03. August 2018

Mit 50 ist der Darm dran

Mit einer Darmspiegelung wird Darmkrebs meist in einem frühen Stadium erkannt und kann erfolgreich behandelt werden. Die Untersuchung ist weniger unangenehm als erwartet. Ein Erfahrungsbericht.

Schmerzen im Unterleib?
Darmkrebs ist bei Männern die dritthäufigste, bei Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung. 

Ab heute gibt es kein Obst und Gemüse mehr für mich, das irgendeine Form von Kernen enthält. Auch Vollkornprodukte und Müesli sind tabu. Denn ich bereite mich auf eine Darmspiegelung, der Fachbegriff dafür ist Koloskopie, vor. In fünf Tagen soll es soweit sein. Bis vor Kurzem habe ich das Mantra meines Hausarztes – «Mit 50 sollten Sie eine Darmspiegelung erwägen» – immer weit von mir
geschoben. Dann erkrankte eine 46-jährige Bekannte an Darmkrebs. Bei meinem nächsten Besuch bat ich meinen Hausarzt, mich für eine Darmspiegelung an einen Gastroenterologen zu überweisen.

Drei Tage vor der Darmspiegelung muss ich auch Blattsalate, Pilze, Zwiebeln und Pepperoni vom Menüplan streichen. Am Tag zuvor ist noch ein leichtes Frühstück erlaubt, ab dem Mittag darf ich nur noch helle und klare Flüssigkeiten, zum Beispiel Schorle, zu mir nehmen. Bald stellt sich Hunger ein, begleitet von schlechter Laune. Abends gibt es ein abführendes Pulver zum Anrühren, danach muss ich weitere 1,5 Liter Flüssigkeit zu mir nehmen. Den Yogakurs lasse ich ausfallen, denn bald drängt es mich ein ums andere Mal aufs WC.

Am folgenden Morgen und Vormittag ist das Prozedere mit dem Abführmittel und den 1,5 Liter Flüssigkeit zu wiederholen. Der Hunger ist weg, der häufige Gang aufs WC bleibt, und der Stuhl entwickelt sich endlich zu der klaren Flüssigkeit, die er laut Broschüre des Gastroenterologen haben sollte.

An etwas Schönes denken
Auf 14 Uhr ist die Darmspiegelung angesetzt. Mir wird ein Venen­zugang gelegt, zudem erhalte ich ein Gewand, das hinten offen ist. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Gastroenterologen lege ich mich auf meine linke Seite auf den Schragen und spüre kurz danach einen Finger in meinem Hintern. Die unangenehme, zum Glück kurze rektale Untersuchung ermöglicht es, Narben, Verletzungen oder andere Veränderungen zu erkennen, die bei der Darmspiegelung stören könnten. Nun rät mir die Assistentin, an etwas Schönes zu denken.

Als Nächstes nehme ich das Endoskop wahr, das sich Richtung Darmausgang bewegt. Dies ist ein biegsamer Schlauch, der mit einer Kamera ausgestattet ist. Bei einer Darmspiegelung wird das Endoskop bis zur Mündung des Dünndarms in den Dickdarm geschoben und dann langsam zurückgezogen. Auf diese Weise lassen sich der gesamte Dick- und Enddarm, in denen die allermeisten Darmkrebserkrankungen auftreten, untersuchen.

«Haben Sie schon angefangen?», frage ich. «Wir sind fast fertig», klingt es zurück. Ich habe die letzten 20 Minuten geschlummert. Der Gastroenterologe ist zufrieden. Er hat «im sehr sauberen Darm» keine Polypen entdeckt, die eine Vorstufe von Darmkrebs sein könnten und die er während der Darmspiegelung hätte entfernen müssen. Alles bestens also, aber wegen meines familiären Risikos solle ich in fünf, spätestens sieben Jahren wiederkommen. Geschafft, denke ich erleichtert.

Noch kurzzeitige Beschwerden
Das Aufatmen kommt jedoch zu früh: Um die Darmwände gut inspizieren zu können, wird bei der Darmspiegelung Luft in den Darm geführt. Kaum habe ich die Praxis verlassen, spüre ich einen stechenden Druck auf den Magen. Er lässt bei jedem Pupsen nach, baut sich aber sofort wieder auf. Den Rest des Tages verbringe ich rastlos und gehe früh zu Bett. Als ich nachts aufwache, sind die Beschwerden jedoch weg.

Früherkennung und vorbeugende Massnahmen

Die Kosten für eine Darmspiegelung sind über die Grundversicherung der Krankenkasse gedeckt und in den Kantonen Genf, Neuenburg, Jura, Uri und Waadt von der Franchise befreit. Bei wem ein familiäres oder anderes Darmkrebsrisiko besteht, sollte schon vor dem 50. Lebensjahr mit Vorsorgeuntersuchungen beginnen.

Die Methoden sind wirkungsvoll: Der Verband Swiss Cancer Screening schätzt, dass sich die Zahl der Menschen, die an Darmkrebs sterben – derzeit sind es in der Schweiz jährlich rund 1700 Personen –, mit regelmässiger Früherkennung um 25 bis 50 Prozent senken liesse.

Ein gesunder Lebensstil kann laut Krebsliga Schweiz dazu beitragen, das Krebsrisiko zu senken. Dazu gehört, dass man sich regelmässig bewegt, auf ein normales Körpergewicht achtet, viel Gemüse, Früchte und Vollkornprodukte isst und weitgehend auf den Genuss von rotem sowie gepökeltem Fleisch, Süssem und Salzigem verzichtet, nur wenig Alkohol trinkt und nicht raucht.

Nicht beeinflussbar sind andere Faktoren, die die Entstehung von Darmkrebs begünstigen: eine familiäre Veranlagung, Vorerkrankungen und das Alter. Die Krebsliga bietet Beratung und Unterstützung an. 

Mehr Infos: krebsliga.ch / swisscancerscreening.ch

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