth Schlegel. Der Nüsslisalat will auch geerntet werden. Weitere Salate werden im Lauf des Jahres folgen: asiatischer, Zuckerhut, Endivien, Lollo Rosso.

Elsbeth und Markus Schlegel am Gärtnern
Sie machen fast alles gemeinsam: planen, gärtnern, Shabby-Chic-Dekorationen anfertigen.

Etwas über 300 Quadratmeter misst die Gartenanlage in dem ruhigen Einfamilienhausquartier von Oberhasli ZH. Es ist ein fruchtbarer Boden, monatelang gibt es ununterbrochen etwas zu ernten: Johannis- oder Himbeeren, Minze, Melisse, Rosmarin. Und Lavendel – seine duftenden Blüten verarbeitet Elsbeth Schlegel in kleinen herzförmigen Stoffkissen, die sie auf dem Markt verkauft. Ein Hotel hat sogar eine grössere Bestellung der duftenden Herzen bei ihr aufgegeben. Ihr Gatte zählt mit Blick auf den Garten auf, was Letzterer ihnen sonst noch schenkt: Krautstiel, Spitzkabis, Spargel, Peperoncini, Vulkanspargel. Vulkan... was? Der Hobbygärtner lacht spitzbübisch. Er spricht von Puntarelle, stellt sich dann heraus.

Hobbygärtner Markus Schlegel am Säen
Markus Schlegel hat aus Zeitungspapier Aussaattüten angefertigt und sät nun seine geliebten Vulkanspargeln, also Puntarelle, aus.

Randen, sagt Markus Schlegel, sei das Einzige, das bei ihnen nicht gedeihe. Im Tomatenhaus reifen dafür jedes Jahr so viele Früchte heran, dass das Ehepaar gar nicht alle selber essen kann. Mit Auberginen wars dasselbe. «Die bauen wir gar nicht mehr an», sagt Markus Schlegel und winkt ab, «das war einfach zu viel.» Blumen allerdings ... davon können die beiden Rentner nie genug haben. Der Wintergarten gleicht zur warmen Jahreszeit einem Dornröschenschloss, über und über mit Kletterrosen bewachsen. Weitere Rosen ziehen sich über die ganze Breite des Gartens, dreimal musste ihr Gerüst im Lauf der Jahre erneuert werden, so schwer und üppig sind sie geworden.

Auch an anderen Stellen hat der Garten Make-Overs erfahren. Elsbeth Schlegel zeigt auf einen Pavillon. Sie hat inzwischen einen Strohhut aufgesetzt. Ans Hineingehen ist also nicht mehr zu denken, zumal auch die Bise nachgelassen hat. «Hier stand ganz am Anfang ein Spielhäuschen.» Da waren die beiden Töchter noch klein. Als sie dem Kletteralter entwachsen waren, folgte an die Stelle des Häuschens ein sternförmiges Beet, dann der Pavillon für lauschige Abendstunden.

Gartendekoration vor dem Wintergarten
Rostig, aber reizend: Die Metallkrone. Im Hintergrund sind die Bögen des Wintergartens zu sehen. Sie wurden auf Wunsch von Elsbeth Schlegel zwischen den Scheiben eingefügt.

Ein Teich kam hinzu, und auch sonst allerhand Dekoratives wie verschiedene Vogelbäder, Skulpturen aus Metall, mit Schnörkeln verzierte Steinsockel, Töpfe in allen erdenklichen Formen und Farben. Mit Primeln, Kraut der Unsterblichkeit oder Geflecht gefüllt, stehen sie auf Simsen, Tischchen, Stühlen, Bänkchen, natürlich auch im Wintergarten, und in besonders charmanter Anordnung beim Hauseingang.

Gartendeko mit Primeln
Dekorative Arrangements, so weit das Auge reicht, wie hier beim Hauseingang.

Dort begrüssen nicht nur Gewächse die Besucher, sondern auch Schilder und Holztafeln. «Wir machen das alles selbst», erklärt Elsbeth Schlegel. Ihr Mann, ein gelernter Werkzeugmacher und stolzer Besitzer eines ansehnlichen Maschinenparks, sägt die Holzteile nach ihrer Vorgabe aus. Sie bemalt und beschriftet sie. Bemalt wird von ihr überhaupt fast alles, was sich vom Flohmarkt nach Hause tragen lässt: kleine Gestelle, Holzboxen, Sitzmöbel – für die näht sie dann auch gleich die Polster mit Bordüre selber. Immerhin war sie Schneiderin von Beruf.

Wildbienenhotel
Gut besucht: Wildbienenhotel an einer warmen Hauswand.

Bleibt da noch Zeit für anderes? Kinder, Enkel, Freunde? Ausflüge? «Natürlich!» Elsbeth Schlegel lacht perlend. «Wir haben oft Besuch.» Markus Schlegel waltet auch als Bühnenbauer im Theater Kammerspiele Seeb in Bachenbülach und hilft im Dübendorfer Fliegermuseum mit. Nach Bad Säckingen oder ins Elsass fahren sie regelmässig, erklärt Elsbeth Schlegel, natürlich besuchen sie dort Parks und Gartenausstellungen. Dann kommen sie aber auch gern wieder nach Hause. Durchqueren das Haus. Betreten den Wintergarten. Und wenn endlich Sommer ist, öffnen sie dort alle Türen. Nur zwei kleine Glaswände bleiben stehen. Und dann gehen sie hinaus in ihr kleines Paradies.

Steinernes Vogelbad
Tierfreundlich: Der ganze Garten der Schlegels lädt Tiere zum Verweilen ein: Es gibt Vogelbäder, Wildbienenhotels und geschützte Ecken mit Laubhaufen für Igel.

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