24. Oktober 2019

Mit Geld einen Wunsch erfüllt

Manchmal verpufft das Glücksgefühl gleich nach dem Kauf. Und manchmal hält es an – vor allem dann, wenn man dafür lange gespart hat. Fünf Menschen verraten, welchen Herzenswunsch sie sich mit Geld erfüllt haben.

Lesezeit 5 Minuten
Silvia Erb mit Ballons
Silvia Erb (50), Romanshorn TG

Erfüllter Wunsch: Party zum 50. Geburtstag
Preis: ca. 5000 Franken
Besonderheit: Beim Gruppenfoto kam der Wow-Moment.

Viele Menschen glücklich gemacht

«Die Idee kam mir im Zug. Ich war auf dem Heimweg von einer Sitzung, und plötzlich dachte ich: Ich will zu meinem 50. eine Party machen. Auf der Rückseite der Traktandenliste notierte ich die Namen von Leuten, die ich einladen wollte. Lustigerweise blieb die Gästeliste bis zum Schluss fast unverändert; die Zugfahrt fand etwa ein Jahr vor meinem runden Geburtstag statt.

Die Planung ging los. Ich rechnete mit 100 Franken pro Gast. Zu Hause bewahrte ich in einer Schublade ein Couvert auf, in das ich immer mal wieder ein Nötli steckte. Von nun an überlegte ich mir beim Einkaufen: Brauche ich das? Oder kann ich das Geld für das Fest auf die Seite legen?

Am 6. Juli dieses Jahres war es so weit: Freunde, Bekannte und Familie trafen im wunderschönen Garten einer Biobeiz im Thurgau ein. Wir sassen bei einem coolen Grillplausch zusammen, alle fühlten sich wohl. Für mich war es ein tolles Zusammensein mit vielen Menschen, mit denen ich ein Stück durchs Leben gegangen war. Einige hatte ich jahrelang nicht gesehen. Als wir ein Gruppenfoto machten, war ich plötzlich überwältigt: Was für tolle Leute ich doch kenne!

Ich denke gerne an die Party zurück. Mit dem investierten Geld habe ich viele Menschen glücklich gemacht – gibt es etwas Schöneres?»

Nael Keel mit Pokémon-Sammelbox
Nael Keel (6), Wohlen AG

Erfüllter Wunsch: Pokémon-Sammelbox
Preis: Fr. 34.90
Besonderheit: Nimmt die Box am Abend mit ins Bett.

Zwei Feen sei Dank

«Seit ich in der Schule bin, und auch schon ein bisschen vorher, bin ich Pokémon-Fan. Ich tausche die Karten in der Pause gerne mit meinen Freunden. Ich habe schon viele sehr gute Karten. Mein Mami und meine Oma nervt es immer, wenn die Karten in der Wohnung herumliegen. Als wir in der Migros einkaufen waren, hatte ich die Pokémon-Box gesehen und wollte sie haben. Darin kann man die Karten versorgen. Mein Mami wollte sie mir aber nicht kaufen, das fand ich voll blöd.

Zum Glück ist mir kurz danach ein Zahn ausgefallen, und die Zahnfee hat mir fünf Franken geschenkt. Ich habe sie extra ins Kässeli getan. Wenn ich zum Geburtstag Geld bekomme, muss ich es immer mit dem Mami zur Bank bringen. Ich finde es doof, dass ich der Bank immer Geld gebe, und sie gibt mir nie etwas zurück. Aber dann hat mir eine Bekannte meiner Oma einfach so 30 Franken geschenkt. Den Fünfliber und das geschenkte Geld durfte ich Mami mitgeben, und sie hat mir die Pokémon-Box dann gekauft.

Als sie damit nach Hause kam, fand ich das megacool. Ich bewahre meine Karten jetzt in der Box auf. Manchmal nehme ich sie am Abend mit ins Bett. Wenn ich ganz viel Geld hätte, würde ich mir eine Babykatze kaufen. Und noch mehr Pokémon-Karten – und noch eine Sammelbox.»

Zeichnung der Künstlerin Sabine Schlatter
Marcel Bleuler (38), Zürich

Erfüllter Wunsch: Zeichnung der Künstlerin Sabine Schlatter
Preis: 2000 Franken
Glücksmoment: Sieht für den Besitzer immer wieder neu aus

Verliebt in ein Bild

«Es ist unmöglich, die Zeichnung in meinem kleinen Wohnzimmer zu übersehen: Sie misst stolze 180 mal 150 Zentimeter, und in dem kleinen Raum wirkt sie regelrecht riesig. Fein schraffierte Farbflächen bedecken das gerahmte Papier. Manche meiner Besucher assoziieren dieses Bild mit einem wuchernden Urwald.

Ich habe das Werk der bekannten Zürcher Künstlerin Sabine Schlatter im Jahr 2014 für 2000 Franken abgekauft. Es hätte eigentlich 7000 Franken gekostet, aber das hätte ich mir nicht leisten können. Weil ich Sabine gut kenne und das Bild unbedingt haben wollte, hat sie mir einen Freundschaftspreis gemacht.

Ich wohne in Zürich und arbeite an zwei Hochschulen als Kunstwissenschaftler. Mein Hauptpensum habe ich an der Universität Salzburg. In Österreich zahlen die Unis nicht so gut. ­Darum war der Kauf dieser Zeichnung für mich keine Selbstverständlichkeit. Doch bereut habe ich die Anschaffung nie. Das Werk fasziniert mich: Es wirkt offen und lebendig. Ich sehe immer wieder neue Dinge darin. Am intensivsten habe ich es erlebt, als ich einmal mit Fieber auf dem Sofa lag.

Für mich wäre es viel weniger spanned, das Bild in einer Galerie zu betrachten. So sehe ich es ­jeden Tag. Es verändert und bereichert meinen Lebensraum. Darauf möchte ich nicht verzichten.»

Peter Keist mit seinem Rolls-Royce Silver Spirit
Peter Keist (47), Oberbuchsiten SO


Erfüllter Wunsch: Rolls-Royce Silver Spirit aus dem Jahr 1980
Preis: bleibt geheim
Besonderheit: Alles fing mit einer Modellautosammlung an.

Das Polieren ist ein Genuss

«Zuerst hatte ich mein Auto in klein. Vor etwa 25 Jahren war ich im Wallis in den Ferien und entdeckte dort in einem Warenhaus Modellautos, die mir gefielen. Am Ende der ­Ferien war ich im Besitz von vier kleinen Rolls-Royce. Darunter das gleiche Modell, das ich heute fahre.

Dass ich genau dieses Auto einmal besitzen würde, konnte ich mir damals nur erträumen. Meine Sammlung hat sich auf etwa 800 Modellautos ausgeweitet. Über die Jahre habe ich nebenbei gespart, und als ich genug Geld auf der Seite hatte, suchte ich im Internet nach meinem Wunschmodell – und wurde fündig!

Ich schaute mir den Rolls­Royce Silver Spirit aus dem Jahr 1980 an und unternahm eine Probefahrt. Der Preis lag unter seinem Wert, und so habe ich zugeschlagen. Seit dem 30. Oktober 2014 gehört das Auto mir. Als ich an dem Tag nach Hause fuhr, war ich so überwältigt von meinen Gefühlen, dass ich fast eine Pause einlegen musste. Es war unbeschreiblich.

Mein Auto ist mein Hobby. Auf der Website peterkeist.ch/silverspirit führe ich Logbuch. Nach einer Fahrt poliere ich mit Wasser und Pflegemittel den Schmutz weg. Das ist für mich kein Müssen, sondern ein Genuss.»

Claudia Bachmann mit ihrem Pferd
Claudia Bachmann (32), Retschwil LU

Erfüllter Wunsch: ein Pferd
Preis: fünfstelliger Betrag
Besonderheit: Der Warmblüter hat eine Genmutation

Ein «Seelenrössli»

«Schon als Kind war es mein Traum, ein eigenes Pferd zu besitzen. Doch erst in der Ausbildung zur Pflegefachfrau konnte ich mir überhaupt Reitstunden leisten. Dann kam auf dem Reiterhof ein ganz besonderes Fohlen zur Welt: Die Eltern sind einfarbige Warmblüter, aufgrund einer Genmutation ist das Fohlen aber ‹geschäggt›.

Mir war sofort klar: Das soll meins sein! Von meinem Lehrlingslohn konnte ich mir es aber unmöglich leisten. Eineinhalb Jahre lang – bis ich die Lehre beendet hatte – habe ich gezittert und gehofft, dass der Besitzer das wunderschöne Fohlen nicht verkauft. Natürlich lag ich ihm immer wieder damit in den Ohren, dass ich es erstehen möchte, sobald die Lehre abgeschlossen sei. Als ich endlich so weit war, hatte ich gespart, wo es nur ging. Nach vier Monaten konnte ich mir das Pferd leisten. Seither gehören wir zusammen, Colorina und ich.

Das ist nun achteinhalb Jahre her. Heute bin ich jeden Tag glücklich, dass ich sie habe. Sie ist mein ‹Seelenrössli›, wir können uns gegenseitig blind vertrauen. Manchmal ist sie eine kleine Diva, hat ihren eigenen Kopf, aber das ist gut so. Sie ist das Teuerste, das ich mir je geleistet habe. Aber das Glück, wenn ich mit ihr ausreite, ist für mich unbezahlbar.»

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