11. April 2018

«Mister Gourmetfestival» liebt Spaghetti al pomodoro

Bis zum 17. Juni findet das Gourmetfestival «S. Pellegrino Sapori Ticino» an verschiedenen Orten im Tessin statt – mit den besten Köchen der Welt. Gründer Dany Stauffacher (64) über den Nutzen solcher Festivals, die Auswahl von Starkochs und seine liebsten Orte, um wirklich gut zu essen.

Dany Stauffacher
Dany Stauffacher, Gründer und CEO des «S. Pellegrino Sapori Ticino»

Gourmetfestivals gibt es auf der ganzen Welt, von St. Moritz bis nach Singapur. Weshalb braucht es eines für das Tessin?

Klar, es finden einige Festivals statt, aber die Welt ist so gross. Es gibt Platz für einen solchen Event, zumal sich unsere Veranstaltung auf einem sehr hohen Niveau befindet. In den letzten fünf Jahren kamen Köche, die insgesamt 175 Michelin-Sterne vereinen. Sterne und die Top 50 von San Pellegrino sind uns wichtig. Ich achte aber auch auf Chefs, die ihren Beruf mit Passion ausüben. Franck Giovannini vom Restaurant de l’Hôtel de Ville in Crissier VD beispielsweise kann ohne Weiteres in die Top 100 auf der San-Pellegrino-Liste vorstossen. Und Sie dürfen nicht vergessen, dass wir eines der ersten Festivals waren.

Was wollen Sie mit diesem Gourmetfestival erreichen?

Mein Hauptziel: Werbung fürs das Tessin machen.

Wie stark geht das Festival denn auf Tessiner Spezialitäten ein?

Von Tessiner Spezialitäten zu sprechen, ist schwierig. Wir sind so nahe bei Italien. Und Polenta gibt es auch in Peru, Schweinefleisch und Poulet fast überall. Wenn wir vom Tessin reden, dann durchaus im Sinn der Internationalität, die von den unzähligen Topköchen im Tessin ausgeht. Mit Veranstaltungen in der Deutschschweiz und in der Romandie haben wir das Tessin und seine Köche bewusst in diese Regionen eingebunden. Unser Festival ist eben auch eine Promotion für die besten kulinarischen Genüsse aus der ganzen Schweiz. Es gibt kaum ein Land, das auf so kleiner Fläche diesbezüglich ein so hohes Niveau aufweist. Es gibt immer mehr Tophotels, die zusätzlich ein Restaurant mit Michelin-Sternen führen.

Lugano mit Blick auf den See
Startschuss im Tessin: Am 29. April beginnt dort das Festival im «Splendide Royal» in Lugano (Bild: zVg).

Die Austragung in diesem Jahr bis zum 17. Juni feiert den 12. Geburtstag. Was ist 2018 besonders?

Die Hauptakteure des diesjährigen önogastronomischen Festivals sind zehn internationale Starköche, die mit ihren Gourmetreisen eine Brücke von Asien nach Europa schlagen. Zur Auswahl stehen 21 Anlässe mit Köchen, die insgesamt 27 Michelin-Sterne haben. An einem einzigen Tag waren sämtliche 700 Plätze der zehn Abendanlässe ausgebucht. Im vergangenen Jahr war dies nach vier Tagen der Fall.

Das ist ein Frust für all diejenigen, die das Festival besuchen wollen.

Es ist auch meine Frustration und jedes Mal ein Drama, jemandem abzusagen, weil wir keinen Platz mehr haben. Andererseits gibt uns der Erfolg recht: Eine solche Veranstaltung hat ihr Publikum.

Wie wählen Sie die Köche aus?

Wir beschäftigen uns damit rund ein Jahr im Voraus. Die letzten Details definieren wir drei bis vier Monate vor unserem Gourmetfestival. Wir suchen die besten und die, die mit Herz und Passion kochen.

Was ist Ihr Lieblingsessen?

Seit Jahren Spaghetti al pomodoro.

Dany Stauffacher im Weinkeller
Dany Stauffacher: «An einem einzigen Tag waren sämtliche 700 Plätze der zehn Abendanlässe ausgebucht» (Bild: zVg).

Welches ist für Sie die beste Genussregion der Welt?

Gute Frage (überlegt). Sizilien. Auf der Insel kann man überall gut essen. Und wenn wir von gutem Essen, kombiniert mit gutem Wein reden, möchte ich das Südtirol erwähnen. Dort gibt es sensationelle Weine und eine ebenso hervorragende Küche. Jüngst führte mich eine meiner schönen Reisen an die Mosel, wo ich in Perl-Nennig in Grenznähe zu Luxemburg bei Christian Bau eine neue Welt entdeckte. Und die Weine: unglaublich, wie günstig die in Deutschland sind.

Welches ist Ihr Lieblingsrestaurant?

Grundsätzlich esse ich gern in Sterne-Restaurants. Aber mir gefällt eine schöne Brasserie ohne zu viel Etikette fast besser. Und manchmal ist es auch schön, mit Freunden ein einfaches Gericht zu geniessen. Am liebsten esse ich jedoch zu Hause. Meine Frau kocht italienisch, und ich hole einen Wein aus dem Keller, meist einen Tessiner Merlot, oder einen anderen Wein aus der Schweiz wie einen Pinot Noir vom Weingut Donatsch in Malans GR. Ich mag grosse Flaschen. Vor zwei Tagen öffnete ich eine Magnum 2011 von Donatsch. Mamma mia, war der gut!

Fischteller
Gerichte mit Fisch werden in der Gourmetküche immer wichtiger, wie diese Aufnahme aus dem Vorjahr zeigt (Bild: Maurizio Serva).

Benutzer-Kommentare

Verwandte Artikel

Der neue Mario-Botta-Bau auf dem Monte Generoso (Vetta)

Mit dem Kulturprozent die Schweiz erkunden

Dubrovnik

Den Massen in Dubrovnik ausweichen

Gruppe sitzt ums Feuer

Überlebenstraining in heimischer Wildnis

Die imposante Burg Reichenstein

Basels Zinnen und Ruinen