12. August 2013

Mountainbike: Tipps für Downhill-Greenhörner

Rasante Abfahrten mit dem Bike waren lange etwas für furchtlose Temposüchtige, heute wächst die Downhillszene stetig und findet immer mehr Angebote für Breitensportler. Worauf kommts für Anfänger an: Die fünf wichtigsten Tipps.

Downhill auf dem Bike
Auch beim Downhill auf dem Bike: Nicht jeder Anfang fällt leicht (Bild: Kevin McHey)

1. Die körperlichen Voraussetzungen: Viele Interessierte unterschätzen den Kraft- und teilweise auch den Ausdauer-Aufwand für den Downhill-Sport. Schliesslich fährt man ja bloss bergab, nie hinauf. Dabei geht das stets die Position ändernde Stehen (man sitzt selten) mit der Zeit kräftig in die Oberschenkel, und Arme und Oberkörper werden durch das blosse Halten des Lenkers oder das Bremsen bei jeder Unebenheit stark beansprucht.

Nicht weiter tragisch, sofern man bei den ersten Ausflügen in Parks auf Ermüdungs- oder spätestens erste Krampferscheinungen reagiert und nur noch kurz und sehr vorsichtig fährt. Mit der Zeit gewöhnt sich der Körper schon an die spezifischen Belastungen.
Dennoch: Eine gute Grundausdauer ist alles andere als schädlich, und etwas vorzeitig antrainierte Kraft speziell in den Armen schadet nicht.
Und: An den ersten Tagen im Bikepark sollte man nicht davon ausgehen, nun ohne Pause acht Stunden runterbrettern zu können. Ein halber Tag reicht vollauf, oder man schaltet am besten eine mehrstündige Pause zwischen zwei Blöcke à je zwei bis maximal drei Stunden.

2. Das Material besteht nicht nur aus dem Velo: Auch was die nötigen Anschaffungen betrifft, gehen Anfänger oft von unvollständigen Annahmen aus, wenn sie einmal geschnuppert haben und den Sport regelmässig betreiben möchten. Das richtige Rad bleibt immer ein zentraler Entscheid – und auch der mit der grössten Kostenfolge, aber an Schutz- und anderen Utensilien geht leicht etwas vergessen. Wobei sich Sparen meist längerfristig nicht rechnet, wegen riskierten Verletzungen oder meist einfach nachträglich vorgenommenen Ersatzkäufen.

a) Das Velo: Ein sogennantes Hardtail praktisch ohne jegliche Federung für einige Hundert Franken reicht nicht. Da werden die Erschütterungen bis zur Verletzungsgefahr zu gross, und man ist beim Lernen der Technik limitiert oder gar auf verlorenem Posten. Beim ersten Schnuppern in einem grösseren Park lohnt sich die Miete eines Downhill- oder allenfalls Freeride-Bikes im nächstgelegenen (Rad-)Sportgeschäft mit Sicherheit. Alternativ können bei den ersten Versuchen auch ohnehin verfügbare Cross- Country-Bikes (möglichst Fully) verwendet werden, bei wirklich einfachen ersten Abfahrten allenfalls auch mal ein All-Mountain- respektive Standard-Mountainbike. Bei letzteren ergeben sich nach einigen anspruchsvollen Downhill-Parcours (statt den für diese Räder vorgesehenen Wald- und Kieswegen) schnell einmal 'Achter' wegen der überbeanspruchten Felgen, zudem fehlen dem Fahrer für gewisse Sprünge oder das Anfahren anderer Hindernisse die genügende Federung vorne und hinten. Richtig abschätzen, ob einem Downhill so Spass macht, kann schwierig werden...

b) Weitere Ausrüstung: Dazu benötigt der bereits angefressene Downhill-Starter primär Schutz an neuralgischen Körperstellen und eine passende Kleidung:
- Am wichtigsten ist ein guter Helm, denn bei regelmässiger Downhill-Aktivität wird man um den einen oder anderen Sturz nicht herumkommen. Und zwar ein sogenannter Full-Face-Helm, nicht ein luftiges Modell aus dem klassischen Mountainbike- oder Rennvelo-Equipement.
- Praktisch ebenso zentral sind die richtigen Protektoren: Bei regelmässiger Aktivität wäre da ein Safety-Jacket für den Rumpf-/Oberkörper-Bereich, weiter die richtigen Knie-Scheinbeinschoner, für die man bei ersten Versuchen allenfalls auf seriöse Exemplare etwa aus dem Inlineskate zurückgreifen kann (längerfristig jedoch kaum). Gegen Verletzungen an der Schnittstelle Hals und Wirbelsäule empfiehlt sich überdies der Einsatz einer Neck-Guard.
Helm und Protektoren können zum Schnuppern in ausgesuchten grossen Funparks, nach Vorabklärung eventuell auch darauf spezialisierten Sportgeschäften in der Nähe, gemietet werden.
- Handschuhe: Hier ist ebenfalls die richtige Wahl entscheidend. Gegenüber üblichen Mountainbike- oder gar Rennrad-Handschuhen erfordert der Downhill-Sport verstärkte Polsterung am Handballen-/Griffbereich oder etwa beim Daumen.
- Solide Sport-, allenfalls Skaterschuhe: Gewisse Beweglichkeit ist vonnöten, aber allzu biegbar sollten gerade die Sohlen auch nicht sein. Hier lässt man sich am besten im Radsportgeschäft beraten.
- Bekleidung: Wichtig ist eine praktische Hose, die auch kaputt gehen kann. Hier ist grösster Luxus also nicht immer angesagt. Mit Vorteil ist sie wie das Trikot etwas atmungsaktiv. Im weiteren lohnt sich Funktions-(Sport-)Unterwäsche.
Mit Vorteil eine spezifische Moto X-Brille käme auch noch hinzu. Alles in allem geht für eine hier geschilderte neue Ausrüstung im Minimum 3000 bis 3500 Franken weg, wenn man die günstigste Downhill-taugliche Radwahl vornimmt.

3. Die Streckenwahl: Zum Glück nimmt die Anzahl von Bikeparks mit mehreren Kursen oder Kursvarianten, wovon ein paar sich gerade für noch nicht sehr geübte Fahrer eignen, stetig zu. Informieren Sie sich im Voraus, welches und wie viele Strecken es gibt und wo man am besten beginnt. Im Zweifelsfall fragt man vor Ort auch einen Park-Angestellten oder erfahrene 'Downhiller'.

4. Einstellung und Ambitionen: Bei Mountainbike-Abfahrten gilt es gerade auch auf geeigneten Kursen, sich langsam an die momentanen Limiten in Sachen Technik oder Mut heranzutasten. Also nie beim ersten Parcours auf einem Kurs die Risiken offensiv ausloten, sondern sich Fahrt für Fahrt an die eigenen Grenzen herantasten. Dies empfiehlt sich nicht nur aus Sicherheitsgründen oder zur Vermeidung schmerzhafter Stürze, sondern auch, um Fortschritte zu machen und die Fähigkeit zur Einschätzung von Chancen und Risiken zu entwickeln. Besonders wichtig, dass die erste Fahrt auch mit langsamen 'Chicken'-Umfahrungen der Sprünge oder grösserer Hindernisse zur eigentlichen Besichtigung genutzt wird.

5. Konkurrenz und schnellere Sportler: Eine typische Situation erlebt jeder Anfänger auf einem Park schon nach kurzer Zeit: Er wird von einem gewandteren und viel schnelleren Downhiller eingeholt. Bis zum Erreichen eines hohen Technik-Niveaus mit einiger Erfahrung sollte der Wettkampfgedanke nie wichtig werden – und wenn es soweit ist, sind schnellere Zeiten und Rekorde auf einem Parcours vorrangige Ziele, und keineswegs, sich nie überholen zu lassen (oder primär andere zu überholen).
Um die eigenen Nerven und jene der schnelleren Mitbenützer einer Strecke zu schonen, heisst es bei Anfängern umso mehr: Sich nicht aus dem Konzept bringen lassen, ruhig im selben Tempo weiterfahren. Auch schnelle Cracks haben schliesslich mal klein angefangen und müssen dies verstehen. Beim Beschleunigen wegen nachrückenden Fahrern ereignen sich tatsächlich etliche Unfälle. Sobald man eine genügend breite Stelle erreicht hat, macht man auf einer Seite (möglichst nicht auf jener der allerschnellsten Linie) Platz.

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