14. Juli 2018

Mit Schleier und Schärpe

Unsere Stadt-Land-Kolumnistin findet Polterabende stillos – bis sie selber an einem teilnimmt.

Hochzeitsdiadem
Unsere Kolumnistin kann mit peinlichen Polterabenden nicht viel anfangen. (Bild: unsplash.com)

Vielleicht sind sie dir auch schon aufgefallen: Frauengangs, die in den Sommermonaten die Stadt unsicher machen. Sie sind meist alkoholisiert und führen ein Wägeli mit sich, aus dem sie den Passanten Kondome oder ähnliches andrehen wollen. Ihre Anführerin ist zu erkennen an einem billigen Schleier auf dem Kopf, einem Plastikdiadem oder einer Schärpe mit der Aufschrift «Bride to be». Manchmal hört man die Gruppe von weit her «wohoo!»-en und kann gerade noch flüchten, bevor ein Wolke aus Tequila und süssem Parfum an einem vorbeizieht.


Ich will jetzt keine Spielverderberin sein, doch viele Polterabende sind stillos. Ich versteh ja das Prinzip: vor der Hochzeit mit den Mädels noch mal richtig die Sau rauslassen. Aber muss man sich deswegen kleiden wie Miss Piggy? Kürzlich war ich selber an einen Polterabend eingeladen. Ich gebe zu: Ich hatte so meine Befürchtungen, obwohl ich dem Stilbewusstsein meiner Cousine Katja ja eigentlich traue. Ich konnte zum Glück rasch aufatmen: Statt eines Schleiers wurde ihr ein herziges Blumenkränzchen auf den Kopf gesetzt, und statt um 20 Uhr ins Gebüsch zu kotzen, sassen wir bei gutem Rotwein am See.


Trotzdem zog ich am nächsten Tag ein übergrosses Spermium aus meiner Tasche. Auf dem Weg durch Zürich waren wir einer anderen Polterabend-Gang begegnet. Die Braut hatte nicht so gnädige Freundinnen wie unsere Katja und musste allerlei Krimskrams verkaufen. Unter anderem Eierlikör, der in Spermium-förmigen Behältern daherkam. Wir erstanden einen. Als Katja ihn getrunken hatte, freute sich die andere Mädelgruppe mit. «Wohoo!», riefen wir laut im Chor. Und die Passanten machten einen grossen Bogen um uns.

Das Video zu «Stadt, Land, Stutz»:

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