22. Februar 2018

Neue Gefühle

Die Berner Sängerin Jaël (38) ist seit Silvester Mutter von Eliah. Sie ist froh, dass das Buebli kein Bauchweh mehr hat.

schaute in sein zu einem negativen Smiley verzogenes Gesichtlein
«Ich schaute in sein zu einem negativen Smiley verzogenes Gesichtlein»
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Während der vergangenen Wochen wurde Buebli von Bauchweh geplagt. Das war für ihn anstrengend. Auch für mich. Ich versuchte alles, was mir geraten wurde und mein Mutterinstinkt als gute Idee empfand. Er tat mir schrecklich leid. Irgendwann kam ich an meine Belastungsgrenze. Dann tat auch ich mir ein wenig leid. Das Teufelchen auf meiner Schulter flüsterte: «Du kannst nicht mal dein Kind trösten! Du hast es nicht, das Muttergen!»

Ich habe den Hauch einer Ahnung gekriegt, wie es passieren kann, dass verzweifelte Eltern ihre Kinder schütteln. Man dringt in bisher unbekannte Gefühlslagen vor, wenn das eigene Kind stundenlang schreit. Und die Vorzeigemütter, die so tun, als sei das alles kein Ding, helfen nicht. Eine Bekannte schrieb mir: «Ich hoffe, du geniesst die erste Zeit mit deinem Sohn. Und wenn nicht, dann ist es auch nicht schlimm!» Ich war ihr dafür dankbar.

Als Hochsensible reagierte ich schon immer mit Schweissausbrüchen und Übelkeit auf weinende Babys. Auch deswegen hatte ich Respekt vor dem Mamawerden. Man sagte mir: «Wenn es dein eigenes Kind ist, dann ist es anders!» Anders? Ja. Aber nicht leichter. Und man kann nicht weglaufen. Die Koliken scheinen mittlerweile überstanden, und Eliah hat sein Lächeln wiedergefunden. Halleluja! Und was für ein bezauberndes Lächeln! Walt Disney hätte es nicht besser zeichnen können, hätte er ein Paradebeispiel für ein glückliches Baby gebraucht! Welch ein Geschenk, morgens bei erfreutem Glucksen und Brabbeln aufzuwachen und Blicke voller Liebe auszutauschen, nachdem vorher durch einen hindurchgeschaut wurde – und sich das einzige vermeintliche Lächeln als Zeichen von Blähungen entpuppte.

Mit dem ersten Lächeln kamen allerdings auch die ersten Tränen. Niemand hat mir gesagt, dass Babys in den ersten Lebenswochen tränenlos weinen, und es fiel mir seltsamerweise eine Zeit lang auch nicht auf. Umso grösser war der Schreck, als mein Sohn auf einmal Krokodilstränen vergoss. Ich schaute in sein zu einem negativen Smiley verzogenes Gesichtlein, und als seine Tränen flossen, flossen auch meine.

Empathie in Ehren, aber dass ich jedes Mal Bauchweh habe, wenn er es hat und mitheule, wenn er es tut – daran muss ich längerfristig wohl noch arbeiten. 


Jaëls Videoporträt

Video: Elena Bernasconi

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