Leser-Beitrag
27. Dezember 2017

Mit dem Geisterschiff in die Polarnacht Nordnorwegens

Hurtigruten mit viel Sehenswertem und mässigem Service: Inge Sterzls Reisebericht zur Schifffahrt von Tromsø nach Kirkenes.

Kalte Abendstimmung auf der Hurtigruten-Tour

Unser 15. Hochzeitstag war ein ganz besonderer. Nach einem reichlichen norwegischen Frühstück und einen Besuch des Polaria in Tromsø wurde es bereits um 14 Uhr 30 wieder dunkel. Im Januar ist Polarnacht in Norwegen oberhalb des Polarkreises und das bedeutet nur wenige Stunden Dämmerlicht in der Mittagszeit, ansonsten aber Dunkelheit.

Unser Hurtigrutenschiff Polarlys war bereits im Hafen angekommen. Um 15 Uhr konnten wir endlich einchecken. Zu unserem Erstaunen war das Schiff mit nur knapp 30 Passagieren unterwegs. Es war vorgesehen, dass es bereits im Januarin einem neuen nordischen Design umgebaut wird. Deshalb wurden die bereits gebuchten Passagiere auf andere Schiffe umgebucht. Wir nicht. Danach fiel die Entscheidung, dass es erst im Februar umgebaut werden soll, und da die Hurtigrutenschiffe einen Beförderungsauftrag wahrnehmen, muss es bis dahin fahren. Deshalb nur so wenige Passagiere. Wir kamen uns vor wie auf einem Geisterschiff. Einige Kabinen standen offen und aus diesen waren bereits die Betten entfernt.

Nachts in Tromsø angelegt
Nachts in Tromsø angelegt.

Zu Ehren unseres Hochzeitstages haben wir an der Bar mit einem Getränk angestossen. Beim Abendessen waren nur fünf Tische besetzt, von einigen wenigen Personen. Das Essen hat nicht geschmeckt, bis auf den Nachtisch mit Moltebeeren. Das Personal war anscheinend auch nicht besonders motiviert, bei so wenigen Gästen.
Immer wieder gingen wir warm eingepackt auf das kalte Aussendeck, um vielleicht das Nordlicht zu entdecken. Leider Fehlanzeige. Klarer Himmel wechselte sich ab mit dunklen Wolken und Schneeschauern.
Das Schiff schaukelte. In Skjervøy gehen wir nochmals an Deck, danach wollen wir schlafen gehen. Das Schiff schaukelt wieder mehr und wir konnten erst in den frühen Morgenstunden einschlafen.

Am nächsten Morgen weckte uns die Durchsage vom Kapitän, dass es bis zu sechs Meter hohe Wellen habe, ein Schneesturm wüte und wir nun in der Finnmark angelangt seien. Das Frühstück war nicht gerade ein Highlight - Spiegelei mit Speck, Käse, Semmel und schlechter Kaffee. Während des Frühstücks legten wir in Havøysund an. Das Schiff schaukelt weiter.
Wir sind die Einzigen, die immer wieder an Deck gehen, um zu schauen und zu fotografieren.

Der Fischer zeigt die Riesenkrabbe
Der Fischer zeigt die Riesenkrabbe.

In Honningsvåg legte das Schiff für drei Stunden an und wir fuhren mit dem Bus und weiteren acht Passagieren eine Stunde bis zum Nordkap. Die Fahrt geht im Winter nur im Konvoi, da die Strasse zum Nordkap vom Schnee befreit werden muss und nur einspurig befahrbar ist. Vor uns der Schneepflug und ein anderer Bus und nach uns noch ein Schneepflug. Trotz vereister Strassen fuhren die Busse relativ schnell.
Unterwegs immer wieder Nebel und Schneesturm. Ein zugestiegener Guide erzählte Wissenswertes über die Insel, die Ureinwohner Lapplands, die Samis und den Nordkap und seine Geschichte. Am Nordkap war es dämmrig und gewaltige dunkle Wolken zogen über uns hinweg. Der Schneesturm nahm uns stellenweise die Sicht. Aber es war fantastisch, so einsam und fast allein am Fusse der Nordkapkugel zu stehen. Wir kannten das Nordkap bereits von einer früheren Reise im Sommer zur Mitternachtssonne.

Im Café der Eismeerkathedrale haben wir uns Cappuccino und eine Waffel gegönnt. Zurück zum Schiff ging es wieder im Konvoi im Nebel bzw. im Schneesturm.
Nach der Abfahrt von Honningsvåg stürmte es weiter und das Schiff schaukelte für unsere Begriffe sehr. Die Besatzung hingegen meinte: halb so schlimm.

Auf hoher See

Gegen 17 Uhr fuhren wir bei Kjöllefjord vorbei an der Samischen Kirke, welche mit wechselnden Farben beleuchtet war. Ein Fischerboot fuhr rasend schnell ans Schiff heran und brachte frische Königskrabben mit. Der Fischer präsentierte die noch lebenden Tiere auf dem Aussendeck und erzählte dazu Wissenswertes. Wer wollte, konnte sie auch anfassen. Zubereitet wurden sie nicht auf dem Schiff; der Fischer nahm sie wieder mit.

Zum Abendessen gab es Buffet. Die Speisen waren sehr kalt und kamen wohl direkt aus dem Kühlschrank. Das mitgeführte Skipo-Spiel liess den Abend jedoch schnell vergehen. Das Schiff schaukelt nun so sehr, dass wir uns bereits früh in der Koje flachlegten. Die Barentssee hat es wirklich in sich.

Am nächsten Morgen mussten wir bereits früh aufstehen und frühstücken gehen. Um punkt 8 Uhr musste die Kabine bereits geräumt sein und um 9 Uhr kamen wir in Kirkenes an. Mit dem Linienbus fuhren wir als einzige Passagiere für 60 NOK zum Thon-Hotel. Unser Zimmer im 3. Stock bot einen fantastischer Aussicht auf den teilweise zugefrorenen Fjord. Nach dem Einchecken unternahmen wir einen kurzen Rundgang durch das fast menschenleere Kirkenes und fotografierten. Es war kalt - minus 17 Grad.

Gäste, die mit einem anderen Schiff von Bergen bis Kirkenes gefahren waren, zeigten uns Bilder vom Nordlicht, welches sie auf ihrer Fahrt gesehen hatten. Wir waren fast neidisch.

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