Content: Home

Sätze, die alle verstehen

Etwa 800'000 Menschen in der Schweiz können nicht richtig lesen und schreiben.
Für sie gibt es die «Leichte Sprache», die komplexe Texte verständlich übersetzt.
Bei deren Verbreitung in der Schweiz leistet Pro Infirmis Pionierarbeit – damit Betroffene wie Ralph Jäger eine Chance haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Amtliche Briefe gehen direkt an die Beiständin, Ralph Jäger (60) versucht meist gar nicht erst, sie zu verstehen. Bücher liest er nie, aber in Gratiszeitungen wie «Blick am Abend» oder ins Migros-Magazin schaut er ab und zu rein. «Was der ‹Blick› schreibt, kann man ja fast nicht glauben, aber die Migros-Rezepte finde ich interessant.» Eine grosse Herausforderung im Alltag ist es für ihn, einen SBB-Ticketautomaten zu bedienen oder eine Adresse zu finden. «Da muss ich immer andere fragen oder mich irgendwie durchkämpfen.»

Ralph Jäger hat von Geburt an eine geistige Behinderung. Er ist einer von rund 800 000 Menschen in der Schweiz, die auf Leichte Sprache angewiesen sind.

Ralph Jäger hat von Geburt an eine geistige Behinderung, lesen und schreiben ist ihm immer schwer gefallen. Er besuchte eine Sonderschule und lebt heute mit vier anderen Personen in einer betreuten Aussenwohngruppe der Stadt Zürich. Jäger arbeitet 80 Prozent im Verpackungsbereich des Behindertenwerks St. Jakob. In seiner Freizeit unternimmt er gern lange Spaziergänge mit seiner Freundin, daneben singt er Bass im St.-Jakob-Chor und malt Landschaftsbilder in Wasserfarben.

Und tatsächlich liest Ralph Jäger auch ziemlich viel. Seit Januar 2015 gehört er nämlich zu einem zehnköpfigen Team von Prüferinnen und Prüfern, die für die Behindertenorganisation Pro Infirmis Texte kontrollieren, nachdem diese in sogenannte Leichte Sprache übersetzt wurden. «Es hat in fast allen Texten etwas Schwieriges», sagt Jäger. Entweder ist da ein Wort, das er nicht kennt, oder ein zu komplizierter Satzbau.

Durchschnittlich ein- bis zweimal pro Monat geht Jäger in die Büros von Pro Infirmis am Bahnhof Zürich-Altstetten, um zwei Stunden lang Übersetzungen gegenzulesen, und wird dafür im Stundenlohn bezahlt. Die Arbeit mache Spass, sagt er, er lerne dabei auch immer etwas Neues.

In Deutschland und Österreich ist man schon weiter

Dass so etwas wie die Leichte Sprache überhaupt existiert, realisierte Ralph Jäger erst, als Pro Infirmis ihn für den Prüferjob anfragte. Dabei war er solchen Texten schon zuvor begegnet, denn die Behindertenorganisation verfasst schon seit Längerem Ausschreibungen und Flyer nach diesen Prinzipien: kurze Sätze, einfache Wörter, aktive Formulierungen, pro Satz nur eine Aussage.

«Wir stehen noch ganz am Anfang»: Bettina 
Ledergerber, zuständig für Sozialpolitik bei Pro Infirmis, über die Entwicklung der Leichten Sprache in der Schweiz.

Noch allerdings sind Texte in Leichter Sprache in der Schweiz eine Seltenheit. «In Deutschland und Österreich ist man schon viel weiter», sagt Bettina Ledergerber (30), bei Pro Infirmis zuständig für Kommunikation und Sozialpolitik. 2013 verfasste die Organisation ihren Tätigkeitsbericht in Leichter Sprache, als Experiment und um ein Zeichen zu setzen. «Die Resonanz war überwältigend – Leute meldeten uns, dass sie zum ersten Mal im Leben einen Tätigkeitsbericht von A bis Z gelesen hätten.»

Anfang 2015 folgte der nächste Schritt: Pro Infirmis gründete ein eigenes Büro für Leichte Sprache, wo Texte für die Organisation selbst, aber auch für diverse Auftraggeber entstehen. «Das Interesse wächst stetig», sagt Ledergerber. «Noch finanzieren wir das Projekt aus eigenen Mitteln und durch einen Beitrag des Zürcher Lotteriefonds, aber mittelfristig soll das Büro selbsttragend sein.» Damit leistet Pro Infirmis Pionierarbeit in der Schweiz, obwohl das allererste Büro für Leichte Sprache schon kurz vorher, beim Wohnwerk in Basel, entstand. «In Deutschland gibt es schon über 100 solcher Büros», sagt Ledergerber. «Wir orientieren uns an ihren Regeln, die anhand praktischer Erfahrungen entwickelt worden sind.»

Das Bundesamt für Statistik schätzt, dass allein in der Schweiz 800 000 Menschen leben, die Mühe haben, Texte zu lesen oder zu schreiben. Dazu zählen Leute mit einer geistigen Behinderung oder einer Lern- oder Sehbehinderung, ältere Menschen, Migranten, ausserdem Leute mit Leseschwäche, etwa funktionale Analphabeten, die Wort und Schrift nicht ausreichend beherrschen, um am Lebens- und Abeitsalltag problemlos teilhaben zu können. «Leichte Sprache soll möglichst allen Menschen eine Grundlage verschaffen, damit sie sich informieren können», erklärt Bettina Ledergerber.


Sherlock Holmes im Original und in Leichter Sprache. ( JPG-Download)

Im Jahr 2014 hat die Schweiz die Uno-Behindertenrechtskonvention ratifiziert, die ein Recht auf Information verlangt. Damit wäre sie eigentlich verpflichtet, mehr zu tun. «In Deutschland gibt es bereits gesetzliche Grundlagen, die beispielsweise verlangen, dass die Inhalte auf staatlichen Websites in Leichter Sprache erklärt sein müssen», sagt Ledergerber.

Der Deutschlandfunk betreibt eine Nachrichten-Website in Leichter Sprache, und der Verlag Spass am Lesen hat sogar begonnen, Romane zu übersetzen (siehe Beispiel links). Zwar ist das Angebot noch überschaubar, aber erste Bibliotheken haben begonnen, Abteilungen dafür einzurichten.

Wer schon mal damit gerungen hat, die Strom- oder Krankenkassenabrechnung zu verstehen, oder am Computer «akzeptieren» geklickt hat, ohne die allgemeinen Geschäftsbedingungen der neuesten iTunes-Version durchzulesen, kann sich in etwa vorstellen, wie es Menschen ergeht, die auf Leichte Sprache angewiesen sind: Man fühlt sich überfordert und hofft, es werde wohl schon seine Richtigkeit haben.

Absichtlich kompliziert?

Eine deutsche Studie befasste sich 2014 mit der Sprache in Bankdokumenten. «Einige halten nicht einmal die grundlegendsten Verständlichkeitsregeln ein», zitiert das Nachrichtenmagazin «Focus» den Studienautor Frank Brettschneider. «Die Institute schwelgen in Fachbegriffen, stricken komplizierte Schachtelsätze und verlieren sich in Endlosparagrafen», sagt der Professor für Kommunikationswissenschaften.

Die allgemeinen Geschäftsbedingungen der 62 untersuchten Banken seien ohne Ausnahme auf einem Sprachniveau formuliert, das dem von Doktorarbeiten in Politikwissenschaft entspreche. «Da müssen die Banken sich nicht über den Vorwurf wundern, sie formulierten absichtlich unverständlich, etwa um Risiken von Geldanlagen zu verschleiern», sagt Brettschneider.

Von der Leichten Sprache könnten also alle profitieren. «Sie ist ein Hilfsmittel», sagt Bettina Ledergerber. «So, wie der Rollstuhlfahrer eine Rampe braucht und der Kurzsichtige eine Brille, so benötigen Menschen mit Leseschwäche Leichte Sprache, damit sie eine Chance haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.» Zu dieser Erkenntnis gelangen allmählich auch die Schweizer Behörden. Zu den Kunden von Pro Infirmis zählen verschiedene Verwaltungsbetriebe, die Texte bei ihnen übersetzen lassen. Und das Amt für Soziales im Kanton St. Gallen hat im vergangenen Jahr eine ganze Broschüre zum Thema in Leichter Sprache online geschaltet. «Es gibt viele positive Signale», sagt Ledergerber, «aber wir stehen noch ganz am Anfang.»

Vergleich – Thema: Datenschutz

Originaltext Leichte Sprache
Der Datenschutz und die Schweigepflicht werden gemäss betrieblichen Richtlinien umgesetzt. Ein Informationsaustauch mit Partner/-innen innerhalb und ausserhalb der Institution muss einen Mehrwert für die Dienstleistungsqualität generieren und die Interessen der Klienten/-innen wahren, der Umgang mit allfälligen Zielkonflikten ist in der Institution definiert. Die Fachleute dürfen Informationen nicht an alle weitergeben. Sie dürfen es nur erzählen, wenn die Klienten es wollen. Oder wenn es den Klienten hilft.

Quelle: Büro für Leichte Sprache


Prüfer-Arbeit stärkt das Selbstbewusstsein

Umso wertvoller ist die Arbeit von Prüfern wie Ralph Jäger. «Wenn sie etwas nicht verstehen, suchen wir in der Gruppe gemeinsam nach Lösungen», sagt Barbara Egli (57), die zusammen mit dem Prüferteam an den übersetzten Texten arbeitet. «Sie sind sehr genau und spitzfindig. Sie merken zum Beispiel sofort, wenn am einen Ort ‹25. Mai› steht und am anderen ‹25. 5.› – und Ersteres ist einfacher für sie.»

Migranten, die noch nicht so gut Deutsch sprechen, sind anfangs auf Leichte Sprache angewiesen, lernen jedoch bald dazu und werden zusehends besser. Menschen mit geistiger Behinderung können zwar auch dazulernen, stossen aber irgendwann an Grenzen. Deshalb gibt es auch unterschiedliche Prüfergruppen, und die Migranten machen so grosse Fortschritte, dass immer wieder neue Prüfer für die einfacheren Level gefragt sind.

Den meisten ist nicht bewusst, wie viele Menschen Mühe haben mit Lesen und Schreiben. Das liegt auch daran, dass die Betroffenen es selten an die grosse Glocke hängen. «Viele schämen sich», sagt Barbara Egli. «Bei uns sind sie erstmals in ihrem Leben als Sprachexperten gefragt. Sie sind die Fachleute; ihre Inputs sind wertvoll und führen zu Verbesserungen. Sie verdienen dabei also nicht nur ein bisschen Geld – es ist auch gut für ihr Selbstbewusstsein.»


Die Regeln: Simple Sätze, keine Fremdwörter

Logo für Leichte Sprache.

Petra Schanz (43) arbeitet als freie Übersetzerin für das Büro für Leichte Sprache von Pro Infirmis. Sie formuliert einige grundlegende Regeln fü Leichte Sprache: «kurze Sätze, grosse Schrift, kein Sprung auf eine andere Seite mitten im Satz, kein Passiv, keine Fremdwörter».

Die Texte werden dabei entweder in der Aussage stark reduziert oder aber deutlich umfangreicher als das Original – der Inhalt eines Flyers kann schnell mal auf fünf Seiten anwachsen. «Manchmal bekommt man einen Text, der so kompliziert ist, dass man im ersten Moment denkt, er lasse sich unmöglich in Leichte Sprache umsetzen», sagt Petra Schanz. «Dann gilt es, die Aussagen Abschnitt für Abschnitt zu analysieren und sie dann in eigenen Worten so klar wie möglich darzustellen.»

Handwerklich gesehen ist die Arbeit ähnlich wie das Übersetzen in eine Fremdsprache,
der Fokus liegt allerdings stärker auf der Struktur der Sätze; es gilt, die Komplexität zu vereinfachen.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 14
4. April 2016

Text
Bilder
  Mag ich   Kommentare  10

 Drucken  E-Mail

Editorial

Verständlich schreiben

Ein Editorial in Leichter Sprache von Chefredaktor Hans Schneeberger

Journalisten wollen,
dass man ihre Texte versteht.
Das ist wichtig.
Deshalb sollten sie so schreiben,
dass es wirklich alle verstehen.

Manchmal muss aber
viel Information im Text stehen.
Darum schreiben Journalisten oft lange Sätze.
Oder brauchen schwierige Wörter.

Es gibt aber viele Menschen in der Schweiz,
die schwierige Texte nicht verstehen.
Deshalb sollte man Texte so schreiben,
dass sie alle verstehen.

Es gibt eine Organisation,
die schwierige aber wichtige Texte in Leichte Sprache übersetzt.
Sie heisst Pro Infirmis.
Pro Infirmis setzt sich für die Rechte von
Menschen mit Behinderung ein.

Ralph Jäger ist ein Mensch,
der schwierige Texte nicht so gut versteht.
Zum Beispiel:
• Briefe von Ämtern
• Briefe von der Krankenkasse
• Steuererklärungen

Ralph Jäger ist deshalb ein Textprüfer bei Pro Infirmis.
Er entscheidet,
ob man eine Übersetzung in Leichter Sprache versteht.

Der Journalist Ralf Kaminski erzählt in diesem Migros-Magazin, wie der Alltag von Ralph Jäger aussieht.
Er zeigt, wie man Texte so schreibt, dass sie alle verstehen.

Dieser Text wurde von Ralph Jäger kontrolliert und korrigiert. Er hat den Beitrag unten in Leichte Sprache übersetzt.

Journalisten sollten vom Drang erfüllt sein, gelesen und verstanden zu werden. Das ist oft nicht einfach, schliesslich sind die Sachverhalte, über die sie schreiben, komplex. Wie also bringt man Komplexität und Verständlichkeit unter einen Hut? Oft scheitern sie beim Analysieren, Verdichten und Aufbereiten an ihren eigenen Ansprüchen. Gründlichkeit kommt vor Verständlichkeit, Abstriche sind verpönt.

Damit aber ignorieren sie die Bedürfnisse eines Grossteils der Bevölkerung: 800 000 Menschen sind nicht imstande, komplexe Zusammenhänge in Texten zu erfassen. Menschen mit einer geistigen Behinderung, Leute mit einer kognitiven Störung oder funktionale Analphabeten. Die Stiftung Pro Infirmis hat es sich zum Ziel gesetzt, solchen Menschen zu helfen. Sie übersetzt komplizierte Texte in sogenannte Leichte Sprache und lässt sie von Testlesern begutachten.

Weitere Artikel zum Thema

 

Die beliebtesten Artikel der Rubrik

 


Kommentar verfassen


10 Kommentare

Anne Parpan-Blaser [Gast]

Geschrieben am
20. April 2016

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Kaminski

Mit Interesse haben wir den Artikel zum Thema Leichte Sprache (Migros Magazin 14/2016 4.4.2016) gelesen. Da wir uns in einem Projekt des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen EBGB ebenfalls mit dem Thema befassen und eine Weiterbildung zu Leichter Sprache verantworten, möchten wir an dieser Stelle reagieren und einen Nachtrag anbringen:
Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 2014 hat das Thema Leichte Sprache in der Schweiz Aufwind erhalten, obwohl bereits 2006 vom Bundesamt für Statistik Zahlen veröffentlicht wurden, die auf eine beunruhigend hohe Anzahl von rund 800'000 Personen aufmerksam gemacht haben, die aus unterschiedlichen Gründen über unzureichende Lese- und Schreibkompetenzen verfügen. Zu Leichter Sprache sind in der Schweiz unterschiedliche Initiativen entstanden, die im Artikel leider nur unvollständig dargestellt sind: Zu nennen sind neben den Übersetzungsbüros der pro infirmis Zürich und des WohnWerks Basel Organisationen, die zum "Hausgebrauch" in Einfacher Sprache texten (z.B. die Stiftung Weidli, die Stiftung MFB, die Stiftung Friedheim, die Schreibberatung für Gehörlose und Schwerhörige um nur einige zu nennen), daneben Verbände und Selbstvertretungsorganisation wie Mensch zuerst-people first Schweiz, einige freie ÜbersetzerInnen und Fachhochschulen (Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik Zürich, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) mit diversen Projekten. Bereits vor 2014 widmete sich zudem der Verein Einfache Sprache Schweiz dem Thema Einfache Sprache.
All diese Akteure und weitere Interessierten haben im Verlauf des letzten Jahres zu einem (noch losen) Netzwerk zusammengefunden, das sich zwei Mal jährlich trifft.

Eine künftige Herausforderung wird es erstens sein, die Beiträge und Erkenntnisse aus anwaltschaftlicher, sozialwissenschaftlicher, translationswissenschaftlicher und linguistischer Perspektive für die Weiterentwicklung Leichter Sprache und ihren Einsatz nutzbringend zu verbinden. Zweitens stehen Erkenntnisse zu wichtigen Aspekten noch aus: Zu nennen sind beispielsweise die noch geringen Kenntnisse zur Wirkung Leichter Sprache und zu ihrem kritischen Potenzial (im Hinblick auf die Verwendung von ExpertInnen-Sprache, die nicht adressatengerechte Kommunikation vieler Ämter und Stellen und die daraus entstehenden Demokratiedefizite), eine systematische linguistische Begründung von Regeln Leichter Sprache, eine Differenzierung unterschiedlicher Zielgruppen (Menschen mit Lernschwierigkeiten, funktionale AnalphabetInnen, Menschen mit noch geringen Deutschkenntnissen). Nicht zu vergessen sind schliesslich intensive Bemühungen zur Förderung von Lese- und Schreibkompetenzen bei allen Personen, die zurzeit auf Leichte Sprache angewiesen sind/wären.

Die Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz widmet sich zurzeit im Rahmen eines Entwicklungs- und Forschungsprojekts dem Thema Leichte Sprache im Erwachsenenschutz (http://www.fhnw.ch/ppt/content/prj/T999-0602). Das Projekt wird vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen EBGB massgeblich finanziell unterstützt. In Zusammenarbeit mit einer Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) soll Leichte Sprache im Erwachsenenschutz eingeführt und die Verwendung der einfach verständlichen Informationen und Briefschaften untersucht werden. Alle im Projektverlauf entstandenen und übersetzten Dokumente werden durch eigens dafür geschulte Prüferinnen und Prüfern aus der Zielgruppe (Menschen mit geringen Lesekompetenzen aufgrund von Lernschwierigkeiten oder psychischen Beeinträchtigungen) geprüft. Ein Ziel des Projektes ist es, Erkenntnisse zu Abläufen bei der Übersetzung von Dokumenten in Leichte Sprache zu generieren: Was ist zu beachten? Wo liegen besondere Herausforderungen? Erste Ergebnisse zeigen, dass Leichte Sprache nicht nur eine Frage der Veränderung sprachlicher Strukturen und Ausdrücke ist, sondern dass darüber hinaus eine Sensibilisierung zur Fragen der Partizipation (innerhalb der Behörde) ausgelöst werden. Ausserdem wird deutlich, wie aufwändig in einem sorgfältig gestalteten Prozess die Koordination zwischen Auftraggeberschaft, Übersetzenden und Prüfenden ist.

Parallel zum oben beschriebenen Projekt wurde an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW in Kooperation mit dem österreichischen KI-I (Kompetenznetzwerk Informationstechnologie zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen) ein Fachseminar aufgebaut, das Grundlagen bietet zum Texten und Übersetzen in Leichte Sprache, zum Prüfen von Texten sowie zu Hintergründen des Sprachsystems und zu zielgruppengerechter Kommunikation. Ab September 2016 wird dieses mehrtägige Fachseminar von der Hochschule für Soziale Arbeit zum vierten Mal angeboten (Kontakt: esther.pfister@fhnw.ch).

Wir begrüssen es sehr, dass anhand Ihres Artikels das Thema Leichte Sprache anschaulich dargestellt und damit einer breiten Bevölkerung näher wurde, denn eine breite Akzeptanz ist wichtig für die weitere Verbreitung, Verwendung und Entwicklung. Dass hierzu bereits Arbeiten im Gang sind und verschiedene Akteure aus Zivilgesellschaft, Selbstvertretung, Verbänden und Hochschulen sich beteiligen, kommt im Artikel jedoch zu kurz.

Prof. Gabriela Antener, Annette Lichtenauer, Prof. Dr. Anne Parpan.-Blaser, Dozentin (alle Hochschule für Soziale Arbeit FHNW)

Wolfgang Engelhardt [Gast]

Geschrieben am
9. April 2016

Herr Derksen liegt richtig, wenn er die SRT, welche auf der so genannten Lorentz-Transformation beruht, die eigentlich Voigt-Transformation heißen müsste, für baren Unsinn hält. Einstein hat dies 1938 in seinem Buch mit Infeld selbst deutlich gemacht (https://www.researchgate.net/publication/279530691_Einstein%27s_Third_Postulate). Deutsche Kurzfassung hier: https://www.researchgate.net/publication/282325187_Einsteins_eigene_Widerlegung_seiner_Theorie .

Es ist allerdings nicht richtig, dass Voigts Transformation auf einem "Rechenfehler" beruht. Voigt postuliert die Forminvarianz der Maxwellschen Wellengleichung, d.h. er nimmt an c = const unabhängig von der Bewegung der Quelle und auch des Detektors. Dieser Überlegungsfehler zwingt ihn dazu, unsinnigerweise die Zeit zu transformieren, was Einstein dazu verleitet hat, eine "Relativität der Gleichzeitigkeit" anzunehmen. Natürlich ist dies längst widerlegt und wird von den GPS-Ingenieuren von jeher ignoriert. Näheres hier: https://www.researchgate.net/publication/258818001_On_the_Origin_of_the_Lorentz_Transformation

 

Norbert Derksen

Geschrieben am
9. April 2016

Gut, das kann man natürlich so sehen. Ich sehe es aber auch nicht unbedingt als direkt falsch an, wenn man einen Überlegungsfehler, der in einer Rechnung steckt bzw. auf dem eine Rechnung fußt, dann auch als fehlerhafte Rechnung oder kürzer Rechenfehler beim Namen nennt.

 

Norbert Derksen

Geschrieben am
19. April 2016

Jedenfalls danke ich für diesen Hinweis, und ich werde künftig zur Vermeidung von Mißverständnissen den Ausdruck «Rechenfehler» durch Überlegungsfehler ersetzen.

G. Beck [Gast]

Geschrieben am
7. April 2016

Ach ja, da haben wir sie wieder, die Besserwisser-Deutschen! Sie, Herr Derksen, haben leider nicht begriffen, um was es geht bei meinem Kommentar. Versteh ich, denn aufgrund IHRES Kommentars ist klar ersichtlich, dass Sie Ihre nicht beweisbare Theorie (sonst hätten Sie ja keine Belohnung ausgesetzt...) wichtiger nehmen, als das Thema, worum es überhaupt geht! Einfach nur ätzend!

 

Norbert Derksen

Geschrieben am
9. April 2016

Lieber Gast G. Beck,
wer hier wenig begriffen und mit dem Verstehen von Texten noch Probleme hat, sind doch offensichtlich Sie. Ich habe überhaupt keine Theorie vorgestellt — beweisbar ist eine Theorie übrigens nie, sondern allenfalls falsifizierbar —, sondern einen handfesten Gegenbeweis benannt, welcher unumstößlich steht. Die Belohnung ist doch gerade auf die (nicht mögliche) Falsifikation meines Beweises durch einen Transitivitätsnachweis ausgesetzt. Und über die Wichtigkeit haben Physiker sicher ganz andere Vorstellungen ;-)

 

Weitere Kommentare anzeigen

  • Sie haben diesen Kommentar bereits gemeldet