08. Juli 2013

Morgens oder abends giessen – das ist hier die Frage

Die hohen Temperaturen lassen die Gärtner vermehrt zur Giesskanne greifen. Über den perfekten Zeitpunkt sind sie sich aber alles anderes als einig.

Die Giesskannenparade
Die Giesskannenparade

Eigentlich sind wir Gärtner ja ein friedliches Völkchen: Unser aller Ziel ist es, mit mehr oder weniger grünem Daumen unser mehr oder weniger grosses Grün in einen Garten Eden zu verwandeln, wie immer der dann auch aussehen mag.

Es gibt aber Themen, die selbst den oder die friedlichste(n) Gärtner(in) aus dem Busch respektive Beet locken, auf dass er (oder sie) sich hitzig und mit viel Verve seinen (oder ihren) Weg als den einzig selig machenden verteidigt!

Ein solch hitziges Thema ist das Giessen respektive der ideale Zeitpunkt desselben. Unser Grünzeug braucht ja jedes seine jeweilige Ration an Nass, jetzt in der Hauptwachstumsphase sowieso. Soweit so einig. Bei der Frage, ob dieses nun aber morgens oder erst abends zu verabreichen sei, tun sich wahre Meinungsgräben auf. Man kann schon fast von einem Religionskrieg im Garten Eden sprechen.

Die Morgengiesser (die Reihenfolge ist willkürlich, ich hätte auch mit den Abendgiessern beginnen können) argumentieren unter anderem damit, dass...

... das morgendliche Giessen dafür sorgt, dass die Pflanzen in der Mittagshitze nicht austrocknen
... abends die Pflanzen wegen Lichtmangels inaktiv werden, also sozusagen bereits schlafen
... abendliches Giessen Schnecken anlockt und Pilzkrankheiten fördert

Die Abendgiesser wiederum kontern damit, dass...

... abends am wenigsten Wasser verdunstet
... die Pflanzen in Ruhe die Feuchtigkeit aufnehmen und über Nacht einlagern können
... bis zum nächsten Morgen die Tropfen wieder abgetrocknet sind und es damit zu keinen Brandschäden auf den Blättern kommt


Und dann sind da noch die giesstechnischen Atheisten, die sagen: «Chrut wie Rüebli, Hauptsache nass!»

Giessen auf die altmodische Art: in Metall.

Ich selber giesse vorwiegend am Abend, und zwar aus ganz pragmatischen Gründen: Morgens habe ich genug damit zu tun, erst mich, dann das Zmorge und schliesslich den Sohnemann parat zu machen, auf dass wir es pünktlich in den Chindsgi und auf die Redaktion schaffen.

Und bevor mir jetzt die Morgengiesser ihre «Schprützkante» um die Ohren hauen: Ein deutscher Gartenguru hat kürzlich verlauten lassen, der ultimativ ideale Giesszeitpunkt sei zwischen drei und vier Uhr – in der Nacht!

Fotografin: Almut Berger

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