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Liebe trotz Unterschied

Online wären diese drei Paare nie zusammengekommen und keiner hätte sie verkuppelt. Trotz gegensätzlichen Interessen hat es in der analogen Welt gefunkt. Zu den Porträts erklären Pfarrerin und Agnostiker im Video, was sie verbindet.

EINE FILMREIFE BEZIEHUNG

«Die Liebe ist unsere Basis»: Carolina und Victor Costa sprechen oft über ihre unterschiedlichen Weltanschauungen.

Carolina und Victor Costa sprechen oft über ihre unterschiedlichen Weltanschauungen.

Pfarrerin und Agnostiker

«Eigentlich habe ich mich in eine begabte Sängerin verliebt», sagt Victor Costa (42). Das war vor elf Jahren in einer Musikschule in Paris. Heute ist der Komiker mit dieser Frau verheiratet – nur dass sie inzwischen Pfarrerin ist. Victor Costa ist seit seiner Jugend erklärter Agnostiker: Er zweifelt an der Existenz Gottes. Als er Carolina (37) kennenlernte, hatte die Genferin zwar ein Theologiestudium hinter sich, doch Victor mass dem nicht so viel Bedeutung bei. Immerhin führte seine Angebetete ein lustiges Studentenleben und feierte gern Partys.

Dann eröffnete sie ihm, dass sie für ein Pfarrerpraktikum nach Genf gehen würde. Er sagte: «Tu, was dich glücklich macht.» Und dachte: Das ist eine Phase, die wieder vorbeigeht. Victor lacht: «Sie hat mich voll auf dem linken Fuss erwischt.» Der Agnostiker und die Pfarrerin leben in Genf, haben zwei Töchter von sechs Jahren respektive drei Monaten und eine Filmproduktionsfirma.

Keine Beweise für oder wider den Glauben
Natürlich führt die Glaubensfrage zu Diskussionen. «Sie bringen uns weiter», sagt Carolina Costa, «denn so müssen wir uns mit immer neuen Fragen befassen.» Das sei manchmal mühsam, aber meist lohnend und werde niemals ein Trennungsgrund sein – im Gegenteil: Durch die Auseinandersetzungen fühlten sie sich einander näher.
«Carolinas Arbeitsalltag lässt mich über viele Dinge nachdenken», sagt Victor, «über Krankheiten, das Sterben, das Leben.» Sie wiederum beginnt den Agnostiker zu verstehen: «Ich habe auch keine Beweise für das, woran ich glaube.» Einmal im Jahr besucht Victor die Messe, «um meine Frau zu unterstützen».

Ihre Konstellation hat die Costas zu einer französischsprachigen Internetserie mit dem Namen «Ma femme est pasteure» inspiriert. Seit einigen Monaten sind die Clips auch in der deutschsprachigen Synchronfassung zu sehen. Darin verarbeiten die beiden die Herausforderungen ihres Alltags inklusive der Komik, die sie mit sich bringen. In einer der Folge hat Victor Costa kürzlich Gott eine weibliche Identität verpasst und Jesus in die Transgenderfrau Jesuette verwandelt.

Manchmal wird Carolina Costa in der Kirche auf ihren Mann und seine unkonventionellen Ideen angesprochen. Dann antwortet sie: «Das ist schon gut so, ohne ihn wäre ich nicht die Pfarrerin, die ich bin.»

www.meinefrauistpfarrerin.com


EIN PAAR, DAS SICH FORDERT

Thomas Alder ist ein fanatischer Biker. Maya Burkhard mag gediegenen Lifestyle.

Thomas Alder ist ein fanatischer Biker. Maya Burkhard mag gediegenen Lifestyle.

Genussfrau und Bike-Freak

Sie liebt nichts mehr, als sich nach einem entspannten Tag überraschen zu lassen mit einem Mehrgangmenü in einem feinen Restaurant. Er ist erst richtig glücklich, wenn er sich
auf dem Bike «auskotzen» kann, und auf dem Teller mag er am liebsten Burger mit Pommes. Trotzdem sind sie seit rund fünf Jahren ein Paar.

Maya Burkhard (41) und Thomas Alder (42) haben sich 2012 bei einem Apéro einer Kollegin kennengelernt. Nachdem sie sich verliebt hatten, merkten die beiden schnell, dass sie nicht ganz aus demselben Holz geschnitzt sind. Thomas verbringt pro Woche 10 bis 40 Stunden auf dem Velosattel. Mehrmals im Jahr nimmt er an Wettkämpfen teil, etwa beim 24-Stunden-Rennnen in Schötz LU, bei dem die Athleten während 24 Stunden im 5-Kilometer-Rundkreisfahren, bis sie nicht mehr können. 290 Kilometer hat Thomas beim letzten Mal geschafft. Seine Freundin rollt mit den Augen, wenn er davon erzählt: «Wie kann man nur?!» Maya ist ein Genussmensch und mag das Schöne und Angenehme.

Der Zwang zum eigenständigen Leben
Die Personalfachfrau ist auch kulturell interessiert und würde gern wieder einmal nach Thailand reisen. Mit Thomas, der als Business-Projektleiter in einer Bank arbeitet, ist das aber nicht so leicht möglich: Er mag das asiatische Essen nicht. Zudem muss immer eins seiner sieben Bikes mit in die Ferien. «Es ist unglaublich, aber manchmal bin ich richtig eifersüchtig auf seine ‹Göppel›», sagt Maya und seufzt.

Wie kann das funktionieren? «Ich glaube, ich habe mir Thomas ausgesucht, weil ich mit ihm gezwungen bin, ein eigenständiges Leben zu führen.» Sie müsse für sich selbst planen und das machen, worauf sie Lust habe, weil es nicht selbstverständlich sei, dass sie das ganze Wochenende zusammen verbringen würden. Thomas nickt und sagt: «Wir fordern uns gegenseitig.»

Dank Maya habe er sich persönlich weiterentwickelt. Er sei halt – typisch Mann – nicht der, der immer über seine Gefühle rede, sie jedoch frage ihn manchmal richtiggehend aus, «als ob sie gerade in einem Vorstellungsgespräch mit einem Bewerber» sei. Die beiden lachen schallend über den Vergleich. Die Geniesserin und der Bike-Freak haben zwar unterschiedliche Interessen, aber offensichtlich denselben Humor. 


ZWEISAMKEIT MIT DREI VIERBEINERN

Die Hunde sorgen schon mal für Zündstoff: Randy Wicki (24) und Magdalena Kaltenegger (26) mit Jane, Bonita (beide nicht im Bild) und Nici (v.l.).

Hunde sorgen schon für Zündstoff: Randy Wicki (24) und Magdalena Kaltenegger (26) mit Nici.

Hundenärrin und Hundegegner

Als Magdalena Kaltenegger (26) nach Rumänien reiste, um zwei Wochen lang bei einem Hilfsprojekt für Strassenhunde anzupacken, ahnte Randy Wicki (24), wie das ausgehen würde. «Sie hatte mir versprochen, nicht noch einen Hund nach Hause zu bringen.» Dennoch flog sie schliesslich mit Jane, einer Mischlingshündin, zurück nach Zürich. «Jane war sehr krank; ich konnte sie nicht zurücklassen», erklärt sie. Dass Magdalena ein grosses Herz hat, gefällt Randy. «Aber mit der Tierliebe übertreibt sie es.»

Das Paar lernte sich über gemeinsame Freunde kennen, an der Silvesterfeier vor viereinhalb Jahren hat es schliesslich gefunkt. Er dachte: «Die will ich.» Sie war erst etwas zurückhaltend, weil ihm der Ruf eines Players vorauseilte. Doch sie liess sich gern vom Gegenteil überzeugen. Als Magdalena und Randy ein Paar wurden, besass sie bereits einen Hund, Nici. Der Prager Rattler kläffte Randy bei der ersten Begegnung an. «Viel inniger ist die Beziehung zu Nici bis heute nicht geworden», sagt Randy – und lacht.

Nicht immer findet er die Hundeliebe seiner Freundin lustig. Als die gelernte Verkäuferin nach ihrer Ausbildung zur Modedesignerin in einem Tierheim schnupperte, wusste Randy, was auf ihn zukommen würde. Bonita heisst der winzige Chihuahua, den sie diesmal retten musste. Tier Nummer drei stört Randy am wenigsten, weil sie «fast kein Hund» sei. In seinen Augen sind die Hunde oft zu laut, haaren
alles voll und stören die gemütliche Zweisamkeit.

Eine Vereinbarung getroffen
Wenn die beiden sich streiten, geht es meistens um die Hunde. Er findet, sie sei zu lasch, sie betrachtet sich als entspannt. Das Paar hat eine Vereinbarung getroffen: Er akzeptiert ihre Hunde, sie lässt ihn dafür gamen und rauchen. Zu Hause bei Randy sind die Hunde nicht willkommen, und wenn das Paar gemeinsam etwas unternimmt, bleiben Nici, Jane und Bonita bei Magdalenas Mutter. Die Kompromisse findet
Randy «nicht ganz fair»: «Meinen Computer kann man abschalten, einen Hund nicht.»

Beide sind meinungsstark, unternehmenslustig, sportlich aktiv und sehen sich gern Filme an. Zusammenziehen ist ein Thema – das Randy «auch etwas Angst macht». Er hätte gern eine Dachwohnung mit Terrasse, wo er grillieren kann, sie eine Parterrewohnung mit Garten, damit die Hunde sich austoben können. Etwas Zeit bleibt noch, um die Details auszuhandeln. Der Junior Product Manager möchte erst seine Weiterbildung zum Wirtschaftsinformatiker abschliessen. Magdalena will ihr Geschäft für massgeschneiderte Hundebekleidung, Dikini-mk, zum Fliegen bringen.

Eine weitere Beziehungsprobe zeichnet sich schon ab: Die Sommerferien werden Magdalena und Randy auf einem Campingplatz verbringen – mit einem Hund, da Magdalenas Schwester ebenfalls mit Hund dabei sein wird. Ob Nici, Jane oder Bonita mitreisen soll, darüber diskutieren die beiden noch. 

 

Erschienen in MM-Ausgabe 20
15. Mai 2017

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