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Schnapszahl als Nummer

Am Freitag ist der 11. 11. 2011. Liebhaber von Schnapszahlen fiebern diesem Datum seit Monaten entgegen. Einige Glückliche wie Eva Maria Taboada haben die Zahlenkombination sogar auf dem Kontrollschild. Im Glarnerland reicht es aber nur für fünf Einsen.

GL 11 111

GL 11 111 - Schwiegermutters Erbe

Eva Maria Taboada (35), Pflegefachfrau, Glarus. «Die Nummer gehörte der Mutter meines Partners Jörg Bäbler. Sie hatte schon früh ein schnittiges Auto und wollte eine schicke Nummer dazu. GL 11 111 war auf dem Strassenverkehrsamt liegen geblieben. Niemand wollte sie haben. Wohl aus Aberglauben. Sie aber griff begeistert zu, und ab da wussten im Glarnerland immer alle, wenn Maja Bäbler unterwegs war. Als sie vor sieben Jahren starb, bat mein Partner mich, die Nummer zu übernehmen. Seine eigene, GL 2121, wollte er gern behalten, aber eben auch das Erinnerungstück an seine Mutter. Er fürchtete sich davor, eine fremde Person mit diesem Schild herumfahren zu sehen, das so sehr mit seiner Mutter verbunden ist. Gegen ein kleines Entgelt gab sie das Strassenverkehrsamt mir. Nun hängt die Schnappszahl an meinem schwarzen Peugot 207, und ich bin sehr glücklich damit.»

SZ 1111

SZ 1111 - Gratis erhalten

Walter Tanner (57), Yamaha-Händler, Pfäffikon. «Diese Wechselnummer besitze ich schon seit 1977. Damals war es noch problemlos möglich, beim Strassenverkehrsamt eine lässige Nummer zu reservieren – und zwar gratis. Ich wollte ein besonderes Schild für mein Töffgeschäft. Es fällt auf und macht neugierig.»


AR 11 111

AR 11 111 - Selten Bussen

Hans-Rudolf Ehrbar (64), Bauleiter, Herisau. «Der Anhänger ist ein Eigenbau eines Thurgauer Bauern und dient zum Materialtransport. Als ich ihn 2005 kaufte, wollte ich ein Schild, das zu meiner PW-Nummer AR 9911 passt. Das bekam ich problemlos. Viele sagen, sie würden nie ein dermassen auffälliges Nummernschild wollen. Da habe man die ganze Zeit die Polizei am Hals. Ich antworte immer, man müsse halt anständig fahren, dann gehe das problemlos. Mehr als eine Parkbusse habe ich mir noch nie eingehandelt. Mein zweiter Anhänger hat übrigens die Nummer AR 13 511. In der Quersumme gibt das wieder elf.»

LU 111 111

LU 111 111 - Auf das Schild gelauert

Kurt Vonwyl (60), Geschäftsführer, Einigen BE (Fahrzeug in Luzern eingelöst). «Vor 30 Jahren lauerte ich richtiggehend auf dieses Schild. Ich wusste, dass die Nummer langsam an die Reihe kommen sollte und fragte immer wieder beim Strassenverkehrsamt nach. Fünf, sechs Mal; ich war hartnäckig. Dann erwischte ich den richtigen Moment, und sie gehörte mir. Ich wollte diese Schnapszahl für meinen Rolls-Royce-Oldtimer, Jahrgang 1933, den ich in etwa 3000 Arbeitsstunden restaurierte. Ich hole ihn nur etwa fünf Mal pro Jahr aus der Garage, für Clubtreffen oder Oldtimer Rallyes. Der Rolls hatte nur einen Vorbesitzer, einen Engländer. Darum sitze immer ich am Steuer. So ein Fahrzeug gibt man nicht aus der Hand.»

TG 111 111

TG 111 111 - Gleich abgeholt

Annamarie Schwarz (59), Geschäfts- und Hausfrau, Kreuzlingen. «Vor etwa 20 Jahren verloren wir irgendwo auf der Strasse unsere Wechselnummer und mussten eine neue beantragen. Meinem Mann Fritz fiel auf, dass bald TG 111 111 herauskommen müsste, also riefen wir beim Strassenverkehrsamt Frauenfeld an. Prompt hiess es, sie werde bald herausgegeben und sei noch nicht reserviert. Wir fuhren gleich los und holten sie ab. Sie war, abgesehen von den normalen Umschreibegebühren, gratis. Auf das dazugehörende neue Auto, einen Toyota Previa, mussten wir dann aber noch drei Wochen warten. Wir waren halt einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es kommt öfter vor, dass wir gefragt werden, ob wir die Nummer verkaufen würden. Aber das machen wir nicht, auch nicht für viel Geld. Die Frage, wie viel wir selber dafür bezahlt hätten, kommt regelmässig. Die Leute zeigen oft auf die Nummer und lachen. Sie haben Freude und wir auch. Jeder kann sie sich sehr leicht merken. Auch solche, die nicht mal bis drei zählen können.»

ZG 11 111

ZG 11 111 - Amt rief an

Susanne Winteler (44), Fahrlehrerin, Cham. «Mein Vater war der Erste, der ‹ennet dem See›, in Cham, eine Fahrschule führte, und konnte damals die Nummer noch auslesen. Also nahm er ZG 11 111, weil er quasi der Erste war. Gleichzeitig meldete er sein Interesse für ZG 22 222 an. Diese Nummer gehört heute meiner Schwester. Als ZG 33 333 langsam an der Reihe war, rief uns das Strassenverkehrsamt von sich aus an und fragte, ob wir auch die haben wollten. Bis vor ein paar Jahren war dann auch diese Schnapszahl in Familienbesitz. Ich übernahm ZG 11 111 vor etwa zwölf Jahren zusammen mit der Fahrschule vom Vater. Sie ist zwar auffällig. Aber ich finde sowieso, wir Fahrlehrer sollten besonders korrekt fahren und Vorbild sein. Leider halten sich nicht alle Kollegen daran.»

BE 111 11

BE 111 111 - Auto kam erst später

Monic Niederer (70), Rentnerin, Langenthal. «Als die Nummer frei wurde, arbeitete ich im Strassenverkehrsamt Bern — und griff sofort zu. Obwohl ich noch gar kein Auto hatte. Sie gefiel mir einfach. Das war vor 45 Jahren. Das Schild kam dann an mein erstes Auto, einen orangeroten R4. Vor Jahren fuhr ich mal durch die Länggasse in Bern, und vor mir fuhr ein Wagen mit der Nummer BE 222 222. Das war ein lustiger Zufall. Der andere Automobilist hatte es aber wohl gar nicht bemerkt. An sich bin ich kein spezieller Autofan. Für mich ist ein Fahrzeug Mittel zum Zweck, mehr nicht. Kürzlich rief mich eine Frau an, die am 11.11.2011 heiratet. Sie wollte mir die Nummer abkaufen, um sie ihrem Mann zur Hochzeit zu schenken. Ich habe aber abgelehnt, weil ich damit ja noch fahre. Wenn ich mal nicht mehr bin, können sie die Nummer meinetwegen im Internet versteigern. Das ist mir dann egal.»

ZH 111 111

ZH 111 111 - Kindheits-erinnerungen

Cora Pauli (47), Ethnologin, Zürich. «Die Nummer habe ich vom Vater geerbt und verbinde damit ganz viele Erinnerungen an ihn und meine Kindheit. Ich habe mit dem Schild angefangen, die Zahlen zu erlernen. Er bekam die Nummer per Zufall Ende der 50er-Jahre zugeteilt, als er sein erstes Auto einlöste, einen Citroën 2CV. Nach seinem Tod im Jahr 2000 behielt ich die Nummer samt dazugehörendem Auto, das aber irgendwann dem Rost erlag. Bevor wir uns ein eigenes Auto kaufen konnten, deponierten wir die Schilder ein Jahr lang. Leider besitze ich nicht mehr das Originalschild. Vor ein paar Jahren zog es das Strassenverkehrsamt ein, weil die Zahlen kaum mehr lesbar waren und das Kantonszeichen fehlte. Erst da merkte ich, dass ich nicht nur an der Autonummer, sondern vor allem am Schild selber hing. Leider durfte ich das alte Original nicht behalten. Es wurde eingestampft.»

AG 111 111 - Normal eingelöst

Otto Egge (79), Rentner, Aarau. «Ich bekam die Nummer, als ich die Prüfung bestand und mein erstes Auto einlöste: Am 4.9.1968. Ich dachte, jetzt hast du aber Glück gehabt. Erst kürzlich rief einer an und wollte sie mir abkaufen.»


BL 111 111 - Mehr Ziffern als erhofft

Surer Marc (60), Rennfahrer, Eptingen. «1985 fuhr ich einen BMW M1 und suchte dazu passend eine tiefe Nummer. Ich dachte dabei an BL 1, 11 oder 111. Es klappte dann auch, aber eben mit BL 111 111. Dafür war das Schild gratis und legal.»


BS 111 111 - Mit Vitamin B erhalten

Urs (53), Cheftechniker, und Judith Hof (63), Hausfrau, Basel. «An die Nummer heran kamen wir via Vitamin B. Bezahlen mussten wir nur die üblichen Gebühren. Wir haben sie seit etwa zehn Jahren – mittlerweile am dritten Wohnwagen. Die Reaktionen sind erstaunlich: Die Leute verdrehen den Hals. Probleme hatten wir nie, höchstens Angst, sie könnte gestohlen werden. Marc Surer hat die gleiche Nummer im Kanton Baselland.»

AI 1111 - Vom Vater übernommen

Franz Fässler (45), Bauer, Appenzell. «Von März bis Ende Oktober ist der Traktor im Einsatz. Dann wird er geputzt, kontrolliert und geht in den Winterschlaf. Die Nummer bekam mein Vater 1978, als er den ersten Traktor kaufte. Sie wurde ihm zufällig zugeteilt. Ich finde sie lustig, habe aber keinen speziellen Bezug dazu. Im Appenzell gibt es noch öfters Schnapszahlen auf den Nummernschildern. Wir haben ja erst seit ein paar Jahren überhaupt fünfstellige Nummern. Ich würde nie für ein spezielles Kontrollschild etwas bezahlen. An unseren Privatautos haben wir darum ganz normale, unauffällige Zahlen.»

 

Erschienen in MM-Ausgabe 45
7. November 2011

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