07. Juli 2018

Miss L. gestaltet Möbel im Shabby Chic

Alte Dinge aufhübschen kann jeder. Ich gehe heute den umgekehrten Weg und verwandle einen fabrikneuen Tritthocker in ein antikes Stück.

Der Hocker im Shabby Style
Lesezeit 3 Minuten

Schon mal was vom Shabby Chic gehört? Das ist ein Trend, bei dem (vermeintlich) Neues auf Alt getrimmt wird. «Shabby» ist englisch und heisst heruntergekommen, gebraucht, marode. Aber so richtig schäbig wird es heute natürlich nicht. Eher liebenswert, verschroben und bunt. Genau mein Ding.

das brauchts

Du brauchst

- einen unbehandelten Tritthocker aus Holz
- matte Kreide-Acrylfarben (auf Wasserbasis) in Pastelltönen
- Wachs zur Möbelbehandlung
- Schleifpapier mit Körnung 180
- Kreppband
- Pinsel
- ein Stück dickere Tapete oder bedruckten Tonkarton
- Decoupage (das ist eine Flüssigkeit, die die Eigenschaften von Tapetenleim und Lack in sich vereint)
- Teppichmesser oder scharfe Nagelschere
- etwas Zeit

Und so wird's gemacht

Erinnerst du dich noch an die Zeiten, als Schubladen mit Papier ausgeklebt wurden? Bei meiner Urgrossmutter gab es noch einen Schrank mit Blümchen im Innern. Das hat mich dazu inspiriert, dem Hocker eine papierne Trittfläche zu verpassen. Als ich im Bastelladen über diesen Tonkarton mit einer geologischen Karte der Schweiz gestossen bin, wusste ich: Das ist es.

Der Tonkarton mit dem gewählten Sujet

Platziere das Tapeten- oder Papierstück deiner Wahl auf der Trittfläche und klebe die Randbereiche (nicht den Karton!) mit Kreppband ab. Übertrage ausserdem die Position des Grifflochs auf den Karton. Schneide eine Öffnung aus. Das geht prima mit einem Bastelskalpell oder einer kleinen Nagelschere. In meinem Fall musste übrigens die Zentralschweiz dran glauben. Sorry, Interlaken!

Ein Hoch auf die Innerschweiz

Schüttle den Decoupage-Leim und fülle zirka eine halbe Tasse in ein Gefäss. Du darfst nun die Trittfläche grosszügig einstreichen. Achte darauf, dass die Flüssigkeit nicht unter das Kreppband läuft. Verfahre ebenso mit der Rückseite des Papiers. Es ist wie beim Tapezieren. Lege den Karton nun auf und richte ihn exakt am Kreppband aus. Drücke vor allem die Ecken und Kanten gut fest. Es ist ganz normal, dass sich das Papier zu wellen beginnt. Streiche grössere Buckel vorsichtig mit den Fingern aus. Kleinere Erhebungen verschwinden nach dem Trocknen von selbst.

Verteile nun eine weitere Lage Decoupage auf der Kartonoberfläche.

mit Decoupage einstreichen

Während der Karton trocknet, kannst du die Teile des Tritthockers mit der ersten Farbe anstreichen. Streiche jeweils in eine Richtung und stelle sicher, dass sich keine Rotznasen bilden. Wenn sich das Papier auf der Trittfläche nicht mehr feucht anfühlt, darfst du das Kreppband abziehen und auch die Ränder mit Acrylfarbe bemalen.

der erste Anstrich

Baue den Hocker entsprechend der Anleitung zusammen. Du musst nun entscheiden, an welchen Stellen das Möbel später besonders abgenutzt aussehen soll. Man könnte sich auch fragen: Wenn der Tritthocker tatsächlich fünfzig Jahre alt wäre, welche Bereiche wären dann abgestossen, abgenutzt? Ich habe mich für alle Ecken und Kanten entschieden. Und selbstverständlich auch für die Fläche, auf der man steht.

der zusammengebaute Hocker

Verteile überall dort Möbelwachs mit einem Pinsel. Das ist keine exakte Wissenschaft, nur zu! Lasse das Wachs mindestens eine Stunde antrocknen.

auf zum zweiten Anstrich

Weiter zum zweiten Anstrich. Zum Verständnis: Jetzt kommt die Farbe, die später dominiert. Obwohl es immer schön ist, wenn man ordentlich arbeitet, darf diese Schicht weniger perfekt ausfallen. Warte erneut, bis alles gut getrocknet ist.

mit Abschleifen beginnen

Das Beste kommt wie immer zum Schluss. Schleife mit dem Papier mit 180er-Körnung alle Bereiche ab, die vorher mit Wachs behandelt wurden. Unterfarbe kommt mit wenig Aufwand zum Vorschein, da sich an diesen Stellen Farbe 1 nicht mit Farbe 2 verbinden konnte.

... das macht Spass

Ich glaube, ich hatte noch nie so viel Spass wie bei diesem Schritt. Es ist einfach nur magisch.

Der Shabby Chic ist natürlich nicht auf Tritthocker beschränkt. Du kannst die Technik auf diverse andere Einrichtungsgegenstände wie Regale, Stühle, Holzkästen oder Bilderrahmen übertragen. Wichtig ist eigentlich nur, dass der Untergrund eine saugende Oberfläche hat. Echte Profis arbeiten auch noch mit Goldpuder, um abgeblätterte Goldfarbe zu imitieren.

Hocker-Ausschnitt

Viel Spass beim Pinseln, Wachsen und Schleifen!
Miss L.


Bettina Leinenbach im Videoporträt

Video: Elena Bernasconi

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