19. April 2018

Mit der Töss an den Rhein

Die Kurzwanderung von Embrach nach Eglisau: vom natürlich mäandrierenden Tösslauf an den mächtigen Grenzstrom – und über den idyllischen Rhinsberg.

Hübsche Waldlichtung vor der Tössegg
Die hübsche Waldlichtung in einer Tössbiegung liegt ideal für eine Pause.
Lesezeit 4 Minuten

An grösseren Flüssen begegnet man den Spuren anbrechender Jahreszeiten meist früher. Auch deshalb zog es mich Anfang April an einem schönen Wochenende ans Ende des Tösslaufs mit seinen Naturschutzzonen, den Auen und Wäldern. Dazu beabsichtigte ich auch, erstmals den Rheinabschnitt von Teufen ZH bis Eglisau in Augenschein zu nehmen. Weil die Tössegg an der Einmündung der Töss in den mächtigen Rhein ein bekanntes Ausflugsziel darstellt, plante ich zur Abwechslung unmittelbar danach einen Umweg über den westlich gelegenen Rhinsberg. Den, rechnete ich, bis auf zwei bis drei Biker und Wanderer in verlassenem Zustand anzutreffen.

So kommt es denn auch. Sonntagmittag teile ich bereits die Wanderwege ab Rorbas einzig mit ein paar versprengten Ausflüglern – vom Bahnhof Embrach/Rorbas dauert es übrigens nur wenige Minuten an die Töss, vorbei an einem Vorstadtviertel, dem Embracher Baseballfeld und dem Psychiatriezentrum Hard. Die Töss zeigt sich im Übrigen von manch spannender Seite, ein Nebenarm, in dem das Wasser kaum fliesst, fast stillsteht, verbreitert die Auenlandschaft und verhilft ihr zu reichhaltiger Pflanzenwelt. Etliche Blumen zeigen sich früher als anderswo in farbenfroher Pracht. Höhepunkte sind aber zwei grosszügig von Wald- und Schilfgürtel umsäumte Wiesen, die zum Ausspannen, Spielen oder Rumliegen einladen.

Die Tössegg zieht wie vermutet einige Wander- und ein paar Velofreunde an: sowohl auf die Terrasse des Ausflugsrestaurants, das kaum an auf Touristenabriss ausgerichtete Abfertigung denken lässt, wie auch auf das grössere Halbinselchen mit Grill- und Picknickplätzen am Rheinufer. Sobald ich jedoch mehr als 30 Schritte hinauf zur Südostflanke des niedlichen Rhinsbergs hinter mir habe, bin ich im kaum je dichten Wald völlig allein. Sogar den idyllischen Grillplatz am Rand der Hüttenberg-Lichtung könnte ich ganz allein in Beschlag nehmen. Doch ich will den rundum bewaldeten Hügel etwas südlich (auf Bülacher Seite) erkunden und schliesslich von der dem Rhein abgewandten Seite den höchsten Punkt (566 m ü. M.) erklimmen. Es lohnt sich, nicht wegen der Aussicht - es gibt schlicht keine. Dafür entschädigt der Wald mit vielerlei Gebüsch, verschiedenen Baumtypen und einer witzigen Topografie mit nicht immer nachvollziehbaren Auf und Abs. Gleich neben dem Kulminationspunkt lag lange vor der Neuzeit in einer Senke eine der vereinzelt archäologisch nachgewiesenen Zufluchtsorte der Ortsmächtigen und ihrer Sippen.

Route Embrach-Eglisau

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1500 x 1000 px / © swisstopo)

Beschwingt schlendert der Wanderer vom Rhinsberg hinab zum grossen Laubihof und entdeckt gleich um die nächste Ecke ein kleines Waldschlösschen. Erstaunt verfolgt man den Wanderweg gleich hinter einem Privatparkplätzchen hinunter nach Tössriederen. Nach dem Auffüllen des Getränkebidons bestaunt man den hübschen Siedlungskern und findet wie immer während des halbtägigen Wanderausflugs ohne Umschweife den Weg zum Hauptweg etwas oberhalb des Rhein-Flussniveaus. Durch die Bäume werden bald die Rebberge und die zwei bis drei schönen Bauten von Oberriet am Gegenhang bestaunt, bevor man in Eglisau eintrifft und sich im Hirschen neben der mächtigen Hauptkirche ein Eis und etwas zu Trinken gönnt. Zur Bahn legt man frisch gestärkt einen knappen Kilometer zurück und überlegt bloss kurz, die Wanderung über Laubberg-Buechenplatz nach Glattfelden zu verlängern. Doch im Frühling gilt es, die Gunst von warmem Wetter auszunützen und, wenn es kühler wird, ohne Plackerei nach Hause zurückzukehren. Anstrengungen gibts 2018 schliesslich noch genug ...

Das Schloss des Liechtensteiner Fürsten
Altstädtchen von Eglisau mit der Kirche (rechts) am Nordufer des Rheins.

Die Alternative: Wer mit Kindern genug Pausen einlegt, sich speziell zum Spielen und Picknicken an der Tössegg vergnügt, absolviert den Ausflug einfach ohne den Umweg über den Rhinsberg. Stattdessen folgen Familien nach der Tössmündung ganz einfach dem Hauptweg am Rheinufer Richtung Eglisau. So dauert die Wanderung praktisch gleich lang (damit spart man die Hälfte der Höhenmeter und gut einen Kilometer ein). Mit Ausnahme von 200 bis 300 Metern auf einer Wegschlaufe unterhalb des Schlosses Teufen kann der Ausflug bequem mit einem Kinderwagen bewältigt werden.

Geeignet für ausdauerndere Spaziergänger
Höhepunkte: der Töss entlang, über den Rhinsberg nach Tössriederen
Pause: 2 Chancen fürs Picknick (Naturschutzzone): zwischen Rorbas und Tössegg, Hüttenberg (Lichtung vor dem Rhinsberg), Eglisau
Dauer: 3 Std. 30
Höhenmeter (bergauf): 370 m

Trümpfe der Wanderung Embrach-Eglisau

Reto Meisser über seine Kolumne «Hike & Bike»

Video: Elena Bernasconi

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