24. November 2017

Mit Hund lebt es sich gesünder

Bello und Co. haben eine positive Wirkung auf die Gesundheit ihrer Besitzer. Das zeigt eine neue Studie aus Schweden. Im Interview erklärt Psychotherapeutin Karin Hediger, warum Hunde und andere Tiere den Menschen guttun.

Hunde verlängern und bereichern das Leben
Haustiere, besonders Hunde, verlängern und bereichern das Leben ihrer Frauchen und Herrchen. (Bild: Getty Images)

Queen Elizabeth (91) und Prinz Philip (96) erfreuen sich bester Gesundheit und feierten kürzlich ­ihren 70. Hochzeitstag. Dass die beiden Royals diesen Jubeltag überhaupt erleben durften, ist vielleicht auch ihren Corgis zu verdanken. Denn Hundehalter leben länger. Das zumindest berichten Forscher der Universität Uppsala.

Für ihre Studie sammelten und analysierten die Wissenschaftler während zwölf Jahren Daten von 3,4 Millionen Schweden. Dabei zeigte sich, dass insbesondere Menschen mit wenig sozialen Kontakten von tierischer Gesellschaft profitieren: Die Sterblichkeit von Singles mit Hund war während der Untersuchungsdauer um 33 Prozent geringer, und das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, sank um 11 Prozent im Vergleich zu Alleinstehenden ohne Hund.

Warum tut dir dein Haustier gut?

Das deckt sich mit Befunden aus anderen Ländern, zum Beispiel China. In Peking, Schanghai und Guangzhou waren Heimtiere bis 1992 offiziell verboten. Nach Aufhebung des Vebots konnte dem Halten von Hunden eine klar gesundheitsfördernde Wirkung nachgewiesen werden. Die Hundehalter bewegten sich häufiger, schliefen besser, fühlten sich aktiver, hatten weniger Arbeitsausfälle und gingen seltener zum Arzt.

Die Gesundheitskosten pro Kopf beliefen sich 2015 in der Schweiz auf knapp 10'000 Franken. Im Vergleich dazu ist ein Hund relativ günstig. Laut Psychotherapeutin Karin Hediger muss es aber nicht zwingend ein eigenes Haustier sein. Jede Beziehung zu einem Tier hat einen positiven Effekt. 

Tiere sind Eisbrecher. Sie machen uns kommunikativer und sozialer

Karin Hediger
Karin Hediger (33)
Karin Hediger (33) ist Psychotherapeutin und forscht an der Universität Basel zur Mensch-Tier-Beziehung. (Bild zVg)

Hundebesitzer leben länger und erkranken seltener an Herz-Kreislauf-Leiden. Wie erklärt sich das?

Hunde reduzieren wahrscheinlich gewisse psychosoziale Stressfaktoren, wie etwa Einsamkeit. Soziale Beziehungen sind ein sehr wichtiger Schutz: Sie wirken vorbeugend auf diverse psychische und physische Erkrankungen. Hunde sind soziale Tiere, die den fehlenden Kontakt zu anderen Menschen bis zu einem gewissen Grad ausgleichen können.

Fällt es Hundebesitzern vielleicht auch leichter, dank ihres Vierbeiners mit anderen Menschen in Kontakt zu treten?

Das ist tatsächlich so. Tiere sind Eisbrecher. Aus Studien ist bekannt, dass man mit Hund im öffentlichen Raum mehr angelächelt und mehr angesprochen wird. Allgemein wird einem mit Hund mehr Vertrauen entgegengebracht. Das ist aber bloss die passive Seite. Es gibt auch Studien, die zeigen, dass man selber kommunikativer wird, wenn man mit Tieren zusammen ist.

Hat man einen Hund, muss man ihn regelmässig Gassi führen. Wie gross ist der positive Einfluss der täglichen Bewegung?

Es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, dass man sich mehr bewegt, wenn man einen Hund besitzt. Besonders gross ist der Effekt eines Hundes auf das Bewegungsverhalten in Singlehaushalten. Was eigentlich nur logisch ist, weil sich Alleinstehende nicht abwechseln können, um mit dem Vierbeiner hinauszugehen.

Eine neuere These ist: Hunde verändern die Bakterienkultur im Körper ihrer Herrchen.

Man weiss heute, dass die Bakterien in unserer Umgebung unsere Gesundheit stark beeinflussen können. Menschen, die ein Tier im Haushalt haben, kommen mit anderen und mehr Bakterien in Kontakt als Menschen ohne Haustier. Man geht davon aus, dass Tiere das Mikrobiom von Menschen dadurch positiv beeinflussen. So weiss man etwa, dass Kinder, die in Haushalten mit Tieren aufwachsen, weniger oft unter Asthma leiden als solche, die kein Haustier haben.

Haustiere wirken sich positiv auf das Sozialverhalten von Kindern aus.

Apropos Kinder: Sind Hunde auch Erziehungshelfer?

Es gibt einige wenige Studien, die zeigen, dass sich Haustiere positiv auf das Sozialverhalten von Kindern auswirken. Tiere können wichtige Freunde für Kinder sein und stärken deren Fähigkeiten, sich in andere Lebewesen einzufühlen.

Sie selber setzen Hunde in der Psychotherapie ein. Gibt es Störungen, bei denen sie sich besonders gut als Therapeuten eignen?

Nicht das Krankheitsbild ist entscheidend, sondern die Beziehung zum Patienten. Sehr oft setzen wir Tiere dort ein, wo der Zugang zum Patienten schwierig ist.

Was empfehlen Sie Menschen, die sich keinen Hund halten können.

Es muss nicht zwingend ein Hund sein. Eine Beziehung aufbauen kann man auch zu anderen Tieren. In unseren Therapien setzen wir etwa auch Hühner und Meerschweinchen ein. Zudem muss das Tier nicht unbedingt im selben Haushalt leben. Man kann auch regelmässig mit einem Hund aus der Nachbarschaft spazieren gehen oder sich in einem Tierheim engagieren.

Was haben Sie selber für eine Beziehung zu Hunden?

Ich bin mit Golden Retrievern aufgewachsen. Tatsächlich haben sie mich dazu inspiriert, mich in tiergestützter Therapie weiterzubilden. Momentan bin ich allerdings zu oft unterwegs, als dass ich mit gutem Gewissen ­einen Hund halten könnte. Eins darf man nicht vergessen: Wir tragen mit ­einem Tier immer auch eine Verantwortung – und gerade weil sie uns so viel geben, sollten wir ihnen ein artgerechtes Leben ermöglichen.

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