01. Oktober 2019

Mit Kindern ins Museum

Wenn man es klug angeht, macht der Museumsbesuch auch Kleinkindern Spass. Bestenfalls kann der Besuch sie sogar fördern.

Jan, Jan Luca, Leron, Annina und Malin (v. l.) ­geben in der Kunsthalle das Tempo vor. Die Betreuerinnen folgen.
Jan, Jan Luca, Leron, Annina und Malin (v. l.) ­geben in der Kunsthalle das Tempo vor. Die Betreuerinnen folgen.
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«Höhe beachten» steht auf der Warntafel neben dem Eingang zum Labyrinth. Das Gewirr aus Natursteingängen ist an der niedrigsten Stelle kaum 1,80 Meter hoch. Kein Problem für die Besucher, die gerade den alten, stillgelegten Brennofen in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell unsicher machen. Sie sind kaum 1,20 Meter gross. Barfuss und mit Taschenlampen ausgerüstet, jagen die Drei- bis Vierjährigen einander durch die Katakomben. Lachen und Kreischen hallen aus dem Labyrinth.

Jan, Malin, Jan Luca, Leron und Annina sind an diesem Nachmittag vom Chinderhort Appenzell mit ihrer Erzieherin Regina Dobler (58) in die Ziegelhütte gepilgert und von der Kunstvermittlerin Anna Beck-Wörner (41) in Empfang genommen worden. Möglich gemacht hat diese Begegnung Lapurla: Das gemeinsame Projekt des Migros-Kulturprozents und der Hochschule der Künste Bern (HKB) bringt Kinder mit Kultur und Kunst in Kontakt.

Wie auf dem Spielplatz

Karin Kraus (44) von der HKB erklärt: «Wir wollen, dass es für Kinder genauso selbstverständlich ist, sich im Museum oder im Theater aufzuhalten, wie auf dem Spielplatz, im Wald oder im Zoo.» Ein wichtiger Grundsatz ist dabei, dass die Erwachsenen nicht vorgeben, wofür sich die Kinder zu interessieren haben, sondern sie allenfalls einladen, die Umgebung zu entdecken. In Appenzell setzen sich Anna Beck-Wörner und Regina Dobler als Erstes mit den Kindern auf den Backsteinboden und fragen sie dann, ob sie die Schuhe ausziehen möchten. Leises Kichern ist zu hören, Rascheln, Tuscheln. Einige entledigen sich ihres Schuhwerks, Jan möchte es lieber anbehalten.

Sichtlich entspannt: Die Drei- bis Vierjährigen in der Kunsthalle Ziegelhütte
Sichtlich entspannt: Die Drei- bis Vierjährigen in der Kunsthalle Ziegelhütte.

Nun fragen die Kunstvermittlerin und die Erzieherin, wie sich der Boden und die Wände anfühlen. «Weich», sagt eins der Kinder. «Ich bin schon stark», erklärt ein anderes und stemmt einen Backstein in die Höhe. Annina findet, es rieche nach Rauch.

Höher rauf geht nicht

Nach dem Betasten und Bestaunen der kühlen, weiten Eingangshalle bewegt sich die Gruppe durch die Räume und Hallen der Ziegelhütte. Es geht über mehrere Treppen und Zwischenböden, die Kinder geben das Tempo vor. Mal kommentieren sie den Wechsel von der Stein- zur Holzunterlage unter ihren Füssen, mal gehen sie schweigend weiter. Zuoberst angekommen, schart Beck-Wörner die Kleinen um sich und fragt sie nach ihren Eindrücken. «Höher rauf gehts nicht», sagt Leron. Malin kommentiert: «Dazu bräuchte man eine Leiter.»

Kinder werden zu Künstlern

Während Leron sinniert, ob ein Helikopter hilfreich wäre, legt sich Jan rücklings auf den Boden und betrachtet die hohe Decke. Langsam nimmt der Bewegungsdrang der Kinder überhand, eins beginnt zu hüpfen und zu stampfen, die anderen ziehen mit. Irgendwann rennen alle schwitzend durcheinander Letzte Station des Kunstnachmittags ist das Museumsatelier. Mit Holz, Ton und Leim kann jedes Kind etwas kreieren. Leron ist schon nach zwei Minuten fertig. Malin zögert, bis sie sich entscheidet, etwas mit Holz zu gestalten. Eins der Kinder schnuppert an der Leimtube, eins betitelt sein Werk als«Kibkättli». Die Gruppe findet heraus, dass es sich um ein «Schildkröttli» handeln muss.

Sich willkommen fühlen

«Material erkunden» heisst es am Ende des Museumsbesuches für die Dreikäsehochs
«Material erkunden» heisst es am Ende des Museumsbesuches für die Dreikäsehochs.

Der Nachmittag endet mit dieser Bastelstunde, die auch in einer Kita stattfinden könnte «Stimmt», sagt Karin Kraus, «aber Kulturorte können Kinder zum eigenen Ausdruck mit Materialien anregen.» Sie erklärt auch: «Lapurla will erreichen, dass sich Kleinkinder an kulturell bedeutenden Orten willkommen fühlen.» Dies ist in der Kunsthalle Ziegelhütte eindeutig der Fall.  

Infos:: lapurla.ch
Kindergerechte Wanderausstellung: entdeckungderwelt.ch

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