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Eine Tigerin mit sanften Seiten

Mit starken Frauenrollen wie in «Tiger Girl» erregt Ella Rumpf Aufsehen in der Kinoszene. Als feministische Galionsfigur sieht sich die 22-jährige Zürcherin aber nicht. Zum Porträt der Filmtrailer (oben).

Diese Schweizerin ist eine Wucht. Mit vier Filmen hat Ella Rumpf schon mächtig Eindruck hinterlassen. Kritiker im In- und Ausland sind begeistert und schwärmen von ihr als kommendem Star. Nachvollziehbar: ausdrucksstarke Augen, hohe Wangenknochen, volle Lippen ein Gesicht wie geschaffen für die Leinwand. Auch mit ihrer physischen Präsenz hat die Schauspielerin eingeschlagen: Im Schweizer Film «Chrieg» (2014) und auch in der deutschen Produktion «Tiger Girl» überzeugt die 22-Jährige als toughe Frau, die sich zu wehren weiss.

Die Überraschung beim persönlichen Treffen könnte nicht grösser sein. Die Wahl-Berlinerin wirkt zierlich, fast mädchenhaft. Und bei der Schweizer Vorpremiere von «Tiger Girl» in Zürich schien sie sich auf der Bühne unwohl zu fühlen. «Ich war nur sehr nervös», erklärt sie. «Meine Familie und viele Freunde waren im Saal.» Ausserdem habe sie das Gefühl gehabt, die Leute hätten «lieber draussen Bier getrunken, als mir länger zuzuhören», sagt Ella Rumpf und lacht.

Gefeierter Star an der Berlinale
Wenn sie sich da nur nicht täuscht. Das Interesse an der in Paris geborenen Zürcherin ist enorm. Nicht nur in ihrer Heimat, wo sie einen wahren Interviewmarathon absolviert. Auch an der diesjährigen Berlinale wurde die Schweizerin gefeiert. Ihre Hauptrolle im demnächst anlaufenden Film «Tiger Girl» (Trailer oben ) hat sie international ins Rampenlicht gerückt. Schon als kahlrasierte Ali in Simon Jaquemets «Chrieg» bekam sie viel Lob. Inzwischen hat sie in Frankreich den Horrorfilm «Grave» abgedreht und in der Schweiz eine Nebenrolle im aktuellen Hit «Die göttliche Ordnung» gespielt.

Ella Rumpf wünscht sich auch mal eine romantische Rolle, «solange ich intelligente Frauen spielen kann».

Ella Rumpf wünscht sich auch romantische Rollen, «solange ich intelligente
Frauen spielen kann».

Ella Rumpf gibt sich Mühe, den Hype nicht anzuheizen. «Ich versuche, nicht alles an mich heranzulassen und normal zu bleiben», sagt sie. Sie habe sich nie ins Rampenlicht gedrängt, die hohen Erwartungen machen ihr ein wenig Angst. Lieber geht sie Dinge langsam an. Dabei ist ihr Zögerlichkeit in Sachen Karriere fremd.

Im neuen Film geht es um Freiheit
Durch Zufall konnte Rumpf erste Erfahrungen in der Schauspielerei sammeln und setzte alles auf eine Karte. «Ich weiss, dass ich keinen Nine-to-five-Job im Büro machen könnte. Deshalb habe ich so früh wie möglich angefangen, ohne Plan B. So kann ich später noch etwas anderes versuchen, falls es mit der Schauspielerei nicht klappt.»

Sorgen muss sie sich keine machen. Die Tochter eines Schweizers und einer Französin passt mit ihren Rollen als starke, unkonventionelle Frau gut in die jetzige Zeit der Frauendemos und Pussyhats. In «Tiger Girl» trifft sie den Zeitgeist: Rumpf spielt ein Berliner Punkgirl, das sich selbstbewusst durchs Leben schlägt und ihre schüchterne Freundin mit ihrer Wildheit ansteckt.

Ein feministischer Film?
«Es geht eher um verschiedene Interpretationen von Freiheit. Für Tiger ist Freiheit mit Werten verbunden. Für ihre Freundin Vanilla bedeutet sie, jemandem in die Fresse schlagen zu können.» Das sei sich das Publikum nicht gewohnt, deshalb könne man «Tiger Girl» als feministischen Film sehen. Aber: «Das war nie der Plan.»

Ohnehin möchte sich Rumpf trotz ihrer Rollen nicht als Galionsfigur für Feministinnen verstanden fühlen. Ihr sei Gleichheit für alle wichtiger als spezielle Frauenthemen. «Wer sich für Frauen einsetzt, setzt sich für Menschen ein. Der Kampf gegen Rassismus ist für mich ein genauso dringendes Anliegen wie Frauenrechte.» Frauen in irgendeiner Weise zu hinterfragen, solchen Gedanken dürfe man gar keinen Raum geben. «Wie Tiger, die wüsste nicht, was eine Feministin ist. Sie ist einfach eine starke Frau.»

Hauptsache intelligente Figuren
Dass sich diese Rollen wie ein roter Faden durch ihre bisherige Karriere ziehen, hat Ella Rumpf selbst bemerkt. Wahrscheinlich sollte sie nach romantischeren Filmen Ausschau halten, scherzt sie. Doch dann wird sie ernst. Sie hoffe schon, dass ihr auch noch Rollen von anderen Charakteren angeboten werden. Aber: «Ich will nicht das Opfer spielen. Man muss auch nicht immer laut und wild sein, um stark zu erscheinen. Solange ich intelligente Frauen spielen kann, darf es so romantisch wie möglich sein.»

Und was, wenn Hollywood anruft? «Die müssen mir schon etwas Gutes anbieten», sagt die Schauspielerin.
Wandelbar genug sei sie. «Man glaubt es mir inzwischen fast nicht mehr, aber ich habe eine megastarke feminine Seite. Ich kann auch mal im Röckchen herumlaufen und mich dabei super fühlen.» 

 

Erschienen in MM-Ausgabe 13
27. März 2017

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«Tiger Girl»

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