25. Januar 2016

«Mr & Mrs Little City»: nonstop global unterwegs

Adrian Rüedi und Valeria Mella sind sozusagen mit dem Netz verheiratet: Was «Mr und Mrs LittleCity» auf Instagram oder Facebook posten, erreicht Tausende von Menschen. Inzwischen zählt das frisch getraute Paar zu den einflussreichsten Schweizer Bloggern.

Valeria Mella und Adrian Rüedi
Blicken als Blogger einer vielversprechenden beruflichen Zukunft entgegen: Valeria Mella und Adrian Rüedi.

Sie sind die Weltbürger des digitalen Zeitalters: «Mr und Mrs LittleCity» alias Valeria Mella (29) und Adrian Rüedi (31) aus Bonstetten ZH erobern sich das virtuelle Universum von Instagram, Facebook und Co. Mit ihrer Website Littlecity.ch sind Adrian, von seinen Freunden auch «Adi» genannt, und Valeria privat wie beruflich in der Welt der sozialen Netzwerke zu Hause – und das frischgebackene Ehepaar lebt davon.

Adrian Rüedi kommuniziert als Reiseblogger und Youtuber, Valeria Mella als Reise- und Lifestyle-Bloggerin. «Unser Blog ist spontan aus einem Hobby entstanden», sagt sie. «Mit einer Kollegin habe ich ein kleines Fotostudio betrieben und Menschen porträtiert. Für mich war ausschlaggebend, dass ich das Fotografieren zum Beruf machen wollte.»

Nach dem Publizistikstudium arbeitete Valeria Mella im Online-Marketing und leitete ein Team im Bereich Suchmaschinen. Seit 2009 bloggt sie, seit 2012 berichtet sie auf Littlecity.ch über Themen wie Essen, Reisen oder Raumausstattung. Heute folgen ihr und ihrem Ehemann, einem gelernten Informatiker, rund 31'000 Menschen auf dem Blog, auf Facebook und – hauptsächlich – auf Instagram. «Instagram ist auch deshalb unser liebster Kanal, weil wir hier am häufigsten herzergreifende, extrem berührende Reaktionen erhalten», sagt Rüedi.

Ungeplant: Hochzeitsberichte auf Instagram

Besonders gross war das Echo, als Mr und Mrs LittleCity die eigene Hochzeit in Bildern zeigten. Vor zwölf Jahren lernten sich die beiden bei einem Geburtstagsfest kennen – Mitte September 2015 krönten sie ihre Liebe in Minusio am Lago Maggiore. Auf ihre Instagram-Bilderbeiträge zur Hochzeit reagierten wildfremde Menschen mit selbst gebastelten Glückwunschkarten und Widmungen. Ursprünglich wollte das Paar nicht über seine Hochzeit berichten – wäre da nicht das grosse Interesse unter den Followern gewesen. Eine Leserin etwa schrieb, sie folge Valeria und Adrian erst seit Kurzem, habe aber das Gefühl, sie würden sich seit Jahren kennen.

Der Entschluss, auch beruflich aufs Bloggen zu setzen, festigte sich 2015: auf einer fünfmonatigen Weltreise, die von der Karibikinsel Curaçao über Marokko, Singapur, die Philippinen, Bali, Taiwan nach Nordthailand führte. Und natürlich konnte man die Reise in den sozialen Netzwerken verfolgen: Über 58'000 Interessierte sahen sich etwa den Youtube-Beitrag aus dem Trainingscenter von Singapore Airlines an, den das Paar im Auftrag der Fluggesellschaft produziert hatte. Er dokumentiert unter anderem, wie Flugbegleiter getrimmt werden, damit sie perfekt servieren. «Unerwartet beliebt war auch unser Roadtrip im Kleinbus durch Taiwan», sagt Rüedi. Die Insel sei ein Traum für Blogger, «weil das Internet dort schneller ist als bei uns – sogar im hintersten Kaff hat man Empfang».

Auf der Schweizer Klout-Rangliste, die den digitalen Einflussfaktor misst (unter Einflussreich.ch ), belegt Adrian Rüedi derzeit den 30. Platz (Klout-Faktor 67.35), Valeria Mella Rang 44 (65.27). Der gemäss Klout-Score einflussreichste Schweizer in den sozialen Medien ist – wenig überraschend – Roger Federer, gefolgt von Stan Wawrinka und Sébastien Buemi. Würden Mr und Mrs LittleCity ihre Texte in englischer statt deutscher Sprache verfassen, könnten sie noch mehr Menschen erreichen.

Ob Mode und Styling, Kulinarik oder Reisen: Die Schweizer lieben es, von ihren Passionen zu erzählen. So ist im Sog der neuen Technologie eine ganze Blogger-Generation herangewachsen. Gemäss den Schätzungen der «Social Media Studie 2014» dürften es insgesamt gut 300'000 Blogs sein.

Die grosse Mehrheit kann davon allerdings nicht leben – im Gegensatz zu Mr und Mrs LittleCity: Das Paar verdient genug Geld mit Bloggen, gesponserten Youtube-Videos und der Produktion von Beiträgen für Firmen wie Singapore Airlines oder Edelweiss. Auch auf der Website der «25hours»-Hotelkette haben die beiden über ihre Tiererlebnisse auf der Weltreise geschrieben. Daneben beraten sie Firmen im Bereich soziale Medien.

«Wir sind frei und können selbst entscheiden, wo und wann wir arbeiten. Das gefällt mir an diesem Job», sagt Valeria Mella. Und ihr Mann ergänzt: «Was wir erleben, ist einmalig. Wir schauen hinter die Kulissen, beispielsweise an einem Trüffelevent der Spitzenklasse. Oder wir werden zu Gourmetveranstaltungen eingeladen. Wir machen genau das, was wir wirklich lieben, und sind oft unterwegs.»

«Unsere Meinung ist nicht käuflich»

Einen Businessplan haben die Jungunternehmer aber nicht aufgestellt. «Bis Ende 2016 wird sich herausstellen, ob wir das so weiterziehen können oder nicht. Fest steht, dass wir immer authentisch und ehrlich bleiben wollen.» Valeria Mella und Adrian Rüedi schreiben nur über Themen, die ihnen liegen. Anfragen von Wasch- und Putzmittelfirmen hätten sie dankend abgelehnt: «Unsere Meinung kann man nicht kaufen.»

Diese Freiheit hat auch ihre Schattenseiten: Die Blogger erhalten keinen Fixlohn, müssen also mit einer gewissen Unsicherheit leben. Sie arbeiten wie Freischaffende projektbasiert und unterliegen saisonalen Schwankungen: Während der Sommerferien gibts weniger Arbeit, im Oktober umso mehr. Sie sind ständig auf Achse und stets mit der Welt verbunden – auch am Wochenende oder zu später Stunde. Rund um die Uhr Kommentare zu beantworten, ist Teil ihres Berufs. «Aber solange wir ihn gern ausüben, passt es», sagt Adrian Rüedi.

Er ist nicht der einzige Blogger in seiner Familie: Seine Eltern sind seit sieben Jahren mit einem Segelschiff auf den Meeren dieser Welt unterwegs – und berichten via Blog über ihre Erlebnisse.

Fotograf: Tanja Demarmels

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