28. Oktober 2017

Miss L. filzt Kugeln

Neulich war hier ein Untersetzer aus Filzkugeln zu sehen. Erinnerst du dich? Jedenfalls wurde ich im Anschluss oft gefragt, wie man denn genau solche Kugeln herstellt. Voilà!

Lesezeit 3 Minuten

Das Tutorial zum Filzuntersetzer, das du hier nochmals anschauen kannst , kam gut an. Ich hatte jedoch zwei Dinge falsch eingeschätzt: 1. Es gibt in der Schweiz offensichtlich nur an wenigen Orten fertige Filzkugeln zu kaufen. 2. Selbst wenn sich eine Quelle auftut, ist die flauschige Ware so unendlich teuer, dass man gleich Goldnuggets verbasteln könnte. Kein Problem, ich als Autorin kann selbstverständlich eine Anleitung nachreichen, wie du viel kostengünstiger an die wunderbaren Kugeln kommst.

Du brauchst:

  • Filzwolle zum Nassfilzen aus 100 Prozent Schafschurwolle, kardiert und gekämmt. Bitte nicht erschrecken, diese Wolle kostet jeweils ein paar Franken, aber du brauchst pro Kugel nur zirka ein Gramm. Ich mag die vorgepackten Beutel, die Wolle in verschiedenen Farben enthält, am liebsten.
  • Schmierseife (mit normalem Spülmittel funktioniert es nicht!)
  • ein altes Handtuch
  • eine digitale Waage

Und so wirds gemacht:

Willst du Kugeln in unterschiedlichen Grössen herstellen, kannst du direkt loslegen. Sollen aber alle einigermassen gleich gross werden (wie bei mir), musst du erst ein wenig Wolle wiegen. Das geht ganz prima mit einer digitalen Feinwaage. Wenn du also eine Apothekerin, einen Goldschmied oder eine Imkerin kennst, können die dir bestimmt aushelfen. Aber keine Panik! Es geht auch ohne.

Die normale Küchenwaage funktioniert auch ganz gut, so lange die «kleinste» genormte Kugel zirka ein Gramm und mehr wiegen darf. Einfach Wolle auf die tarierte Waage legen und sobald die Anzeige von null auf eins umschlägt, stoppen. Das ist dann pi mal Daumen ein Gramm.

Bereite eine Schüssel mit warmem Wasser vor (Badetemperatur!). Gib ca. 1,5 EL Schmierseife dazu. Lege das alte Handtuch unter.

Die Filzwolle ist so gekämmt, dass sie langfädig vor dir liegt. Teile die abgewogene Menge in zwei ungefähr gleich schwere und gleich lange Stränge.

Nun darfst du am Ende eines Strangs einen Knoten machen. Es kommt nicht auf Schönheit an, einfach drauflosknüpfen! Dieser Knoten ist gewissermassen dein Startpunkt beziehungsweise der spätere Kern der Kugel.

Schlage den Knoten nach innen und rolle den ersten Strang auf. Es liegt in der Natur der Sache, dass die aufgerollte Wolle etwas «in die Breite» geht. Du darfst selbstverständlich die Ränder leicht nach innen klappen und weiterrollen. Halte die so entstandene Walze gut fest und lege den zweiten Wollstrang um 90 Grad versetzt auf. Wenn du zuerst von Norden nach Süden gewickelt hast, musst du nun von Osten nach Westen umschlagen.

Am Schluss hältst du ein Filzgebilde in der Hand, das einer Kugel zumindest ähnelt.

Diesen Kugelrohling darfst du jetzt komplett in die Lauge eintauchen. Wringe ihn nicht aus, sondern erlaube ihm, ein bisschen zu quellen. Wenn du den Rohling nun aus der Flüssigkeit hebst, hat sich die Seife um die Fasern gelegt. Die Oberfläche sieht ein wenig wie bei einer Seifenblase aus. Streiche sanft über die Oberfläche, um alles schön zu glätten. Die störrischen kleinen Wollfasern müssen quasi alle in der Seifenlauge eingeschlossen werden. Das lässt sich nur schlecht fotografieren, wenn du aber dran bist, weisst du, was ich meine.

Wenn dein Kugelrohling eine ebenmässige Oberfläche hat, darf er so auf das Handtuch gelegt werden (also wieder nicht auswringen, gell!). Jetzt kommt der lustige Teil. Rolle die Kugel über die Fasern des Frottees. Es ist ein bisschen wie beim Kneten. Durch den leichten Druck der Handfläche werden die Wollfasern verfilzt, das Wasser rausgepresst und gleichzeitig alles verdichtet.

Diesen Vorgang musst du mehrmals wiederholen: nass machen, Oberfläche glatt mit Seifenlauge einstreichen, rauf aufs Handtuch, rollen. Nach wenigen Durchläufen sieht die Kugel schon sehr ordentlich aus. Gerade Anfänger filzen gerne mal einen «Mund» in den Ball.

Keine Sorge! Das bekommen wir noch schöner hin. Zupfe ein paar Filzfasern aus deinem Vorrat und «stopfe» den Mund. Wieder zurück ins Wasser, glatt streichen, rollen und so weiter.

Ich zeige dir nun noch ein weiteres Anwendungsbeispiel für die dekorativen Filzkugeln: ein farbenfrohes Mobile für Kleine (und Grosse!).

Du brauchst (neben den Filzkugeln) nur noch Perlonfaden und eine Vorrichtung zum Aufhängen (hier: Mobile-Stern mit Kugeln aus dem Bastelladen). Fädele deine Filzkugeln auf und verschiebe sie vertikal auf der Schnur. Die Kugeln bleiben problemlos an Ort und Stelle.

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