Leser-Beitrag
02. Mai 2018

Muttersprache oder Deutsch?

Viele zweisprachige Eltern stehen vor dieser schweren Entscheidung.

Illustration: Erwachsener liest Kind ein Buch vor.
Das abendliche Vorlesen unterstützt die Sprachentwicklung von Kindern.
Lesezeit 3 Minuten

Viele Eltern unserer Spielgruppenkinder sind zweisprachig, sie kamen als Kinder in die Schweiz, besuchten den Kindergarten und die Schule. Die meisten von ihnen lernten im Laufe der Zeit gut bis sehr gut Deutsch, viele sprechen akzentfrei Schweizerdeutsch.


Nun sind aus diesen «fremdsprachigen Kindern» Eltern geworden und viele von ihnen stehen vor der schwierigen Entscheidung: Muttersprache oder Deutsch?

Was spricht für die Muttersprache?

- Mit ihrer Muttersprache können die Eltern, ihre Herkunftskultur weitergeben.
- Die Kinder können sich in der Heimat mit der Familie unterhalten.
- Oftmals werden die Kinder von den Grosseltern betreut und diese schätzen es, wenn die Kinder in ihrer Muttersprache mit ihnen sprechen

Was spricht für Deutsch?

- Deutsch, Hochdeutsch ist die Bildungssprache in der Schweiz, nur mit guten Deutschkenntnissen können die Kinder die Schule erfolgreich bestehen.
- Die Umgebung spricht Deutsch.

Entscheide dich für beides!

Grundsätzlich solltest du als Elternteil in deiner Herzenssprache mit deinem Kind sprechen! Sprich mit deinem Kind in der Sprache, in der du dich wohl und sicher fühlst! So kannst du deinem Kind einen guten Wortschatz mitgeben.

Was aber, wenn du dich in beiden Sprachen wohl und sicher fühlst? Dann hast du die einmalige Chance, dein Kind von Anfang an zweisprachig zu erziehen. Jede Sprache, die dein Kind lernt, ist ein Schatz, den ihm niemand mehr wegnehmen kann, füll die Schatzkiste deines Kindes mit beiden Sprachen.

Sprich dich mit deinem Partner ab und teilt die Sprachen auf! Wer sich wohler mit Deutsch fühlt, spricht Deutsch, der andere übernimmt die Muttersprache! Und bleibt dabei! Die nächsten vier bis sechs Jahre sollte für euch gelten: 1 Person - 1 Sprache!

Wusstes du, dass sich ein Kind mindestens 30 Stunden pro Woche aktiv mit einer Sprache auseinander setzen sollte, um sie zu lernen?
Wusstes du, dass ein Kind mindestens sechs Jahre braucht, um eine Sprache oder zwei zu lernen?
Wusstes du, was passiert, wenn niemand mit einem Kind spricht?

Welches ist die Ursprache des Menschen?

Friedrich II. stellte sich diese Frage bereits im 13. Jahrhundert. Mit einem Experiment wollte er feststellen, welche Sprache Kinder entwickeln, wenn sie ohne Ansprache und Zuneigung aufwachsen. Über den genauen Hergang des Experiments ist wenig bekannt. Das Ergebnis seines Experiments war allerdings niederschmetternd: Alle Kinder starben, wohl auf Grund fehlender sensorischer Stimulation. Er schrieb dazu: «Sie vermochten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichter schneiden und die Koseworte ihrer Ammen.»

Vor rund 2500 Jahren hat der ägyptische König Psammetich I. ein ähnliches Experiment durchgeführt. Er setzte zwei neugeborene Kinder bei einem Ziegenhirten in der Wildnis aus, um die menschliche Ursprache zu erforschen. Der Ziegenhirte durfte mit den Kindern natürlich kein Wort reden, so waren deren einzige »Ansprechpartner« die Ziegen. Nach zwei Jahren war das einzige Wort, das die Kinder sprachen »meck, meck« - eine Nachahmung des Meckerns der Ziegen. Offenbar bekamen die Kinder genügend Zuneigung vom Hirten oder von den Ziegen, sonst wären sie wohl auch gestorben.

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