11. September 2017

Mit diesen 5 Tipps verstehst du jedes Jobinserat

Die Jobsuche ist nicht immer einfach: Unverständliche Begriffe oder zu hohe Anforderungen lassen unser Selbstwertgefühl schwinden. Hier findest du eine Anleitung, wie es trotzdem klappt.

Wenn nicht nur du die Firma, sondern sie auch dich mag - dann hast dus geschafft!
Lesezeit 4 Minuten

Stelleninserate können entmutigen. Oft werden echte Wundermenschen gesucht, die mit 24 bereits mehrere Abschlüsse, mindestens fünf Jahre Praxiserfahrung und drei Fremdsprachen im Gepäck haben.

Zuerst die schlechte Nachricht: Wenn du im Bereich Marketing eine Stelle suchst, gibt es vielleicht tatsächlich Menschen, die das alles erfüllen. Dort trudeln oft um die 100 Bewerbungen ein, wie Thomas Barandun, Recruiter beim Migros-Genossenschaft-Bund, sagt.

Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung kannst du vielen Enttäuschungen vorbeugen. Ich zeige dir, mit welchen fünf Schritten dies gelingt, Thomas Barandun gibt Tipps und sagt, worauf Recruiter in einem grossen Unternehmen achten:

Thomas Barandun (49) ist seit 3,5 Jahren Recruiter beim Migros-Genossenschafts-Bund. Zuvor war er während 20 Jahren in der Personalberatung tätig.

1. Triff eine Vorauswahl

Ein Unternehmen macht sich – im Idealfall – Gedanken, unter welchem Titel eine Stelle ausgeschrieben wird. «Wir versuchen, jeweils einen treffenden, aber vor allem verständlichen Titel zu finden. Es wissen vielleicht nicht alle Menschen, was ein Category Field Manager ist. Darum vermeiden wir solche Begriffe wenn möglich», sagt Thomas Barandun.


Also ist es wichtig, nach Stellen zu suchen, die dem eigenen Profil entsprechen. Thomas Barandun sagt dazu: «Es gibt natürlich auch Menschen, die sich auf mehrere Stellen im selben Unternehmen bewerben, weil sie unbedingt in dieses Unternehmen wollen. Das ist grundsätzlich in Ordnung. Aber es macht keinen Sinn, sich auf eine Einkäufer-Stelle zu bewerben, auf eine in der Buchhaltung und auf eine im Personalrestaurant.»


Darum: Die Suche auf Stellenbörsen so genau wie möglich einschränken und nur Stellen auswählen, die wirklich dem eigenen Profil entsprechen.

2. Prüfe die Anforderungen

Nachdem du eine Vorauswahl getroffen hast, geht es darum, die einzelnen Anforderungen genau zu prüfen. Meistens beschränken sich Unternehmen auf die wichtigsten Punkte: Steht zu viel im Inserat, lesen die Bewerber nicht alles durch. Das ist laut Barandun für beide Seiten nicht von Vorteil. Apropos genau lesen: Was wird im Inserat zwingend verlangt, was ist allenfalls ein Pluspunkt?

«Wenn für eine Stelle Französisch ein Must ist, steht das explizit so im Inserat. Ist es lediglich von Vorteil, aber nicht zentral, schreiben wir das ebenfalls hin», sagt Experte Barandun. «Wenn ein Bewerber eine Zusatzanforderung nicht erfüllt, sonst aber Pluspunkte mitbringt, schauen wir ihn trotzdem an. Fehlt hingegen eine ganz zentrale Anforderung, ergibt es wenig Sinn, sich zu bewerben.» Fokussiere dich also auf die Stellen, bei denen du alle wichtigen Anforderungen mitbringst – so sparst du Zeit.

3. Schaffe Unklares aus der Welt

Meistens wird im Stelleninserat eine Kontaktperson angegeben. Bleiben nach der Durchsicht des Inserats und der Website des Unternehmens Fragen offen, sollte man diese direkt mit der Kontaktperson klären. So spart man sich unnötigen Aufwand, wenn es doch nicht passt. Und falls doch, hat der Recruiter bereits einmal mit dem Bewerber gesprochen und kann sich ein erstes Bild machen. «Ich persönlich mache mir dann bereits eine Notiz, wenn ich einen guten Eindruck hatte», sagt Barandun. So bleibt man in Erinnerung, auch wenn 100 Bewerbungen eingehen.

4. Lass dich nicht entmutigen

Auf dem Markt tummeln sich sehr viele sehr gut qualifizierte Menschen. Das kann gerade für jüngere Bewerber entmutigend wirken, das bestätigt auch Recruiter Barandun: «In Bereichen, wo wir viele Bewerbungen erwarten, versuchen wir, bereits bei der Ausschreibung die guten Kandidaten herauszusieben.» Darum gibt es bei der Migros – wie bei vielen Unternehmen – Fragen, die bereits beantwortet werden müssen, bevor man seine Onlinebewerbung hochladen kann. Diese Massnahme hilft, dass sich die richtigen Kandidaten auf die Stelle bewerben.

Chancen haben Jüngere zum Beispiel im Bereich Informatik. «Unser Unternehmen investiert gerne in Mitarbeitende, die Potenzial haben und die wir entwickeln können. Also sind für uns auch junge Bewerber interessant», sagt Barandun. Zudem gibt es in jedem Lebenslauf Punkte, die eine Person einzigartig machen. Zeige auf, warum du gut bist, auch wenn du wenig Erfahrung mitbringst. Wenn du das im Bewerbungsschreiben hervorhebst, steigen deine Chancen. Und sie tun es noch mehr, wenn du Punkt fünf befolgst.

5. Sei kreativ

Je kreativer der Job, desto kreativer die Bewerbungen, so die Meinung des Experten. Ich finde aber, du kannst etwas wagen, egal wie kreativ die Stelle ist, auf die du dich bewerben willst. Melanie hat bereits über Guerillabewerbungen geschrieben. Generell gilt: auf eine schöne Darstellung achten und für das Bewerbungsschreiben einen kreativen Schreibstil wählen. Mehr Tipps zum Aufbereiten der Bewerbung gibts im Bericht «Wie hätten Sies denn gerne?» . Am besten gehst du in deinem Schreiben auf die ausgeschriebene Stelle ein, hebst zum Beispiel hervor, warum gerade du im Umfeld dieses Unternehmens glänzen kannst. Toll ist auch ein Link, unter dem der Recruiter Arbeitsproben anschauen kann. Und – Überraschung: Ich habe noch einen zusätzlichen Gratistipp von Experte Barandun:

6. Grammatik und Sorgfalt!

Ich weiss, es ist mühsam, doch es lohnt sich: Gib deine Bewerbung, bevor du sie abschickst, deiner Mutter, dem besten Freund, dem Lehrer usw. Denn vier oder sechs Augen sehen mehr als zwei. Du kannst den Text zehnmal durchlesen und nicht sehen, dass da «Frau Müller» statt «Herr Hirschi» steht oder dass du «Bewebrung» geschrieben hast – der Recruiter hingegen merkt es sofort, und deine Bewerbung landet im Müll.


Nun wünsche ich dir viel Ausdauer, kreative Ideen und viel Erfolg bei deiner nächsten Bewerbungsphase! Und: Hast du noch andere Tipps, die gut funktionieren? Dann schreibe sie hier in die Kommentare.

Benutzer-Kommentare