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Die Jugendsprache

«Gömmer go eskaliere?» Je krasser, desto besser. Je derber, desto lustiger. Manche Wendungen, die Jugendliche gern benützen, schockieren die Erwachsenen. Das sollen sie auch. Doch die Wortbedeutungen sind meist viel harmloser, als man zunächst vermutet. Eine Frauenfelder Sekundarklasse gibt Nachhilfe.

Ich bin fly. Das heisst, dass ich gerade voll abgehe, also ziemlich involviert bin, es richtig fühle. «Fly sein» wurde in Deutschland vor Kurzem zum «Jugendwort des Jahres» gekürt, von Langenscheidt. Auf Platz zwei landete bae, die Abkürzung für «before anything else» (vor allem/allen anderen): ein Ausdruck der Zuneigung, beispielsweise für die beste Freundin.

Doch kennen Jugendliche aus der Schweiz diese deutschen Ausdrücke und Wörter überhaupt? Wörter, die eine Gruppe von Erwachsenen hinter Jurytischen kürt? Wie spricht die Jugend in der Schweiz? Oder lässt sich die Jugendsprache, die so vielfältig scheint wie die Regionen und Individuen, die mit ihr spielen, gar nicht generalisieren?

Besuch bei sechs Jugendlichen der Schulklasse G3B, 3. Sekundarstufe im Schulhaus Reutenen in Frauenfeld TG, ein Dienstag. Eigentlich wäre Turnen, doch das macht der Gruppe ziemlich wenig aus. Zusammen sitzen die vier Buben und zwei Mädchen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren auf einem Sofa in einem Hinterzimmer des Schulzimmers und finden, Lehrer Gerber solle doch mal raus – ­irgendwie sind diese ­Gespräche privat.

LÜMMEL, für Dubel, Idiot: Lieblingswort von Seraina Gugelmann (14)

Auf die Frage, welche Wörter sie im Alltag benützen, die wir Alten, also alle ab 20, vielleicht gar nicht mehr verstehen, reden sie alle erst mal durcheinander, fallen sich ins Wort, lachen, machen Sprüche. «Lol», sagt einer, die Abkürzung für «laughing out loud» (laut herauslachen), benützt in der SMS-Kommunikation. «Das ist doch voll alt», sagen die anderen, das benutze schon wieder kein Mensch mehr. Und «fly sein»? Geht so, ist die Antwort, eher weniger. «Wir haben andere Wörter», sagt Alessio. Wörter wie Lauch, und alle nicken zustimmend. Bedeutung: Dubel, Idiot. Spargeltarzan, sagt Giorgio. Dünn, aber kräftig. Dann grinst er verlegen,genau so sieht er selbst aus.

Dann beginnt sie, die Flut der Wörter, die für uns Erwachsene immer so schlimm klingen. Derbe Beleidigungen, Worte, die wir uns wohl niemals an den Kopf werfen würden, die rohe Gewalt der Sprache: Missgeburt, Opfer, Bastard.

Klingt beleidigend, ist es aber nicht

Die Jugendlichen sagen selbst: Das sind Wörter, die die anderen provozieren. Um sich Gehör zu verschaffen. Um Macht zu ­demonstrieren – oder Zugehörigkeit. «Klar, diese Wörter waren früher eine krasse Beleidigung», sagt Seraina, aber heute sei das anders: Das seien neutrale Wörter, teilweise sogar lieb gemeinte, anerkennende.

Bastard, früher die Bedeutung für ein uneheliches Kind, eine Beleidigung, eine Schande, heisst heute bei den Jugendlichen aus Frauenfeld nichts anderes als: Ich bin gerade neidisch auf dich, aber mit ein bisschen Bewunderung. Zum Beispiel, wenn jemand ein Geschenk erhält, das der andere toll findet. Dann sagt dieser zu ihm: «Du Bastard.»

Die Fluchwörter, die vermeintlichen oder tatsächlichen Demütigungen, sie schweissen auch zusammen. Sie zeigen, dass sich die Jugendlichen untereinander nichts schenken, provozieren. Aber alles nur deshalb, weil sie sich eigentlich mögen. Und weil sie mithalten wollen, in einer immer schnelleren und lauteren Welt.

SPARGELTARZAN, füreinen, der dünn, aber kräftig ist: Lieblingswort von Giorgio Hitz (16)

«Wenn einer immer nur nett spricht oder nur wenig, dann hat er keine Chance», sagen sie alle und nicken. «Wenn einer ‹Missgeburt› zu mir sagt, dann kann ich ihm ja nicht das Gleiche zurücksagen, dann muss ich ein anderes Wort nehmen, das ist kreativer», sagt Giorgio. Wenn also einer fragt: «Bisch en Mongo?», dann antwortet er: «Defür bisch du eine mit Trisomie.»

Irgendwie merken sie, dass es mich irritiert, dass Erwachsene diese Sprache generell schlimm finden, es nicht einordnen können. Sie merken es, wenn ihre Mütter zu Hause mit ihnen am Tisch sitzen und Sätze sagen wie «Red nöd so wüescht», oder mahnen, Respekt zu zeigen. Die Väter dagegen sagen meistens nicht viel, «sie lassen uns reden, wie wir wollen».

Sie sehen gar nicht derb aus, wie sie da auf dem Sofa sitzen und sich unterhalten, wie sie «Mongo» rufen und «Alte». Ein bisschen ist es so, als würden sie den Namen rufen, Peter oder Sofia. Die Worte scheinen abzuperlen: Worthülsen für einen Funken Aufmerksamkeit des Gegenübers, aber so oft verwendet, dass alles irgendwie seinen Reiz verliert.

«Chum, lan eus ein Monet lang nüm flueche», schlägt der eine plötzlich vor. «Das hältst du doch keine Sekunde aus», sagt die andere. «Heb doch d’Fresse», ­entgegnet er, das Experiment ist gescheitert, in weniger als zehn Sekunden.

Sollten Mädchen anders sprechen als Buben?

Vieles dreht sich um Mädchen, um Buben, ums Verliebtsein. Die Diskussion schweift ab, plötzlich reden sie über Mädchen, die einen «guten Vorbau» haben und Jungs, die zu derb flirten. Sie reden von zu engen Hosen und davon, wie sich ein Mädchen wirklich verhalten sollte, damit es eben ein Mädchen bleibt – und ein Argument ist: weniger fluchen.
«Wenn Frauen reden wie ‹Asslacks›, wie Asoziale, dann finde ich das nicht schön», sagt der eine. «Was soll ich denn?», platzt es sofort aus seinem weib­lichen ­Gegenüber heraus, «reden wie ein Bünzlischweizer?» «Ja», sagt er dann, «das macht Mädchen viel attraktiver.» Fluchen, ab und zu, das sei schon okay, sagt er dann, aber so sprechen wie ein Junge, so derb, so hässlich, das sei doch irgendwie ohne Stil.

TILT, für angepisst, genervt: Lieblingswort von Janik Huber (15)

Larissa, die schon seit Längerem eher still dasitzt und einfach nur zuhört, pflichtet bei. Ihr kommen gar nicht die grossen, krassen Worte in den Sinn, wenn man sie danach fragt, eher ein verlegenes Achselzucken. Sie sagt, sie fluche wenig, eigentlich gar nicht. «Ich bin auch zwei Jahre älter als er da drüben, vielleicht liegt es daran.» Die Gruppe protestiert. «Ich habe Anstand, das ist mir wichtig», sagt sie. «Wenn eine Frau so spricht wie ein Mann, was soll das?»
Sie ist ganz anders als ihre Klassenkameradin Seraina, die schnell laut wird, impulsiv spricht und sich nichts gefallen lässt, die austeilt wie die Jungs auf dem Sofa. Und die Gleichen, die vor ein paar Minuten sagten, es sei doch viel schöner, wenn ein Mädchen netter spricht, anständiger, geben jetzt zu: «Wir nehmen sie ernst, weil sie flucht und aneckt. Wenn sie das nicht tun würde, würde sie wohl untergehen.»

Die Jüngeren sprächen noch krasser, warnen die Sek-Schüler.

Die Sache ist eine komplizierte, eine individuelle. Es geht um Selbstbehauptung und Abgrenzung, um Gruppenbildung und gleichzeitig um eigene Identität. So finden sich nur wenige Wörter, bei denen alle zustimmen, dass man sie rege benützt, dass sie gerade im Trend sind. Bei vielen Worten, die spontan in die Runde geworfen werden, heisst die Antwort der Gruppe sofort: «Das sagst nur du.» Vielleicht, sagt einer dann, habe das mit den Cliquen zu tun, in denen sie sich aufhalten, der eine ein Gamer, der andere ein Skater. «Unterschiedliche Interessen, andere Sprache», sagt Janik.

HOLZ, ohne Bedeutung: Lieblingswort von Alessio Lombardi (15)

Die Jungen sind stolz darauf, ihre eigene Sprache zu haben. Sie wollen auch gar nicht, dass Ältere so sprechen wie sie. Das sei so gewollt. «Das Schlimmste ist, wenn alte Leute so sprechen wie Junge», sagen sie, das passe einfach nicht mehr. Man solle im Alter anständiger werden, «mal zurückfahren». Je älter, desto seriöser. Dann sprechen sie über die Lehrstelle, die bald kommt, dass man da nicht einfach sprechen könne wie ein Asozialer. Die Jugendsprache, ein Ventil, das umso stärker greift, je eher man erwachsen werden muss?

Was gar nicht geht, ist, wenn die Eltern ­darauf einsteigen, wenn sie versuchen, die Kinder «zu dissen», sagen sie. Oder wenn sie selbst fluchen, mit alten Schweizer Wen­dungen wie «Himmel, Arsch und Zwirn», oder «Heiliger Strohsack» – oder wenn sie Sätze sagen wie «Wer wars denn, der Heilige Geist?». Oder wenn Lehrer Gerber sagt: «Jetzt chasch verreise» oder «geil».

«Die blamieren sich damit», sagt Giorgio, und alle nicken. Komisch sei das, wenn die Erwachsenen versuchen würden, sich etwas zu eigen zu machen, das nur ihnen gehört. Als wäre es eine territoriale Frage, ein bisschen Privatsphäre im Sprachgebrauch.

Andere Sprache, aber altbekannte Themen

Sobald es schriftlich wird, in den Chats, in den Nachrichten untereinander, kommt die Bildsprache hinzu, Videos, Fotos, Smileys und Emojis, die Themen sind immer die gleichen: Kiffen, Gamen, Skaten, Liebe, Frauen, Männer, Schule, Beziehungen, stressende Eltern.

Es sind die gleichen Themen wie immer schon, vielleicht derber in der Sprache, derber im Bild, aber in der Frage und der Antwort immer noch gleich. Magst du mich? Warum mag sie dich und nicht mich? Bist du mein Freund? Die Frauen untereinander schicken sich Tonnen von Herzen, von Küssen, von Umarmungen. Sie kommunizieren offen über ihre Gefühle, sprechen untereinander wie Verliebte. Die Jungs fragen, wo man sich treffe und wann, und sagen: «Ich nime no min Futz mit.»

SHUT THE FUCK UP, englisch für 'sei doch ruhig': Lieblingswort von Abbas Schuppli (16)

Wenn ein Junge ein Mädchen gut findet, ist sie «en Futz», und wenn sie sich kennenlernen «min Futz» – meine Fotze, meine Scheide. Die Jungs lachen wieder, die Mädchen wehren sich: «Das klingt, als sei sie deine Nutte», sagt Seraina. «Ist doch gar nicht böse gemeint», sagt Giorgio, eher ein Kompliment, eigentlich, kommt aber irgendwie nicht so rüber. «Nur Spass», sagen sie alle, und gleichzeitig, «es nutzt sich aber auch ab, mit der Zeit». Wenn ein Mensch nur noch so spreche, wenn kein vernünftiges Gespräch mehr möglich sei, dann sei das doof, finden sie alle. «Mein Ex-Freund hat mich immer Prinzessin genannt, Schatz, Zuckerschnute», sagt die eine. «Das sag ich doch meiner Freundin nicht!», ruft der andere, «Zuckerschnute, wie peinlich.» Und sie entgegnet: Ja, sie kenne Mädchen, die sagen würden, «du bist ein geiler Schwanz». Abbas schaut komisch, dann sagt er: «Sag doch lieber, ich hätte einen geilen Hoodie an.»

Dann beklagen sie sich gemeinsam über die Jüngeren, die immer krasser würden. «Ich kenne einen aus dem Kindergarten, der sagt seiner Mutter schon mal ‹Sei mal ruhig, Mann›.» Das finden sie daneben. «Wenn ich das zu meiner Mutter gesagt hätte, hätte sie mich auf den Balkon gestellt», sagt die eine. «Das hat sich halt so ergeben mit der heutigen Drecksjugend», sagt ein anderer und lacht verlegen, mit all den Videos und den Rappern und den krassen Worten aus dem Internet: «zwar asozial, aber lustig.» Alle sind sich einig: Die Jugend, die Kleinen, das wird immer schlimmer, dagegen sind sie noch heilig. Es ist das gleiche Argument seit über 2000 Jahren, und in der Sekundarschule in Frauenfeld nimmt es 2016 seine Fortsetzung.

LAUCH, für Dubel, Idiot: Lieblingswort von Larissa Rubio (16)

Es ist schwer einzuschätzen, ob diese Worte verletzen, ob sie den anderen still und heimlich verfolgen. Oder ob es ein bisschen so ist, wie zu sagen: «Hallo, wie gehts?» Die Jugendlichen selbst meinen: Diese Sprache sei ganz natürlich für sie. Sie seien da hineingewachsen, alle machen es ständig, «es ist einfach normal». Um dann ein paar Minuten später im Spass zu sagen: «Wär doch schön, wenn du mir mal ein Kompliment machen würdest.» Wer mag das nicht? 

BEISPIELE FÜR JUGENDSLANG

Dude – Kollege
voll gedige – gemütlich
Du bisch dope – Du bist voll krass, du hast es drauf
Du bisch voll sick – Steigerung von «dope»
Alter – Anrede, im Gespräch, ähnlich wie «Dude»
Chill mal – Nimms mal ruhig, reg dich nicht so auf, war nicht so gemeint

voll hange blibe – zurückgeblieben, kindisch
schlifts? hackets? – gehts noch? (Ausdruck davon, dass etwas nicht okay ist)
Boss – neues Wort für «Star» (veraltet), Ausdruck des Respekts und der Nähe, Kosename
Gömmer go pumpe? – Gehen wir ins ­Fitnessstudio?
Gömmer go eskaliere? – Gehen wir an eine Party?
tilt – wütend, genervt
Du bisch toxic – Du pöbelst jeden an

Bisch du gay – Bist du schwul?, Beleidigung
Einen Dab machen – eine Bewegung machen
random – was auch immer
Suchthuufe – einer, der immer am Handy hängt
Absturz – Drogenkranker; aber auch jemand, der zu viel isst oder schlechte Noten schreibt
Beef – Streit

Fick dich, Alter – Lass mich in Ruhe
Wetsch en Finger? – anpöbelnd, Anspielung auf sexuelle Praktik
Holz – ohne situative Bedeutung
Aids – ohne situative Bedeutung, als Provokation benützt
Hitler – ohne situative Bedeutung, als Provokation benützt

gg – Gahts guet, Abkürzung, schriftlich
bb – Bye-bye, auf Wiedersehen, Abkürzung, schriftlich
fix – ja, Bestätigung für eine Verabredung
safe – Bestätigung für eine Verabredung
smooth – wenn etwas gelingt, ohne Widerstand funktioniert

So klingt es, wenn die Frauenfelder Jugendlichen per Smartphone miteinander kommunizieren.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 4
23. Januar 2017

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Experteninterview

«Derber Stil ist ein Zeichen von Kreativität»

Die Linguistin Esther Galliker erklärt, warum Junge gern auf Minderheiten schiessen, warum sie mit Erwachsenen doch anders sprechen sollten und wann es gefährlich wird.

Die Jugendlichen benützen oft krasse Wörter. Sind sie sich überhaupt bewusst, was sie tun?

Die Jugendlichen selbst schätzen das gar nicht so krass ein. Dadurch, dass sie Schimpfwörter fast schon inflationär benützen, nutzen sie sich ab. Und sie haben eine andere Funktion als bei uns Erwachsenen.

Welche?

Beleidigungen oder neue Wörter werden für die Selbstdarstellung benutzt: Die Jugendlichen profilieren sich damit untereinander. Es ist eine Art Wettkampf. Man versucht, sich gegenseitig zu übertreffen. Derbe Begriffe zu benützen, ist ein typisches Stilmittel der jugendlichen Sprache, man provoziert und testet Grenzen aus. Auch über die Sprache. Deshalb wird auch auf Minderheiten geschossen oder werden Wörter wie «Hitler» benutzt. Sie sind so stark aufgeladen, dass der Reiz umso grösser ist, damit zu provozieren.

Warum stören wir Erwachsene uns so daran?

Weil diese Wörter mit unseren Tabus brechen. Mit den Konventionen von Anstand, die wir in unserer Erwachsenenwelt klar geregelt haben. Dabei können die meisten Jugendlichen sehr gut unterscheiden, an wen sie sich wie adressieren. Sie können ihren Stil anpassen. Sie benützen diese Sprache untereinander. Und zwar nicht, um Minderheiten auszugrenzen, sondern selbst Gruppenzugehörigkeit zu markieren und Respekt. Genau das Gegenteil von dem, was wir Erwachsene denken.

Wann muss man sich Sorgen machen?

Schwierig wird es, wenn Jugendliche nicht differenzieren können. Wenn sie solche Wendungen bei allen Gesprächspartnern anwenden, etwa bei jüngeren Geschwistern oder den Eltern. Weil dann Respektsgrenzen durchbrochen werden. Oder natürlich, wenn auf Wörter Taten folgen.

Was raten Sie da?

Als Mutter erkläre ich meiner Tochter, wie ihre Sprache auf mich wirkt und warum ich nicht möchte, dass sie mich oder ihre Geschwister beschimpft; oder dass sie ihre Freunde oder auch Minderheiten oder Behinderte diskreditiert. Solange sie sich aber in ihrer Gruppe aufhält und dort Dinge ausprobiert, lasse ich sie auch ein Stück weit machen.

Ist also alles gar nicht so schlimm?

Dieses Stereotyp des Jugendlichen, der gar nicht mehr richtig sprechen oder schreiben kann, hält sich hartnäckig. Studien aber zeigen: Das stimmt nicht. Nur, weil man die Jugendlichen nicht versteht oder ihre Art zu sprechen, missbilligt, heisst das nicht, dass sie nicht anders könnten, wenn sie wollten. Aber sie wollen eben gar nicht verstanden werden. Sie wollen eine eigene Ausdrucksweise haben, die ihnen allein gehört. Und solange sie sich an den Gesprächspartner anpassen können, ist das eine Qualität, kein Mangel. Er zeugt von Kompetenz und Kreativität. Man kann nur Grenzen überschreiten, die man kennt.

Sprachforscherin und Autorin Esther Galliker (37) ist Dozentin an der Hochschule Luzern. Sie untersuchte im Rahmen des Projekts «Jugendsprache in der Deutschschweiz» das Sprachverhalten von Jugendlichen. Die Resultate sind publiziert in «Bricolage. Ein kommunikatives Genre im Sprachgebrauch Jugendlicher aus der Deutschschweiz», Lang Verlag, 2014.

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12 Kommentare

Jeannette Steinle-Liechti

Geschrieben am
30. Januar 2017

Diese Umgangssprache ist eine Zumutung und wirklich sehr provokativ. Ich frage mich, ob das Hirn überhaupt realisiert welche Wörter aus dem Mund kommen. "Mongo" "Trisomie" " Missgeburt" usw. alles Wörter die eine Behinderung beinhalten, eine Behinderung wünscht sich ja niemand oder?
Wir haben unseren Kinder sehr früh beigebracht, dass wir diese Umgangssprache in unserem Haus nicht akzeptieren. Es funktioniert sehr gut, allerdings waren wir am Anfang immer auf der hut und liesen nichts durch. Heute haben wir zwei tolle Kinder 18/16 die einen anständigen Wortschatz haben.

Léonie Kaiser [Gast]

Geschrieben am
28. Januar 2017

Jede Kommunikation - nicht nur mit Worten - ist Verhalten, wie der bekannte Soziologe und Psychotherapeut Paul Watzlawick bereits vor Jahrzehnten plausibel dargelegt hat. Durch die Art und Weise wie man spricht, welche Ausdrücke man verwendet, gibt man auch zu erkennen, zu welcher Gruppe von Menschen man sich zugehörig fühlt bzw. welcher Wertehierarchie man nachleben möchte. Zugehörigkeit ist immer stark emotional gefärbt und bringt das Wechselspiel in einem sozialen Kontext, einer Gruppe, einem Team, einer Ethnie etc. zum Ausdruck - einerseits durch Beachtung von Gemeinsamkeiten und anderseits durch die Wechselseitigkeit der Beziehungen untereinander, wodurch Bindung und Zugehörigkeit hervorgerufen werden.

Gertrud Ehrensperger [Gast]

Geschrieben am
26. Januar 2017

Jugendsprache schockt keinen. Jugendliche wollen sich über ihre eigene Sprache abgrenzen; das war schon immer so und wird es auch so bleiben. Jeder Versuch, Jugendsprache zu entschlüsseln, ist peinlich und muss scheitern, denn nichts wandelt sich so schnell wie die Ausdrucksweise Pubertierender. Zwischen drei Jahrgängen liegen Sprachwelten! Jugendliche entziehen sich dem sprachlichen Zugriff der Erwachsenen. Und wenn diese trotzdem versuchen, zu verstehen, wirkt das anbiederisch und aufgesetzt, und die Alten machen sie sich damit lächerlich. Wie die pubertierende Jugend untereinander kommuniziert, kann keiner vorschreiben oder steuern. Im Umgang mit Erwachsenen kann man getrost sofort konsequent Grenzen ziehen; keiner muss sich dem pseudoprovokativen Gestammel aussetzen. Und die Jungen akzeptieren das auch sofort, wenn es ernst gemeint ist.

 

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